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Köln/Bonn
Ah! Oh!

Köln/Bonn. Morgen gibt es bei den "Kölner Lichtern" ein Riesen-Feuerwerk zu bestaunen, heute eines bei der Rheinkirmes in Düsseldorf. Der Rhein ist die perfekte Kulisse für Sternenregen und Glitzer-Spektakel. Von Jens Meifert und Martin Wein

Der Herr der Lichter ist seit der ersten Stunde Georg Alef. Der Chefpyrotechniker, beschäftigt bei der Firma Weco in Eitorf, wählt für das Feuerwerk für die Kölner Lichter aus 4000 möglichen Effekten. "Die Planung läuft als Kopfkino" sagt er. Und das kann er manchmal mehr genießen als das Feuerwerk selbst. Denn bis die letzte Rakete im Himmel gezündet hat, steht Alef unter Hochspannung.

Bis zu 800.000 Menschen strömen jedes Jahr zu den Kölner Lichtern. Wie viel es genau sind, ist schwer zu sagen. Zwischen der Hohenzollernbrücke und der Zoobrücke, da, wo um 23.30 Uhr das Hauptfeuerwerk steigt, finden gut 300.000 Menschen Platz. Dazu kommen die Gäste auf den Schiffen, aber vor allem die zigtausenden Besucher, die ihre eigene Lichterparty feiern. Irgendwo am Rhein, in Rodenkirchen, Porz oder auf einer Terrasse mit schönem Blick auf die Funkenshow. Morgen ist es wieder so weit.

Dabei waren die Kölner vor der Premiere 2001 skeptisch. "Grausam, einer Metropole nicht würdig", ätzte der damalige SPD-Fraktionschef Norbert Rüther. 300.000 D-Mark kosteten die ersten Kölner Lichter. 3,2 Tonnen Feuerwerk flogen vor der Altstadtkulisse in die Luft - aus heutiger Sicht ein bescheidener Materialeinsatz. Die Kölner waren jedenfalls angetan. In den Folgejahren wäre niemand auf die Idee gekommen, den Termin wieder aus dem Festkalender der Stadt zu streichen. In diesem Jahr wird die Lichtershow 1,5 Millionen Euro kosten.

Feuerwerke lassen sich bereits im späten Mittelalter nachweisen, an den Höfen der Residenzen ließen es die Fürsten gerne krachen. Auf das Jahr 1756 datieren die Organisatoren von "Rhein in Flammen" dessen Ursprünge zurück. Für die Vergangenheit kann man sich die Faszination für die Feuerspiele leicht erklären: In einer Welt, die nur Tag und Nacht kannte, in der Blitz und Donner als Attribute oder Ausdruck göttlichen Willens galten, standen Feuerwerke für die Überwindung menschlicher Einflussgrenzen und zeigten ein völlig neues Bild der Welt. Bevorzugt nutzten deshalb Barockfürsten die in Europa noch neue Kunst als Symbol ihrer höfischen Macht und Prachtentfaltung. Was bei Hofe zündete, das wurde beim gemeinen Volk rasch populär. So berichtete beispielsweise die Kölnische Zeitung am 12. August 1817 von einem "geschmackvollen Feuerwerk, welches auf der Mitte des Rheins auf einem Schiffe abgebrannt wurde".

1931 ließ Kunibert Ochs, damals der Direktor des Landesverkehrsverbandes Nordrhein, das Rheinufer zwischen Linz und Bonn-Bad Godesberg erstmals einen Abend lang von bengalischen Feuern erleuchten und schuf damit einen Begriff von unschätzbarem Wert. Das damalige Motto "Rhein in Flammen am Siebengebirge" ist in verkürzter Form längst eine geschützte Marke und steht für fünf Höhenfeuerwerke von Bonn bis Bingen zwischen Mai und September, die manche Städte neidvoll auf den Mittelrhein schauen lassen. Von 1948 bis 1965 war die Veranstaltung in Bonn unregelmäßig wiederbelebt worden, unter anderem, um Queen Elizabeth II. im Rheinland zu begrüßen. Seit 1986 steht der Rhein wieder jedes Jahr in Flammen.

Seither hat sich das Ereignis, gepaart mit Live-Musik auf mehreren Bühnen, bis weit über die Grenzen der Region herumgesprochen. Das Konzept wurde von vielen Städten kopiert, seien es die Kölner Lichter, das Japanische Feuerwerk in Düsseldorf (750.000 Besucher) oder das Rheinkirmes-Feuerwerk. Heute Abend zur Eröffnung wird der Himmel über Düsseldorf leuchten, am 22. Juli lassen die Schützen erstmals Raketen von einem Schiff auf dem Rhein abschießen.

Zuhause auf dem Balkon macht jedes Feuerwerk nur halb so viel Freude. So gehört zum Erfolgsgeheimnis der Rhein-Feuerwerke wohl auch der Event-Charakter. Sie schaffen einen Anlass, sich zu treffen, stundenlang vorher einen guten Platz zu suchen, sich mit Picknickvorräten und Wolldecken bei bisweilen frischen Temperaturen die Zeit zu vertreiben, mit Tausenden in den Himmel zu starren und in zahllosen Ah's und Oh's die eigene Begeisterung kundzutun.

Quelle: RP
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