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Geräumtes Hochhaus in Dortmund
Mieterverein will Stilllegung von Hannibal II verhindern

Hochhaus "Hannibal II" in Dortmund muss evakuiert werden
Hochhaus "Hannibal II" in Dortmund muss evakuiert werden FOTO: dpa, mku gfh
Dortmund. Im Herbst wurde das Hochhaus Hannibal II in Dortmund wegen Brandschutzmängeln evakuiert. Nun will die zuständige Immobilienfirma das Haus ganz räumen. Ein Mieterverein will das noch abwenden. Von Franziska Hein

Am 21. September 2017 ging plötzlich alles ganz schnell: Nachmittags erhielten die rund 800 Mieter des Hannibal II Wohnkomplexes in Dortmund die Aufforderung, bis zum Abend ihre Wohnungen zu verlassen. Noch am selben Abend ließ die Stadt Dortmund die Wohnungen räumen. Der Grund: Brandschutzmängel. 

Nachdem bei einem Großbrand im Londoner Grenfell Tower im Juni 80 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte die Stadtverwaltung die Brandschutzvorkehrungen des Hochhauses überprüft und dabei Mängel festgestellt.

Bis heute leben 288 ehemalige Hannibal-Bewohner in städtischen Übergangswohnungen, das teilte die Stadt Dortmund auf Anfrage mit. 38 Menschen sind in einer Gruppenunterkunft untergebracht, in der auch Flüchtlinge leben, die übrigen 250 Menschen in 70 Wohnungen.

Die Mieter können nur unter strengen Sicherheitsauflagen ihre ehemaligen Wohnungen betreten - nach Anmeldung und nur für maximal eine halbe Stunde am Tag, um Post abzuholen, zu duschen oder die Fische im Aquarium zu füttern. Auch damit soll es ab dem  31. Januar vorbei sein. Zu diesem Datum will die zuständige Immobilienfirma "Intown" das gesamte Gebäude stilllegen.

Firma sieht sich zu Stilllegung gezwungen

Gegen die Räumung und das Wohnverbot hatte die Immobilienfirma vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen geklagt. "Die Räumung war aus brandschutztechnischer Sicht unangemessen, aus rechtlicher Sicht rechtswidrig”, heißt es in einem Schreiben an die Mieter vom 16. Januar 2018, das unserer Redaktion vorliegt. 

Weil derzeit völlig unklar sei, wann es eine Entscheidung gebe, soll das Haus nun stillgelegt werden. Bis zum 15. Februar haben die Mieter Zeit, ihr Hab und Gut aus den Wohnungen zu räumen. "Wir sehen uns zu der Stilllegung gezwungen, weil die Stadt die Nutzung des Gebäudes verboten hat”, sagt Sascha Hettrich, Geschäftsführer der Immobilienfirma "Intown".

Mieterverein will Räumung abwenden

Der Mieterverein Dortmund will die Räumung abwenden und gegen die Stilllegung am Freitag eine einstweilige Verfügung beantragen. "Viele Mieter haben noch keine neue Wohnung gefunden, sie leben in städtischen Unterkünften oder bei Verwandten und Freunden. Viele wissen nicht, wohin mit ihren Sachen”, sagt Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund.

"Einer der Mieter hat zum Beispiel noch ein großes Aquarium in der Wohnung. Das kann man nicht so einfach abbauen und einlagern.” Die Mieter bräuchten mehr Zeit.

Die Immobilienfirma sieht den Fehler bei der Stadt. Die Verwaltung habe im September entschieden, das Gebäude wegen Brandschutzmängeln zu räumen - zunächst ohne der Firma Auflagen zu nennen, unter denen das zu verhindern gewesen wäre. "Wir haben Verständnis, dass man nach dem Brand in London vorsichtig geworden ist. Aber die Räumung halten wir für überzogen”, sagt Hettrich.

"Wenn es nach uns ginge, könnten unsere Mieter sofort wieder ins Haus einziehen. Denn nach unserer Auffassung - und das belegen auch unsere Brandschutzgutachten - besteht keine Lebensgefahr. Unserer Meinung nach kann man in dem Haus wohnen”, sagt Hettrich.

Finanzieller Schaden 

Aber die Stilllegung sei notwendig. Bei einem Gebäude, das nicht genutzt wird, müsse irgendwann das Wasser abgestellt werden. Ansonsten könnten sich in den Wasserrohren Keime bilden, und das Risiko für einen Legionellen-Befall steige, erklärt Hettrich. "Unsere Mitarbeiter können nicht jeden Tag auf unbestimmte Zeit in jeder Wohnung die Wasserhähne auf- und zudrehen." Auch permanent Sicherheitspersonal und ausgebildete  Brandwachen bereitzustellen, sei unmöglich.

Mietern, die noch keine Wohnung haben, wolle das Unternehmen helfen. Seit September schon sei das Unternehmen mit den Menschen im Gespräch. 

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Der Mieterverein will am 31. Januar eine Mieterversammlung abhalten. Vielleicht liegt dann schon die einstweilige Verfügung vor. Der Rechtsstreit zwischen Stadt und Immobilienfirma könnte sich aber noch Jahre hinziehen. 

 
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