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Prozess gegen Bottroper Apotheker
Angela Merkel soll als Zeugin aussagen

Apotheker aus Bottrop wegen Krebs-Mitteln vor Gericht
Apotheker aus Bottrop wegen Krebs-Mitteln vor Gericht FOTO: dpa, ve fgj
Essen. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Medikamentenpanscher von Bottrop hat ein Opferanwalt beantragt, Bundeskanzlerin Angela Merkel als Zeugin vorzuladen. Grund ist eine gewagte Formulierung in einem Brief aus dem Kanzleramt.

Damit könnte in dem Prozess gegen den Mann, der in großem Stil Krebsmedikamente gestreckt haben soll, nach dem Willen eines Anwalts der Nebenkläger eine ganz besondere Zeugin aussagen. Andreas Schulz, einer der Anwälte der Nebenkläger, hat beantragt, dass das Landgericht Essen einen Vertreter des Kanzleramts vorlädt – wenn möglich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) höchstpersönlich. Das berichtet das Recherchenetzwerk "Correctiv", das den Prozess seit Beginn am 13. November kontinuierlich vor Ort begleitet.

Grund für den schlagzeilenträchtigen Antrag ist eine Antwort aus Berlin an die Sprecherin der mutmaßlichen Opfer des Apothekers, Heike Benedetti. In dem Schreiben vom 4. Januar heißt es wörtlich, das Kanzleramt gehe davon aus, "dass es sich bei den Bottroper Geschehnissen um einen Einzelfall kriminellen Fehlverhaltens handelt".

Als unbedacht könnte man diese Formulierung bezeichnen. Nebenklage-Anwalt Schulz nannte sie zum Auftakt des 13. Prozesstags am Donnerstag "eindeutig". Er betrachtet den Satz als "berechtigten Grund zur Annahme, dass der Zeugin Merkel beziehungsweise dem Bundeskanzleramt maßgebliche Erkenntnisse vorliegen, die für die Schuld- und Straffrage des Angeklagten von Bedeutung sind".

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Ob das Gericht dem Antrag des Anwalts stattgibt, werde sich "an einem der nächsten Verhandlungstage" entscheiden, erklärt Sprecherin Karina Becker auf Anfrage. "Zunächst erhalten alle Verfahrensbeteiligten wie üblich Gelegenheit zur Stellungnahme." Zur Wahrscheinlichkeit, dass Merkel tatsächlich in Essen aussagt, wollte sie sich nicht äußern. Sie dürfte aber gegen null tendieren. Der Staatsanwalt bemerkte, der Antrag habe die Verhandlung "offenbar etwas auflockern" sollen.

 

(tojo)
 
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