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Dormagen
Familienhebamme im Auftrag der Stadt

Dormagen: Familienhebamme im Auftrag der Stadt
Zwillings-Glück auch für die Familienhebamme der Stadt Dormagen: Violetta Misch begleitet Familien vor und in der ersten Zeit nach der Geburt der Kinder. Hier hält sie zwei einen Monat alte Geschwister im Arm. Mit ihrer Arbeit entlastet sie die Eltern. FOTO: A. Tinter
Dormagen. Sie steht Familien rund um die Geburt bei Problemen und Belastungen zur Seite: Violetta Misch ist Familienhebamme im Auftrag der Dormagener Sozialdienst gGmbH. Ihr Ziel: Die Eltern zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Von Carina Wernig

Sie wirkt freundlich, aber bestimmt: "Wenn Hilfe benötigt wird, packe ich an. Aber ich spreche auch nötige Veränderungen an, die die Familien umsetzen sollten", sagt Violetta Misch. Die sympathische 47-Jährige, die zwei Kinder im Teenageralter hat, ist seit Januar 2015 Familienhebamme der Stadt Dormagen und dafür 20 Stunden in der Woche bei Familien im Einsatz. "Wenn die Belastungen den Familien zu hoch erscheinen, suchen wir gemeinsam einen Ausweg", erklärt Misch, der die Freude über ihre Arbeit anzusehen ist. "Bisher haben wir im vertrauens- und respektvollen Austausch immer einen guten Weg gefunden", sagt die bei der Dormagener Sozialdienst (DoS) gGmbH angestellte Familienhebamme. Denn ob ausgewogene Ernährung für Mutter und Kind, Alltagsbewältigung oder Stärkung der Eltern - die Familienhebamme gibt Anleitungen und Hilfe zur Selbsthilfe oder vermittelt Unterstützung für eine bessere Alltags-Struktur.

Für Martina Hermann-Biert, Fachbereichsleiterin Jugend, Schule, Soziales und Wohnen, gehört die Hebamme untrennbar zum "Dormagener Modell": "Ihr Einsatz zeigt, wie gut frühe Hilfe von Anfang an die Familien unterstützen kann." Das sei gut investiert. 2015 gab es Anträge von 14 Familien, bis Mai 2016 waren es schon 17. Die Nachfrage sei enorm hoch, daher habe die Familienhebamme ihre Stunden inzwischen verdoppelt, so Hermann-Biert, die nach 625 Geburten im Vorjahr für 2016 mit rund 700 rechnet. "Wir überlegen, eine zweite Familienhebamme zu suchen."

"Es ist eine sehr vielseitige Arbeit, die Spaß macht", sagt Violetta Misch über ihre individuellen Einsätze: Familien mit chronisch kranken Kindern, alleinstehende junge Mütter oder auch ehemalige drogenabhängige Mütter. Das Ziel ist für Misch immer gleich: "Ich möchte die Familie stärken und ihnen helfen, besser klar zu kommen." Dabei bezieht sie Familien mit ein: "Ich will ihnen auch nichts nehmen oder alles schlecht machen." Da gehe es oft nur um Nuancen. Auf 25 Jahre Berufserfahrung als Hebamme im Kreißsaal des Kreiskrankenhauses Dormagen und eine Zusatzqualifikation zur Familienhebamme kann sie zurückgreifen: "Ich bin eine Lotsin, die von außen mit oft besserem Blick die Schwierigkeiten einordnen und in Kooperation mit anderen Sozialorganisationen und Trägern beseitigen helfen kann."

Dieses Arbeiten im Netzwerk betont auch Elisabeth Garz, Geschäftsführerin der DoS: "Wir haben ein gut aufeinander abgestimmtes Netzwerk der frühen Förderung, darauf kann die Familie mit Hilfe der Hebamme zurückgreifen und erhält genau die richtige Unterstützung." Während Sozialarbeiter des Jugendamts von Familien eher kritisch beurteilt würden, sei bei der Familienhebamme der Zugang und das Vertrauen da, so Garz: "Das ist eine ganz andere Basis, wenn neben der Bewältigung des Alltags mit Baby dann auch über Schulden oder Ängste gesprochen wird."

Koordiniert werden die Einsätze über Violetta Misch selbst (01575 4057875) oder Sabine Lindenkamp, Koordinatorin bei den Sozialpädagogischen Diensten der Stadt (02133 257-247). Junge Mütter können erst einmal ohne Antrag einen Besuch der Familienhebamme vereinbaren. "Erst wenn die Hilfe länger dauert, benötigen wir einen Antrag", sagte Lindenkamp.

Quelle: NGZ
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