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Klaus Güdelhöfer
Erfolgsmodell Kinderparlament

Klaus Güdelhöfer: Erfolgsmodell Kinderparlament
Klaus Güdelhöfer vom Kinder- und Jugendbüro im Ratssaal der Stadt, wo auch die Kinderparlaments-Sitzungen stattfinden. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Seit 25 Jahren gibt es das Dormagener Kinderparlament. Sein Konzept hat sich seitdem nicht verändert. "Gut so", meint Klaus Güdelhöfer vom Kinder- und Jugendbüro. Mit der NGZ sprach er u.a. über Erfolg und Wichtigkeit des Gremiums.

Herr Güdelhöfer, 25 Jahre alt ist das Kinderparlament der Stadt Dormagen. Was macht dieses Gremium so erfolgreich?

Klaus Güdelhöfer Das Konzept. Es ist seit 25 Jahren dasselbe. Und der Aufwand, was die Abgeordneten angeht, hält sich für uns in Grenzen. Denn wir bitten lediglich die Schulen, Kinder zu entsenden. Nachteil ist, dass nach einem Jahr in der Regel wieder ganz andere Kinder dort sitzen, weil sie die Schule verlassen. Ziel des Parlaments war und ist der Aufbau einer Kommunikation. Die Kinder lernen während der Sitzungen die Entscheider der Stadt kennen. Die wiederum lernen, den Kindern zuzuhören und ihnen auch klar zu machen, warum bestimmte Wünsche nicht erfüllt werden können oder es einfach dauert, bis etwas verändert, verbessert oder repariert wird.

Sie führen regelmäßig Protokoll.

Güdelhöfer O ja, die Niederschrift ist sozusagen unsere Bibel, denn sie beinhaltet all das, was abgearbeitet werden muss. Dieses Dokument verschicke ich innerhalb des Konzerns Stadt an alle Stellen, die dafür sorgen müssen, dass Mängel behoben werden. Es sind Arbeitsaufträge von Politik und Verwaltung. Sind sie erledigt, gibt es eine Rückmeldung.

Welche Themen sind Dauerbrenner im Kinderparlament?

Güdelhöfer Ganz klar, der Zustand der Schulen und die Ausstattung der Schulhöfe. Aber das Thema Sicherheit im Straßenverkehr ist wichtig. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Ampelschaltungen wir aufgrund der Beschwerden im Parlament schon überprüft und auch geändert haben. Auch das Thema 'Angsträume' steht immer wieder im Mittelpunkt. Und dabei zeigt sich, dass Kinder auch und vor allem Angst vor Jugendlichen haben, auch wenn die gar nichts machen. Aber allein deren Nähe erzeugt bei Kindern ein unbehagliches Gefühl. Bei Konfrontationen in Schulbussen haben wir dafür gesorgt, dass Busbegleiter eingesetzt werden. Ansonsten ist es immer ein wenig schwierig, wenn sich diese beiden Gruppen denselben Lebensraum teilen.

Können Sie ein größeres Projekt nennen, das von den Kindern angestoßen und dann auch umgesetzt wurde?

Güdelhöfer Beispielsweise die Verkehrsführung vor dem Leibniz-Gymnasium. Dort wurde eine eigene Spur für die Busse eingerichtet. Daran waren einige Ämter der Stadt und die Busunternehmen beteiligt. Und die Polizei kontrolliert regelmäßig, ob auch alles funktioniert. Bereits vor 25 Jahren haben sich die Abgeordneten einen Skaterpark gewünscht, mittlerweile ist er 16 Jahre alt. Manches dauert, aber auch das müssen die Kindern lernen.

Warum ist es wichtig, dass eine Stadt solch ein Gremium hat?

Güdelhöfer Damit die Kinder merken, dass sie gehört werden, dass ihre Anliegen nicht irgendwo verpuffen, sondern sich gekümmert wird. Aber auch, um zu erfahren, dass nicht alles gleich umgesetzt werden kann.

Melden sich die "Abgeordneten" auch zwischen den Sitzungen?

Güdelhöfer Eher die Eltern, aber im Namen der Kinder, was vollkommen in Ordnung ist.

Sind zwei Sitzungen pro Jahr genug?

Güdelhöfer Auf jeden Fall. Denn wir brauchen ja auch Zeit, Aufträge abzuarbeiten oder zu prüfen, warum bestimmte Dinge nicht so schnell erledigt werden können wie angenommen.

Was ist eigentlich mit den Jugendlichen? Die Politik möchte, dass auch sie mehr an politischen Prozessen beteiligt werden?

Güdelhöfer Wir haben bereits vier Mal ernsthaft versucht, ein Jugendparlament zu installieren. Es hat nicht funktioniert. Ich bin dagegen, ein eigenes Gremium für sie zu schaffen. Denn wir erreichen sie über die sozialen Netzwerke und die acht Jugendeinrichtungen, die wir im Stadtgebiet haben. Auch der direkte Draht zum Kinder- und Jugendbüro klappt gut. Ich glaube, die jungen Leute müssen schon durch Schule und Ausbildung viele Belastungen tragen, sie sind in der Pubertät und haben andere Probleme, als die, sich über marode Bolzplätze aufzuregen. Die meisten sind nicht bereit, sich außerhalb von Schule zu engagieren, da dadurch ihre wenige Freizeit noch weiter eingeengt wird.

ANNELI GOEBELS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: NGZ
 
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