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Dormagen
Chorbusch-Schüler beackern Kleingarten

Dormagen: Chorbusch-Schüler beackern Kleingarten
Die Arbeit im Kleingarten ist für (v.l.) Malte, Fabian, Stefan, Max Berufsvorbereitung, denn die meisten werden später ein Handwerk lernen. FOTO: ANJA TINTER
Dormagen. Nur wenige Gehminuten von der Schule am Chorbusch entfernt liegt die Kleingartenanlage Hackenbroich. Dort haben auch die Schüler ihr eigenes kleines Reich auf 200 Quadratmetern, das sie selbst bewirtschaften dürfen. Von Anneli Goebels

Keine Frage, die ersten eigenen Erdbeeren im Juni waren köstlich. Sie leuchteten knallrot, sahen saftig und einfach zum Reinbeißen aus - und waren ruck-zuck aufgefuttert. Deshalb halten Fabian, Max, Malte und Stefan es auch für sinnvoll, wenn im nächsten Jahr davon einige mehr gepflanzt werden. Ob die anderen Schüler das auch so sehen, bleibt abzuwarten. Denn was gepflanzt oder gesät wird, entscheiden letztlich alle gemeinsam.

Die ungefähr 200 Quadratmeter große Parzelle, die der Kleingartenverein Hackenbroich der Förderschule vor vier Jahren zur Verfügung gestellt hat, sieht noch nicht so fertig aus wie all die anderen. 67 Gärten sind es insgesamt, die dort liebevoll gehegt und gepflegt werden. Der 68. und kleinste - die anderen haben eine Fläche von 350 bis 370 Quadratmetern - wird von den Schülern gestaltet. Ein Häuschen steht bereits, eins aus Stein sowie all die anderen. Das ist Pflicht. Nicht jeder "Laubenbesitzer" kann dort hinstellen, was er möchte. Dafür gibt es schließlich Regeln. An die müssen sich auch die Schüler halten.

"Stärken vor Ort" hieß der Titel des Programms des Europäischen Sozialfonds, über den die Schule in Kooperation mit dem Jugendzentrum St. Katharina 8000 Euro Fördergeld erhielt, das in den Bau des Häuschens floss. Den konnten die Mädchen und Jungen natürlich nicht allein bewerkstelligen. "Wir wurden von Fachleuten unterstützt, aber die Schüler mussten kräftig mithelfen", sagt Rudolf Presse, Sozialpädagoge an der Schule und Betreuer des "Gartenprojekts". Einen Graben für das Fundament ausheben, Beton mischen, mauern unter Anleitung, Steine schleppen - bei all diesen Arbeiten für das Häuschen haben die Schüler geholfen. Für sie war das gleichzeitig ein praktisches Training, denn die meisten werden nach ihrem Schulabschluss wahrscheinlich einen handwerklichen Beruf erlernen. Auf dem Dach der Laube wurde sogar eine Solarzelle installiert.

Eingerichtet ist das Gebäude, das auch über eine kleine Terrasse verfügt, noch nicht. Geplant ist, dass die Schüler dort auch mal sitzen und feiern können. Tische und Bänke fehlen noch. Dafür ist ein Wasseranschluss da. Der wird natürlich auch gebraucht, um die bereits gesetzten Pflanzen bewässern zu können. Auch die ersten Tomatenstöcke stehen bereits. Und leise Musik ist zu hören. "Wir haben auf dem Grundstück ein Radio versteckt, das den Maulwurf, der hier seit einiger Zeit wütet, verscheuchen soll", erklärt Rudolf Presse. Offensichtlich wirkt's. Und die Musik wirkt in dieser kleinen Idylle irgendwie beruhigend.

"Ich finde es klasse, wenn wir hier graben können", sagt Malte. Stefan steht eher aufs Rasenmähen, und Unkrautzupfen mag er auch. Für die Schüler ist die Arbeit in ihrem Garten auch deshalb wichtig, damit sie ein wenig "herunterschalten" können: mal ´raus aus dem Klassenraum und sich an der frischen Luft betätigen. Auch das hilft, die ein oder andere Aggression abzubauen.

Siegfried Marquardt, Vorsitzender der Kleingartenanlage Hackenbroich, jedenfalls ist zufrieden mit den Schüler-Nachbarn. "Wenn ihnen etwas fehlt oder sie irgendwelche Probleme haben, müssen sie sich nur melden. Wir stehen ihnen gern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite", sagt er. Das Interesse an den Gärten ist übrigens ungebrochen. Fünf Familien stehen auf der Warteliste.

Quelle: NGZ
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