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Brüggen
Sechs Krebstote sollen in Belgien exhumiert werden

Brüggen. Die Ermittlungen gegen den Leiter eines alternativen Krebszentrums in Brüggen-Bracht weiten sich aus: Bald sollen sechs verstorbene belgische Patienten des Zentrums exhumiert und obduziert werden, berichtet die belgische Zeitung "Gazet van Antwerpen".Die Leichen von drei Patienten wurden bereits untersucht; über das Obduktionsergebnis schweigen sich die Ermittler aus. "Zu gegebener Zeit" werde man berichten, erklärte der zuständige Krefelder Staatsanwalt Marcel Dörschug. Auch die Exhumierung von mehr als 60 verstorbenen Patienten des Krebszentrums aus den Niederlanden soll nach Informationen unserer Redaktion geprüft werden.

Die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt gegen den Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen. In seinem Krebszentrum bot er für 9900 Euro Krebsbehandlungen mit dem Präparat 3-BP an, das nicht als Medikament zugelassen ist. Aussagekräftige Studien über die Wirkung am Menschen existieren nicht. Ist die 3-BP-Therapie der Grund für den Tod der Patienten? Die Staatsanwaltschaft betont, dass der Heilpraktiker die Substanz verabreichen durfte - weshalb sich NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) jüngst für eine Gesetzesänderung aussprach. Der Heilpraktiker soll es aber versäumt haben, für seine Patienten, die plötzlich unter Schwindelanfällen und Krämpfen litten, den Notarzt zu rufen. Stattdessen versorgte er sie laut Kreisgesundheitsamt nur mit Vitaminen. Die Amtsärztin erstattete daraufhin Anzeige. Im alternativen Krebszentrum gab es nicht nur 3-BP, sondern auch Hyaluron-Spritzen gegen Falten (ab 170 Euro). Die Staatsanwaltschaft gab die Praxisräume vergangene Woche wieder frei; praktizieren darf der Heilpraktiker, der sich gern im weißen Arztkittel mit Stethoskop zeigte, derzeit im Kreis Viersen nicht.

(mrö/vo)
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