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Landesparteitag
AfD-NRW setzt 16-jährigen Youtuber vor die Tür

AfD-NRW setzt 16-jährigen Youtuber vor die Tür
Mitglieder der Partei AfD beteiligen sich in Werl an einer Abstimmung. Bis Sonntag findet der Parteitag der nordrhein-westfälischen AfD mit dem Schwerpunkt der Erarbeitung eines Wahlprogramms für die Landtagswahl 2017 statt. FOTO: dpa, bt axs
Werl. Nach langem Zögern hat die AfD-NRW Journalisten zu ihrem Landesparteitag zugelassen. Doch ein 16-jähriger Youtuber ist wieder vor die Tür gesetzt worden. Er sollte die Mitglieder nicht filmen. Von Saskia Nothofer

Das Verhältnis der AfD zu den Medien ist angespannt. Erst hatte der Landesvorstand NRW daher ankündigt, Journalisten vom an diesem Wochenende in Werl stattfindenden Landesparteitag auszuschließen. Entgegen dieser Ankündigung sind die Medienvertreter aber dann doch zugelassen worden. Nach längerer Diskussion öffneten die Delegierten die Türen für die Journalisten.

Ohne Einschränkungen konnten diese sich beim Parteitag aber nicht bewegen. So wurde etwa der 16-jährige Tomasz Niemiec, der einen YouTube-Channel ("Tomekian") für politisch interessierte Jugendliche führt, kurzzeitig von der Security aus dem Saal zitiert.

Tomasz Niemiec (16 Jahre) betreibt den YouTube-Channel ("Tomekian"). Bei dem Landesparteitag der AfD wurde er von Sicherheitsleuten unter Druck gesetzt, da er angeblich zu viele Parteimitglieder gefilmt haben soll. FOTO: Youtube

Der Grund: "Sie haben gesagt, ich hätte zu viele Mitglieder gefilmt", so der 16-Jährige. Die Security hätte sein Material sichten wollen, Niemiec ließ das allerdings nicht zu. Durfte dann trotzdem wieder in den Saal zurückkehren. "Sie wollen jetzt Schritte gegen mich einleiten, falls sie etwas Verdächtiges bei mir im Channel sehen", sagte er.

Doch da sich die Mitglieder von dem Youtuber belästigt fühlten, hat sich die Partei entschieden ihn doch komplett vor die Tür zu setzen. "Nach einigen Unterhaltungen mit AfD-Mitgliedern und Höherrangigen Personen stellte sich heraus dass mein Kanal wohl 'zu links' wäre", kommentiert der Youtuber unter diesem Artikel. Ein Sprecher der Partei bestätigte den Rausschmiss gegenüber unserer Redaktion: "Einige Mitglieder fühlten sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt."

Das sind die führenden Köpfe der AfD FOTO: dpa, mb pil rho

Bei dem an diesem Wochenende stattfindenden Treffen wird das Wahlprogramm für die Landtagswahl 2017 der NRW-AfD festgelegt. Auch AfD-Chefin Frauke Petry war vor Ort. Sie kündigte an, dass die NRW-AfD bei der Landtagswahl 2017 als drittstärkste Kraft ins Parlament einziehen will. Die Landeschefs Martin Renner und Markus Pretzell sowie Petry schworen die 250 Delegierten auf dieses Ziel ein. "Wir wollen den Bürgern beweisen, dass wir in der Lage sind, zukünftig noch mehr Verantwortung für dieses Land zu übernehmen", sagte Petry in ihrem Grußwort. Die Politik Merkels führe zu einer schleichenden sozialistischen Umgestaltung Deutschlands.

In dem zur Diskussion stehenden Entwurf für ein Wahlprogramm fordert die AfD unter anderem eine Abkehr von rot-grünen Schulreformen wie der Inklusion, eine Reduktion von Zuwanderung, schnellstmögliche Abschiebungen und mehr Polizei auf den Straßen. Die AfD will beispielsweise Hartz-IV-Empfänger zu gemeinnütziger Arbeit verpflichten und Eltern bezahlen, die auf ihre Berufsausübung verzichten, um sich um ihre kleinen Kinder zu kümmern.

Bislang ist die AfD nicht im Landtag von NRW vertreten, macht sich aber aufgrund zweistelliger Umfragewerte Hoffnung auf einen Wahlerfolg im Land ihres mitgliederstärksten Landesverbandes.

Lautstarke Proteste gab es am Samstag rund um den von der Polizei abgeschirmten Veranstaltungsort in Werl. Mehrere hundert Demonstranten auf verschiedenen Kundgebungen kritisierten die Positionen der AfD als fremdenfeindlich und rückwärtsgewandt.

Update 20:23 Uhr: Wir haben den Rausschmiss des Youtubers ergänzt.

(RPO)
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