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Prozess um Vergewaltigungen in Troisdorf
"Meine Schreie konnte niemand hören"

Prozess um Vergewaltigungen in Troisdorf: "Meine Schreie konnte niemand hören"
Das Landgericht in Bonn (Symbolfoto) FOTO: dpa, mg tmk
Bonn. Ein Mann soll drei Frauen vergewaltigt haben, fünf Jahre liegen die Taten zurück. Nun steht er vor Gericht. Der Angeklagte verhält sich so, als ginge ihn das alles nichts an.  Von Claudia Hauser, Bonn

Irina K. (alle Namen geändert) erinnert sich noch gut an jenen Tag im Oktober vor fünf Jahren, an dem ihre Tochter ganz aufgelöst in ihr Büro stürmte. "Ihr Gesicht war schmutzig, sie weinte und sagte, sie sei gerade überfallen worden", sagt die 63-Jährige am Mittwoch als Zeugin im Bonner Landgericht.

Doch es war mehr als ein Überfall: Ihre damals 29 Jahre alte Tochter war am 2. Oktober 2012 nachmittags auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle in Spich von einem maskierten und mit einem Messer bewaffneten Mann von hinten angefallen, in ein Gebüsch gezerrt und zum Oralsex gezwungen worden. Der Täter nahm ihr fünf Euro ab, die sie noch im Portemonnaie hatte, und soll ihr gedroht haben: "Wenn du die Polizei rufst, bringe ich dich um!" Dann lief er davon.

Fünf Jahre später sitzt der Mann, dessen DNA damals am Tatort gesichert werden konnte, nun auf der Anklagebank: Alex S., 33 Jahre alt, fast zwei Meter groß, seitlich abrasierte Haare und kurz gestutzter Backenbart. Die Anklage wirft ihm drei Vergewaltigungen und schwere räuberische Erpressung vor. Zwischen April und November 2012 soll der Troisdorfer drei junge Frauen überfallen und vergewaltigt, seine letzte Tat mit dem Handy gefilmt haben.

Festnahme nach fünf Jahren

Als Alex S. im Januar dieses Jahres beim Einbruch in ein Einfamilienhaus geschnappt wurde und die Ermittler seine DNA überprüften, ergaben sich drei Treffer in der Datenbank, denn 2012 war an allen Tatorten DNA gesichert worden.

Am ersten Prozesstag am Montag bestritt der 33-Jährige die Taten. Der Sex mit einer der Frauen sei einvernehmlich gewesen, die anderen beiden kenne er nicht. Alex S. sagte, er sei in Troisdorf "bekannt wie ein bunter Hund" – vor allem wegen seiner vielen Frauengeschichten. Überall in Troisdorf sei seine DNA zu finden. Die Tatorte kenne er, weil er dort häufig Sex gehabt habe.

Alle Tatorte liegen nicht weit von seiner damaligen Wohnung entfernt: Ein Waldstück am Mühlenweg und eine Unterführung an der Niederkasseler Straße in Troisdorf, außerdem ein Fußweg an einer Wiese im Gewerbegebiet in Spich. Dass sich dort Paare zum einvernehmlichen Sex treffen, wie der Angeklagte behauptete, haben die Polizeibeamten, die am Mittwoch als Zeugen aussagen, noch nie gehört.

Opfer sah Täter nicht kommen

Am zweiten Prozesstag hört Alex S. den Zeugen mit gefalteten Händen aufmerksam zu, manchmal lacht er, etwa als einer der Polizisten erzählt, dass er jetzt bei der Wasserschutzpolizei sei, sich nicht mehr genau an das 29-jährige Vergewaltigungsopfer erinnern könne. Dabei wirkt Alex S. nicht so, als wolle er sich lustig machen, eher, als gehe ihn das alles überhaupt nichts an, als sei er zu Gast in einem Theater. Dabei droht ihm eine Strafe von mindestens fünf Jahren Haft.

Die 29-jährige Frau sagte damals der Polizei, sie habe den Mann nicht näherkommen hören, weil sie Musik gehört und beim Gehen ein Buch auf ihrem Handy gelesen habe. Es war noch hell und sie hatte nur noch einen Fußweg von fünf Minuten vor sich, als der Täter sie von hinten packte und wegriss. "Du kannst alles nehmen", sagte sie zu ihm. Doch er habe ihr Handy nicht gewollt. "Meine Schreie konnte niemand hören", sagte sie den Beamten später. 

Alle drei Frauen müssen nun noch einmal über die Vergewaltigungen sprechen. Sie werden im Prozess als Zeuginnen gehört, weil Alex S. kein Geständnis abgelegt hat.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.  

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