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Prozess um "Horror-Haus" von Höxter
Anwalt von Wilfried W. fordert neues psychiatrisches Gutachten

Prozessauftakt im Fall Höxter
Prozessauftakt im Fall Höxter FOTO: dpa, mku kno
Paderborn/Höxter. Vor dem Landgericht Paderborn wurden am ersten Prozesstag Details zu den brutalen Misshandlungen an mehreren Frauen im ostwestfälischen Höxter verlesen. Der Anwalt des Angeklagten Wilfried W. fordert ein neues psychiatrisches Gutachten zu seinem Mandanten. 

Auf der Anklagebank in Paderborn sitzen der 46-jährige Wilfried W. und seine ein Jahr ältere Ex-Frau Angelika W.. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen zweifachen Mord durch Unterlassen sowie mehrfache Körperverletzung vor. Am ersten Prozesstag wurde die Anklage verlesen. Oberstaatsanwalt Ralf Meyer schilderte dabei Details aus der Leidenszeit der beiden getöteten Opfer. Ziel der Angeklagten sei es gewesen, Frauen mit Zeitungsanzeigen für den 46-jährigen Wilfried W. nach Höxter zu locken, um diese als Leibeigene für alle Lebenslagen gefügig zu machen. Dabei sei den Opfer vorgegaukelt worden, dass sie für den Ex-Mann von Angelika W. die große Liebe seien.

Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt FOTO: dpa, mku gfh

Das Paar soll laut Anklage den Willen der Frauen mit Schlägen, Tritten und Notsituationen systematisch gebrochen haben. Sie sollen die Frauen angekettet, der Kälte ausgesetzt und körperlich schwer misshandelt haben. 

Anwalt: Psychiatrisches Gutachten ist widersprüchlich

Der Verteidiger von Wilfried W., Detlef Binder, beantragte, dass ein neuer Sachverständiger eingesetzt wird. Das psychiatrische Gutachten, das der aktuelle Sachverständige erstellt hatte, sei widersprüchlich, so Binder. 

In dem Gutachten wird unter anderem die Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten beleuchtet. Laut Binder hat der Gutachter zur Beurteilung der Schuldfähigkeit ein altes Klassifikationssystem aus den 1980er Jahren verwendet, das mittlerweile überholt sei. Binder unterstellte dem Gutachter fehlende Sachkunde. Die Kammer hat den Antrag zunächst zurückgestellt. 

Die beiden Angeklagten sollen über Jahre hinweg Frauen mit Kontaktanzeigen in ihr Haus nach Höxter-Bosseborn gelockt und dabei einige von ihnen schwer misshandelt haben. Zwei der Frauen starben in Folge der Quälereien, eine weitere Frau entkam. Andere Frauen soll das mutmaßliche Täterduo um größere Geldmengen gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft geht im Zuge der noch laufenden Ermittlungen von insgesamt mindestens acht Opfern aus.

(hsr/lsa/lnw)
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