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Voerde
"Cap Anamur"-Helfer Rupert Neudeck berichtet über Projekt in Afghanistan

Voerde: "Cap Anamur"-Helfer Rupert Neudeck berichtet über Projekt in Afghanistan
FOTO: Rupert Neudeck stellte sein Hilfsprojekt in Afghanistan vor. Weltweite Bekanntheit erlangte er mit seinem Flüchtlingsschiff "Cap Anamur".
Voerde. 74-Jähriger erzählte, wie es um die Voerde-Alfeld-Schule im kriegsgebeutelten Land steht. Die KAB Voerde unterstützte den Bau vor sieben Jahren. Von Henrik van Laak

"Friedrichsfeld, Spellen und Voerde las ich auf einem Schild in Afghanistan, vorher hatte ich nie davon gehört", witzelte Rupert Neudeck eingangs und verkürzte dadurch die – auch mentale – Distanz von knapp 5000 Kilometern, die zwischen dem Maximilian-Kolbe-Haus in Friedrichsfeld und der Voerde-Alfeld-Schule in der afghanischen Provinz Herat liegen.

Weltberühmt wurde Neudeck, als er 1979 Tausende vietnamesische Bootsflüchtlinge im Chinesischen Meer rettete mit seiner Hilfsorganisation "Cap Anamur", die er mit seiner Frau und dem Schriftsteller Heinrich Böll gegründet hatte. Heute ist er Vorsitzender der "Grünhelme". Die sind keine Soldaten wie UNO-Blauhelme, sondern Bauingenieure und Zimmermänner. Bisher bauten sie 30 Schulen, drei Werkstätten und ein Hospital.

In der Voerde-Alfeld-Schule erfahren Mädchen und Jungen gleichermaßen Bildung – wenn auch getrennt in verschiedenen Tagesschichten. So reibungslos? Mädchen in Schulen? Für manch Anwesenden kaum vorstellbar. Neudeck beklagte, dass zu wenig über die Errungenschaften und Fortschritte berichtet würde: Frauen am Steuer, Skateboard fahrende Kinder, die, wenn er Briefe verteilt, nach E-Mail-Adressen fragen – so etwas sei zwar sicher noch nicht die Regel, aber es handele sich auch nicht um Einzelfälle. Glück sei dennoch ein Faktor, da in der betreffenden Region nur wenige Taliban lebten. Die Schule ist noch nie angegriffen worden.

Hauptzutat seines Erfolgsrezeptes: Mit den religiösen Kräften vor Ort reden, sie fragen, mit einbinden. Wohlgesonnene Bewohner sind dann das Ergebnis: Als Neudeck die Unterkunft in einem traditionellen Lehmhaus in Anspruch nahm, habe der Hausherr vor der Zimmertür genächtigt, um seinen Besucher aus dem Westen zu beschützen.

Der erfolgreichen Arbeitsbilanz zum Trotz, ist der Weg zu einer solchen Schule, die im Umkreis das einzige erdbebensichere Gebäude ist und oft vom Stadtrat mitgenutzt wird, eher ein bürokratischer Hürdenlauf. Neuerdings verbiete Helfern nämlich ein "NGO-Gesetz" den Bau von Schulen. Nun müsse man in Kabul klinken putzen und sich mit Korruption herumschlagen, was die Kosten verdreifache.

Derweil hofft er auf die kommende Präsidentschaftswahl, denn er kennt visionäre, fortschrittliche Kandidaten. In der Bevölkerung sei der soziale Wandel schon erkennbar und nicht mehr aufzuhalten.

(RP/EW)
 
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