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Dormagen
Das Kandidaten-Roulette bei der CDU

Dormagen: Das Kandidaten-Roulette bei der CDU
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Dormagen. Der Stadtverband der Christdemokraten ist führungslos, ein neuer Parteivorsitzender nicht in Sicht. Dabei ist Führungsstärke dringend nötig, um Ideen in die Fraktion zu speisen und Personalien für Wahlen zu entwickeln. Von Klaus D. Schumilas

Am 20. Mai sollten die Mitglieder der Dormagener CDU eigentlich einen neuen Parteivorsitzenden wählen, nachdem Frank Goertz aus beruflichen Gründen sein Amt nieder gelegt hatte. Weil kein Kandidat zur Verfügung stand, begnügten sich die Christdemokraten an diesem Abend mit der Wahl des neuen Stellvertreters Ludwig Dickers und den Ausführungen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Heißt im Ergebnis: Der Stadtverband der größten Dormagener Partei ist ohne Speerspitze, wird geleitet von den Stellvertretern Dickers und Alana Voigt. "Wir sind führungslos", räumt Voigt ein, "ein Kandidat ist derzeit nicht in Sicht".

Heute Abend kommt der Stadtverbandsvorstand zusammen. Dort soll, sagt Voigt, über dieses Thema und das weitere Vorgehen gesprochen werden. Ihr Mitstreiter Dickers (57) beschönigt nichts: "Unsere Priorität ist, den Stadtverband mit dem Kopf über Wasser zu halten." Ein neuer Vorsitzender soll "ohne Eile" gesucht werden. Daher sei der bislang mit September angegebene Termin einer Neuwahl "nicht in Stein gemeißelt. Das kann auch länger dauern". Dickers Ziel ist, dass zum Bundestagswahlkampf der Vorstand komplett ist. Er selbst macht es "auf keinen Fall". Sein Wunschkandidat käme aus Reihen der Fraktion, weil diese Nähe schon sinnvoll wäre. Wie sieht die Zukunft der Dormagener CDU aus? Die erscheint personell völlig offen. Potenzielle Kandidaten winken ab oder wurden schon vor Jahren "weggebissen", weil sie vielleicht zu stark wären.

Immer wieder fallen die Namen Tanja Engwicht und Jo Deußen. Engwicht wurde im Rahmen ihrer Kandidatur für die Landtagswahl von der damaligen Parteispitze demontiert, so dass sie entnervt aufgab. Sie kann Politik und wäre geeignet, ebenso wie Fraktions-Vize Deußen. Der bezeichnet den Partei-Vorsitz als "interessanten Job und eine tolle Herausforderung". Über den Sommer will sich Deußen mit einer Kandidatur auseinandersetzen, "aber die Tendenz ist eher negativ". Zum einen sei er durch Familie, Beruf, Hobby und die Fraktionsarbeit sehr ausgefüllt, zum anderen: "Ich werde vielleicht auch als ein Teil der gescheiterten Fraktionsführung von André Heryschek gesehen und bin daher nicht geeignet, die Einheit in der Partei wieder herzustellen."

Eine richtige politische Beziehung konnte der heutige Vorsitzende der Kreistagsfraktion der CDU, Dieter Welsink, zu der Stadt, in der er aufwuchs, Abitur machte und seine ersten beruflichen Schritte machte, nicht entwickeln. Politik-Karriere machte er erst als Neusser. Nicht viel anders ist das bei Andreas Werhahn. Er lebt in Ückerath, ist seit 1971 Parteimitglied, Kreistagsmitglied und am Norbert-Gymnasium Vorsitzender des Trägervereins. Wahrgenommen wird er aber als Neusser, wo er seinen Wahlkreis hat. Eine starke Persönlichkeit, die auch unbequeme Fragen stellen kann. Zu anstrengend vielleicht für die aktuelle Politikszene in Dormagen.

Der Status Quo ist bitter: kein Parteichef, kein eigener Landtagskandidat und niemand in Sichtweite, der 2020 bei der Bürgermeisterwahl eine ernste Gefahr für Amtsinhaber Lierenfeld sein könnte - sollte der erneut kandidieren.

Quelle: NGZ
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