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Dertwinkels Abgang schmerzt Hiesfeld

Lokalsport: Dertwinkels Abgang schmerzt Hiesfeld
Auf die Dynamik von Patrick Dertwinkel (Mitte) - hier im Testspiel gegen den VfB Homberg - muss der TV Jahn ab sofort verzichten. Der Neuzugang hat sich nach dem Theater um die Verträge schon wieder verabschiedet. FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken-Hiesfeld. Der Boykott wurde abgewendet und der TV Jahn fährt am Sonntag in der ersten Runde des Niederrheinpokals zum VfL Repelen. Trainer Jörg Vollack klagt aber jetzt über einen zu kleinen Kader. Von Hendrik Gaasterland

Fünf von sechs Wochen Vorbereitung sind vorüber. Morgen steht mit der Partie in der ersten Runde des Niederrheinpokals beim Landesligisten VfL Repelen das erste Pflichtspiel der Saison an. Am nächsten Samstag eröffnet der TV Jahn Hiesfeld die neue Oberliga-Saison mit der Begegnung gegen den KFC Uerdingen. Aber dennoch steht Trainer Jörg Vollack fast wieder am Anfang. Nach dem Theater um ausstehende Gehälter, neue Verträge und dem drohenden Boykott seitens der Mannschaft entschloss sich Neuzugang Patrick Dertwinkel dazu, den Verein schweren Herzens direkt wieder zu verlassen.

Ihm werden keiner Steine in den Weg gelegt, der Vertrag wird aufgelöst. An der Seite von Yannic Melis sollte Dertwinkel aber eigentlich der Taktgeber im zentralen Mittelfeld sein, auf den in den letzten fünf Wochen alles zugeschnitten war. "Man arbeitet und verfeinert die Abläufe, aber dann ist drei Tage vor dem Start der Dirigent weg. Das tut einem Trainer schon weh", meint Coach Jörg Vollack.

In den Testspielen war Vollacks Handschrift deutlich zu erkennen. Melis holte sich beim Spielaufbau den Ball als erste Anspielstation ab. Dertwinkel rückte in die Räume, sollte dann den TV Jahn lenken. Die Kombination Melis/Dertwinkel schien gesetzt zu sein. Aber jetzt muss sich der Trainer in der wenigen Zeit bis zum Start ein weiteres Konzept einfallen lassen. Ekin Yolasan, Gino Mastrolonardo oder Damiano Schirru wären Alternativen, sind aber gleichzeitig andere Spielertypen.

Aber auch der zweite Abgang von Dominik Borutzki schmerzt. Ohne ihn stehen Vollack mit Maik Goralski und Kevin Corvers nur noch zwei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Dass Offensivspieler Soufian Rami den Verein in der Vorbereitung auch schon verlassen hatte, er dürfte wegen des Ärgers ums Geld gegangen sein, und damit der dritte ungeplante Abgang war, stellt den Trainer vor ein personelles Problem: 18 Feldspieler sind verblieben. Darunter verletzungsanfällige Leute wie Mastrolonardo oder Schirru. Neuzugang Daniel Hinnemann kam aus der Bezirksliga und muss sich auch erst einmal in der Oberliga beweisen.

Die jungen Lukas Kratzer und Enoch Wölfer waren ohnehin nur als Ergänzungsspieler gedacht. Christian Biegierz fällt nach seinem Fußbruch noch lange aus. Vollack wird sich in dieser Saison deshalb einige Male Notlösungen zusammenbasteln müssen, denn wegen des finanziellen Engpasses scheinen Verstärkungen nicht realisierbar zu sein. Der Coach sagt: "Wir haben an Qualität und Quantität verloren. Da nützt es mir nichts, dass die Vorbereitung bisher aus sportlicher Sicht super verlief. Der Kader ist zu dünn besetzt, wenn ich nur noch 14 gestandene Oberliga-Spieler habe."

Weil es die schlechte Stimmung hinter den Kulissen schon länger gab und die Mannschaft dennoch auf dem Platz ihre Leistung in der Vorbereitung abrief, hofft Vollack, dass auch die turbulente vergangene Woche keine Auswirkungen auf das Sportliche hat: "Da muss ich den Jungs ein Kompliment machen. Bisher haben sie es geschafft, die Probleme auszublenden. Sie haben sich mit Freude und Spaß auf den Fußball konzentriert. Ich kann als Trainer nur hoffen, dass es so bleibt, die Mannschaft noch enger zusammenrückt und das Wir-Gefühl auf den Platz bringt."

Ein Ausscheiden beim VfL Repelen, der in der vergangenen Saison als Aufsteiger Dritter wurde, wäre jetzt auch mehr als ein Dämpfer. Denn die Hiesfelder wollen im Pokal weit kommen und auf attraktive Gegner treffen, die die Kasse füllen. Der Hauptvorstand will nach dem abgewendeten Boykott auch weiter auf Sponsorensuche gehen. Außerdem sind neue Vermarktungsmöglichkeiten ins Auge gefasst worden. Wenn die Stadt ihr Einverständnis gibt, dann könnten die Namensrechte für das Stadion oder für die Tribüne an einen Geldgeber gehen.

Quelle: RP
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