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Dinslaken
Formvollendet und hochemotional

Dinslaken. Lions Club Voerde holte zum zweiten Mal Georg Kjurdian zum Neujahrskonzert. Der Pianist begeisterte das Publikum mit Werken von Bach, Beethoven und Chopin.

Zur "Zerstreuung und Erbauung" und als didaktisches Mittel für die Jugend habe er das "wohltemperierte Klavier" geschrieben, zitiert Prof. Lutz Meier Johann Sebastian Bach. Aber das nur aus einem einzigen, gerade einmal zwei Töne langen, Motiv heraus entwickelte Präludium und die sich anschließende Fuge g-Moll aus jener Nr. 885 des Bachwerkeverzeichnisses sind auch ein zeitloses Beispiel musikalischer Logik, Struktur, Syntax und klarer Formsprache und Aussage.

Diese zu begreifen und spielerisch vermitteln zu können ist die Grundlage jeder musikalischen Interpretation. Und so ist es bezeichnend und konsequent, dass Georg Kjurdian, Stipendiat des Lions Club Voerde, das 17. Benefiz-Neujahrskonzert der Institution zugunsten förderungswürdiger junger Musikstudierender im Rathaus Voerde mit jenem Stück seines Lieblingskomponisten begann. Es öffnete die Sinne für das, was Interpret und Komponisten in den folgenden zwei Stunden zu sagen hatten. Bach selbst zum Beispiel, zum zweiten. Sein Italienisches Konzert BWV 971, nicht nach dem Ort seiner Entstehung, sondern nach seiner stilistischen Herkunft benannt, ist ein eingängiges, emotionales Stück mit hohem Wiedererkennungswert. Auf dem modernen Konzertflügel verleiht Kjurdian dem Adagio mit seinem wiederkehrend angeschlagenen Orgelpunkt eine gerade zu nokturne Dunkelheit.

Allegro con brio ist der erste Satz der seinem Gönner Waldstein gewidmeten Sonate Nr. 21 C-Dur op.53 von Ludwig van Beethoven überschrieben. Georg Kjurdian hält das "Feuer" des ersten Themas bewusst auf so kleiner Flamme, dass das zweite Thema wie ein Zielpunkt und nicht wie ein Kontrast wirkt, erst nach der Durchführung lodern die rollenden 16tel in C-Dur von gehämmerten Akkorden angefacht in ungebändigter Kraft auf.

Georg Kjurdian, Preisträger beim des Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs in Leipzig, spielt alle Werke auswendig. Im Publikum: seine Professorin Barbara Szczepanska von der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, die Martin Hildenbrand, Vorsitzender des Lions Club Voerde, namentlich begrüßte.

Werke, für die sich Komponisten von anderen Künstlern inspirieren ließen, bestimmten den zweiten Teil des Abends, Enrique Granados vereint Schönheit und Schrecken in der Ballade "Liebe und Tod" in Anlehnung an Bilder von Goya, Sergej Rachmaninow knüpfte mit seinen Corelli-Variatonen an die im 16. und 17 Jahrhundert europaweit populäre "La Folia"-Variationen an. Und sogar Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52 bezieht sich in ihrer Intention auf das literarische Werk des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz. Vor allem aber ist sie ein Stück, mit der ein Pianist begeistern kann.

Und so dankte das Publikum Georg Kjurdian für ein - wieder einmal - ausgezeichnetes Neujahrskonzert mit Beifallsstürmen.

(bes)
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