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Humanitäre Not
"Ich fliege selbst hin": Griechen aus NRW helfen ihren Landsleuten

Das sind die Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland
Das sind die Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland
Köln/Düsseldorf/Bonn. Die Krise in Griechenland bewegt auch viele Griechen in NRW. Sie müssen erleben, wie ihre Freunde und Verwandte in der Heimat unter den Folgen leiden. Zusehen wollen viele nicht länger, sie organisieren Hilfen für ihre Landsleute.

Evangelos Plakopitas hat nur einen Wunsch: "Dass dieser Zustand bald zu Ende ist." Dieser Zustand - damit meint der Vorsitzende der Griechischen Gemeinde Köln zum Beispiel die Tatsache, dass die Menschen in seiner Heimat wieder Geld abheben können. Dass die Automaten Scheine ausspucken, idealerweise mehr als 60 Euro. Und dass die Apotheken ihre Medikamenten-Vorräte wieder auffüllen können.

Denn erst dann, wenn "dieser Zustand" zu Ende ist, können Plakopitas und die anderen Gemeindemitglieder ihren Landsleuten helfen. "Es bringt nichts, Geld zu überweisen, wenn die Menschen es nicht abheben können", sagt der 57-Jährige. Auch der Transfer über das Unternehmen Western Union funktioniere nicht. "Es gibt kein Bargeld vor Ort, das ausgezahlt werden kann."

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Aus diesem Grund ist auch Panagiotis Topalidis in großer Sorge um seine Mutter. Die 90-Jährige lebt in Nordgriechenland und ist Diabetikerin. Doch zur Zeit bekommt sie ihre lebensnotwendigen Medikamente nicht. "Sie hat kein Geld, um sie zu bezahlen", sagt Topalidis. Er lebt seit 40 Jahren in Köln uns ist Inhaber eines Reisebüros. In seiner Heimatstadt Alexandropolis fehlt es an vielen Dingen. "Eigentlich an allem, was importiert werden muss."

Topalidis kann und will nicht länger darauf warten, dass die Politiker sich in der Griechenland-Krise endlich einigen. "Ich fliege in ein paar Tagen selbst dorthin. Dann bringe ich meiner Mutter und anderen Verwandten Medikamente und was sie sonst brauchen".

Ein Freund von Topalidis ist Lkw-Fahrer in Griechenland. Er fährt regelmäßig nach Deutschland und hat auch schon Hilfspakete mit Medikamenten und Kleidung transportiert, die die Griechische Gemeinde gepackt hatte. "Vor kurzem war er nach einem Auftrag in Norddeutschland zurück auf dem Weg in die Heimat. Er konnte nicht tanken, weil seine Kreditkarte gesperrt wurde. Ich habe ihm 500 Euro geliehen", erzählt Topalidis.

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Lagudaki Kalliopi möchte so vielen Griechen wie möglich helfen. "Ich habe schon viele Leute vorübergehend bei mir zu Hause aufgenommen, die wegen der Krise nach Deutschland ziehen", sagt die 46-Jährige.

Sie betreibt einen Imbiss in Köln. "Ständig rufen Leute aus Griechenland an, die für einige Zeit bei mir arbeiten wollen." Kalliopi hat ihr Personal bereits auf sieben Mitarbeiter aufgestockt. "Mehr geht nicht." Sie bewege sich selbst schon am Existenzminimum, sagte sie auch dem "Express" (Köln).

Zur Zeit teilt Kalliopi sich ihre 65 Quadratmeter große Wohnung mit einer vierköpfigen Familie, darunter eine Hochschwangere. Deren Mann hilft in Kalliopis Imbiss aus. "Ich möchte vielen Menschen helfen, hier Fuß zu fassen oder zumindest zeitweise etwas Geld zu verdienen." Unter denen, die bei ihr arbeiten wollen, seien sogar Akademiker. Ihr Bruder habe ebenfalls eine Familie in seiner Wohnung aufgenommen.

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Auch in den griechischen Gemeinden ist viel Engagement zu spüren: "In der aktuellen Situation bemüht sich unsere Kirche, Hilfe zu leisten. Wir sammeln Medikamente, Kleidung und Lebensmittel", sagt Sokratis Ntallis, griechisch-orthodoxer Erzpriester in Bonn.

"Jetzt ist die Hilfsbereitschaft größer", sagt dazu Ioannis Psarakis, Erzpriester der griechisch-orthodoxen Kirche in Düsseldorf. Vor ein paar Tagen erst sei etwas Geld eingegangen, außerdem spendet die Gemeinde regelmäßig für Kinderhilfsorganisationen in Griechenland, unter anderem Kleider und Medikamente.

(lnw)
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