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Leichenfunde in Hille
Familie eines Opfers von Trittbrettfahrern erpresst

Drei Leichen in Hille gefunden
Drei Leichen in Hille gefunden FOTO: Stefanie Dullweber/Mindener Tagblatt /dpa
Bielefeld. Im Hille sind innerhalb weniger Tage drei Leichen gefunden worden. Die Identität von zwei Toten ist noch nicht geklärt. Ein Tatverdächtiger sitzt in Haft. Gleichzeitig wird bekannt, dass die Familie eines Opfers von Trittbrettfahrern erpresst wurde. Von Hendrik Gaasterland

Es ist ein verworrener Fall, dessen schreckliches Ausmaß erst nach und nach ans Licht kommt und der damit begann, dass ein Mann aus Niedersachsen vermisst wurde. Seine Leiche wurde später in Hille in Ostwestfalen gefunden. Die Polizei nahm daraufhin Jörg W. fest. Der Deutsche soll den Mann aus Niedersachsen mit einem Hammer erschlagen haben. Nach Angaben der Polizei hat er die Tat zugegeben. Nach ersten erkenntnissen hatte er eine Geschäftsbeziehung zu seinem Opfer aus dem niedersächsischen Stadthagen.

Bei den weiteren Ermittlungen fanden die Beamten heraus, dass noch zwei weitere Bekannte des Tatverdächtigen seit Monaten vermisst werden: der 71 Jahre alte Nachbar des Tatverdächtigen und ein 65-Jähriger, der auf dem Hof von Jörg W. kurzzeitig gearbeitet haben soll. Daraufhin sei in der Umgebung des Wohnhauses in Hille jeder Stein umgedreht worden, sagte ein Polizeisprecher. "Es wurde viel umgegraben, es wurden Erdhügel abgetragen und Misthaufen."

Obduktion soll Identität der Toten klären

Schließlich fanden die Ermittler zwei weitere Leichen. Aber noch ist unklar, ob es sich um die beiden vermissten Männer handelt. Die Ermittlungen stünden erst am Anfang, sagte Staatsanwalt Christopher York. Eine Obduktion soll die Identität der Leichen klären. Ein Ergebnis erwarten die Ermittler für Donnerstagabend. Staatsanwalt York kündigte für Freitag neue Details zu den grausigen Funden an.

Jörg W. war am Samstag von Spezialkräften in einem Hotel in Reit im Winkl gefasst worden. Rund zwei Stunden zuvor hatte die Polizei ein Fahndungsfoto veröffentlicht, auf dem der Mann in Ganoven-Pose mit einer Pistole vor seinem Kombi steht. Die Fahnder äußern sich bisher nicht dazu, ob er Waffen besaß. Gegen die Ehefrau des mutmaßlichen Mörders wird nicht ermittelt. Sie hatte ihren Mann selbst als vermisst gemeldet. Zunächst hatten die Ermittler deshalb sogar eine Entführung des 51-Jährigen und seines 30 Jahre alten Opfers nicht ausgeschlossen.

Der 51 Jahre alte mutmaßliche Täter gestand am Dienstag, den 30-Jährigen aus Stadthagen mit einem Hammer erschlagen zu haben. Die Leiche war auf einem Gehöft in Hille gefunden worden, das an das Grundstück des 51-Jährigen grenzt. Auf dessen Boden entdeckten die Ermittler der Mordkommission "Wilhelm" dann mithilfe von Leichenspürhunden die beiden Leichen.

Zu den beiden weiteren Leichenfunden konnte Jörg W. noch nicht befragt werden. Er sitzt zunächst in Untersuchungshaft in Bayern und soll noch nach Nordrhein-Westfalen überführt werden. Die Polizei bestätigt, das Jörg W. von 1989 bis 1991 bei der Fremdenlegion war und aufgrund einer Verletzung ehrenhaft entlassen wurde.

45.000 Euro von Opferfamilie gefordert

Am Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass die Familie des Opfers aus Niedersachsen von Trittbrettfahrern erpresst worden ist. Anfang März hätten zwei Männer vorgespielt, der 30-Jährige aus Stadthagen sei in ihrer Gewalt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bückeburg. Die Trittbrettfahrer hätten von der Familie 45.000 Euro erpressen wollen. Über den Erpressungsversuch hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Am Mittwoch der vergangenen Woche (7. März) hatten sich die beiden 22 Jahre alten Männer freiwillig der Polizei gestellt. Dabei gaben sie an, sie hätten aus Geldnot gehandelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Die beiden 22-Jährigen hätten in sozialen Netzwerken von dem Verschwinden des 30-Jährigen erfahren und die Lösegeldsumme gefordert. Zwar sei es zu einem Treffen mit der Familie gekommen. Geld sei aber nicht geflossen. Die beiden mutmaßlichen Erpresser sind Freunde und kommen aus der Region rund um Bielefeld. Genauere Angaben zum Wohnort wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen.

Der Mordfall von Hille - eine Chronologie

Sonntag, 4.3.2018 Ein 30-Jähriger aus dem niedersächsischen Stadthagen wird von seiner Familie als vermisst gemeldet. Die niedersächsische Polizei schließt eine Straftat nicht aus.

Montag, 5.3.2018 Der 51-jährige Jörg W. aus Hille wird ebenfalls vermisst. Mehr als 500 Beamte sind an den Suchaktionen nach den beiden Männern beteiligt. Auch eine Entführung scheint möglich.

Freitag, 9.3.2018 Das Auto des verschwundenen 30-Jährigen wird in einer Scheune in Hille gefunden, auf dem angrenzenden Gehöft finden Ermittler seine Leiche. Weil Jörg W. nicht weit entfernt wohnt, gilt er nun als dringend tatverdächtig.

Samstag, 10.3.2018 Ein Richter erlässt Haftbefehl, bundesweit wird nach Jörg W. gefahndet. Nach einem Zeugenhinweis können Spezialkräfte ihn am Abend im bayerischen Reit im Winkl festnehmen.

Sonntag, 11.3.2018 Die Ermittlungen zeigen: Der 71-Jährige, auf dessen Grundstück die Leiche des 30-Jährigen gefunden wurde, ist ebenfalls seit einem halben Jahr verschwunden.

Dienstag, 13.3.2018 Mit Leichenspürhunden sucht die Polizei die beiden Gehöfte in Hille ab. Am Nachmittag gesteht Jörg W., den 30-Jährigen aus Niedersachsen mit einem Hammer erschlagen zu haben.

Mittwoch, 14.3.2018 Nun ist klar: Auch ein 65-Jähriger Bekannter von Jörg W. ist seit Monaten verschwunden. Im Laufe des Tages findet die Polizei auf dem Grundstück des Verdächtigen zwei vergrabene Leichen.

(Mit Material der Nachrichtenagentur dpa)

 
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