| 10.17 Uhr

Von Studiengebühren bis Elite-Unis
Das sagen die NRW-Parteien zum Thema Hochschule

Wahl in NRW 2017: Das sagen die Parteien zum Thema Hochschule
Studenten während einer Vorlesung in einem Hörsaal. FOTO: dpa, spf sun jol kde
Düsseldorf. Was muss das Land für Hochschulen tun? Brauchen wir Elite-Unis in NRW? Und was ist von Studiengebühren zu halten? Diese und andere Fragen haben wir den NRW-Parteien* vor der Landtagswahl gestellt. Hier die Antworten zum Thema Hochschule. Von Detlev Hüwel

Was muss das Land für die Hochschulen tun?

  • SPD: Wir haben den Etat für Wissenschaft und Forschung um 45 Prozent gesteigert, fördern gezielt gute Lehre. Wir werden den Wildwuchs der Studiengänge beenden.
  • CDU: Die Hochschulfreiheit muss wieder hergestellt werden. Lehre und Forschung sind dann am besten, wenn Hochschulen selber entscheiden, wie und wozu geforscht wird und wie die Mittel möglichst optimal eingesetzt werden können.
  • Grüne: Wir wollen die Grundfinanzierung der Hochschulen erhöhen und sie weiter modernisieren, für Lehre und Forschung auf hohem Niveau. Wir wollen Studierenden und wissenschaftlichem Nachwuchs verlässliche Bedingungen bieten.
  • FDP: Die Freien Demokraten wollen den Hochschulen vor Ort wieder mehr Freiheit gewähren. Die Hochschulen brauchen eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung.
  • Linke: Unter anderem Studienbedingungen wie die Betreuungsrelation Lehrende–Studierende verbessern, Studienplätze ausbauen, den Zwang zu Drittmittelfinanzierung aufgeben und prekäre Beschäftigung (z.B. Befristungen) beenden.
  • AfD: Abschaffung der Bologna-Reform und zurück zu den bewährten Studienabschlüssen (Staatsexamen, Magister, Diplom) mit Stopp der Noteninflation. Zudem Reduktion der Studentenzahlen durch Qualitätsanhebung der Abituranforderungen.
Ein Demonstrant hält in Stuttgart ein Schild während einer Kundgebung gegen Studiengebühren hoch (Archivfoto). FOTO: Deniz Calagan

Was halten Sie von Studiengebühren?

  • SPD: Herkunft darf nicht über Zukunft entscheiden und der Geldbeutel der Eltern nicht über den Bildungserfolg der Kinder. Deswegen haben wir die Studiengebühren abgeschafft. Eine Wiedereinführung wird es mit uns nicht geben.
  • CDU: Studiengebühren lehnen wir ab.
  • Grüne: Wir halten Studiengebühren für unsozial. Mit uns wird es keine Campus-Maut geben. Wir wollen den Hochschulen stattdessen weiterhin mehr Landesmittel überweisen. Ein zukunftsfähiges NRW braucht Bildungsgerechtigkeit.
  • FDP: Hochschulen sollen selbst entscheiden, ob sie nachgelagerte Studienbeiträge einführen oder nicht. Bis maximal 500 Euro je Semester sollen die Unis nach Beendigung des Studiums einkommensabhängig erheben dürfen.
  • Linke: Die Linke lehnt jede Form von Studiengebühren ab. Bildung ist eine öffentliche Aufgabe und darf nicht vom Geldbeutel abhängen.
  • AfD: Gar nichts. Zugangsberechtigung darf nicht die Finanzkraft des Elternhauses sein, sondern die Leistungsfähigkeit des jungen Menschen. Durch Reduktion der Studentenzahlen werden die Hochschulen effektiver entlastet.
Schilder weisen auf die vielen Wege eines Studiums hin (Archivfoto). FOTO: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Sind unsere Hochschulen zukunftsfähig?

  • SPD: Zwei Exzellenzuniversitäten, mehr Leibniz-Preisträger als jedes andere Bundesland und der bundesweite Spitzenplatz bei der Einwerbung von EU-Fördergeldern stehen für die Stärke des Hochschul- und Forschungsstandorts NRW.
  • CDU: Wir wollen das hohe Innovations- und Lehrpotenzial unserer dichten Hochschullandschaft heben, indem die Hochschulen ihre wiedergewonnene Freiheit zur Profilierung und zur Kooperation mit der Wirtschaft in eigener Verantwortung gestalten können.
  • Grüne: Unsere Hochschulen sind in hohem Maße zukunftsfähig. Damit sie es bleiben, wollen wir uns weiterhin für sie einsetzen und in Forschung und Lehre investieren. Wir lassen die Hochschulen nicht im Stich.
  • FDP: Die Hochschulen sollen an die akademische Qualität der besten Unis in der Welt heranrücken. Das Ziel ist erreichbar. Durch die Verschlechterung der Studienbedingungen unter Rot-Grün wird das Potenzial aber nicht genutzt.
  • Linke: Es braucht eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulen und damit auch mehr Mittel für eine gute Lehre und gute Arbeit an den Hochschulen, statt Befristungen, Exzellenzförderung und Drittmittelzwang.
  • AfD: Nicht, solange die Organisation "amerikanisiert" wird und gleichzeitig die Maßstäbe der traditionellen "Humboldt-Universität" gefordert werden. Vor allem müssen Angebots- und Anforderungsniveau wieder erhöht werden.
Eine Vorlesung in einem Hörsaal in Göttingen (Archivfoto). FOTO: dpa, spf sun vfd

Brauchen wir Elite-Hochschulen?

  • SPD: In der bundesweiten Exzellenzinitiative sind Köln und Aachen schon Elite-Unis. Zudem fördern wir in Exzellenz-Clustern und Graduiertenschulen gezielt internationale Spitzenforschung.
  • CDU: Wir wollen Exzellenz an allen unseren Hochschulen. Grundsätzlich wollen wir die Qualität von Lehre und Forschung an (Fach-) Hochschulen erhöhen und die Studienbedingungen verbessern.
  • Grüne: Statt nur wenige Spitzenuniversitäten zu fördern, sollten möglichst alle Hochschulen ihre jeweiligen Stärken weiter entwickeln können. Bundes- und Bund-Länder-Programme wollen wir in diese Richtung umgestalten.
  • FDP: Wir wollen weltbeste Bildung und das Forschungsland Nummer eins sein. Deshalb wollen wir Rahmenbedingungen für nordrhein-westfälische Hochschulen, die es ihnen ermöglichen, künftig zur Welt-Elite zu gehören.
  • Linke: Nein, wir brauchen eine gute Ausfinanzierung aller Hochschulen im Land und keine Zwei-Klassen-Bildung bei den Unis. Zumal manche Hochschulstandorte hierdurch weiter abgehängt würden.
  • AfD: Nein. Jede Universität muss Absolventen verabschieden, die von der Qualifikation her wettbewerbsfähig sind. Allerdings müssen die Noten wieder das tatsächliche Leistungsniveau widerspiegeln.
Studenten hören aufmerksam in einer Vorlesung zu (Archivfoto). FOTO: Oliver Berg/dpa

Wie können Studierende aus Arbeiterfamilien besser unterstützt werden?

  • SPD: Neben der Ablehnung von Studiengebühren werden wir in allen Regionen Talentscouts etablieren, um junge Menschen aus Nicht-Akademikerfamilien zum Studium zu bringen.
  • CDU: Durch Erhöhung der Bafög-Sätze und Verbesserung der Stipendienstruktur werden viele Studierende, unabhängig von ihrem Elternhaus, unterstützt. Das Land sollte hier durch eine optimierte Talentförderung unterstützend tätig werden.
  • Grüne: Wir möchten Programme für junge Menschen aus bildungsfernen Familien an den Hochschulen ausbauen. Das Teilzeitstudium, das Studium ohne Abitur und das berufsbegleitende Studium wollen wir stärker bewerben und fördern.
  • FDP: Studierende sollen auf eigenen Beinen stehen können. Das Bafög soll deshalb elternunabhängig und ohne Bürokratismus gezahlt werden – 300 Euro als Zuschuss und 500 Euro als zinsgünstiges Darlehen.
  • Linke: Es braucht mehr Meisterstudienplätze, eine Erhöhung der Bafög-Sätze, mehr Stipendienförderung. Zudem bezahlbaren Wohnraum, weil in einigen Städten schon jetzt die Hälfte des Bafög und mehr für die Miete draufgeht.
  • AfD: Die Unterstützung muss in der Schulzeit beginnen, damit auch Kinder aus bildungsfernen Schichten ihr Potenzial ausschöpfen können. Bafög muss auch Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen das Studium ermöglichen.

*An dieser Stelle berücksichtigen wir nur Parteien, die realistische Chancen auf den Einzug in den nächsten Landtag haben.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wahl in NRW 2017: Das sagen die Parteien zum Thema Hochschule


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.