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Dormagen
Kreismuseum zeigt gesteppte Kunstwerke

Dormagen. Welch' ungewöhnliche, kreative und tiefsinnige Werke sich aus Textilien anfertigen lassen, belegt die 6. Europäische Quilt-Triennale, die nach dem Auftakt in Heidelberg ab morgen Station in Zons macht. Von Stefan Schneider

Bezaubernde Farben, winzige Details, raffinierte Ideen, die sich erst bei genauerem Hinsehen zutage fördern lassen: Das Auge bekommt reichlich Nahrung bei der 6. Europäischen Quilt-Triennale, die am morgigen Sonntag um 11 Uhr in der Nordhalle des Kreismuseums Zons von Museumsleiterin Angelika Riemann und Kuratorin Anna Karina Hahn mit einer fachkundigen Einführung eröffnet wird.

Das englische "to quilt" bedeutet "steppen", und wer sich nicht vorstellen kann, was an dieser klar weiblich dominierten Textiltechnik Kunst sein soll, dem werden im Museum so viele Beispiele vorgeführt, dass er mit Betrachtung und Entschlüsselung der 45 für die Ausstellung zugelassenen Werke aus zehn Nationen einige Stunden verbringen kann. Insgesamt waren 135 Einreichungen von Künstlerinnen aus 21 Ländern eingegangen.

Dass sich die Besucher in die Objekte versenken, ist überaus gewünscht, wie Kuratorin Hahn deutlich macht: "Es gibt unheimlich viel zu entdecken." Zum Beispiel im "Luftschloss", dem Werk von Susanne Klinke, der die international besetzte Jury diesmal den mit 5000 Euro dotierten Doris-Winter-Gedächtnispreis zuerkannte (Winter gilt als Initiatorin der Quilt-Szene in Deutschland). Die klare, kantige Struktur fällt sofort auf, auch die dazu kontrastierenden, verschwommen wirkenden Kindergesichter aus Tüll, die die Künstlerin drumherum gruppiert hat. Die Miniaturfiguren, die sich auf dem Stoff tummeln und einer Spielzeugeisenbahn-Landschaft im H0-Format entstammen könnten, sind allerdings erst erkennbar, wenn man dicht an den Quilt herantritt. Warum die Persönchen überwiegend mit Fotografieren beschäftigt sind, dazu muss sich der Betrachter seine eigenen Gedanken machen. Ausgezeichnet wurden auch "Struktur und Raum 4" von Urte Hanke (Innovation im großen Format, 1000 Euro) sowie "Schatten von Blumen" von Theresa Russow, der in der Wertung "Quilterinnen unter 40 Jahren" ebenfalls 1000 Euro zugesprochen wurden. Für diese Anerkennung habe sich die Jury entschieden, ohne das Alter der Künstlerin zu kennen, erzählte Angelika Riemann. Respektvolles Staunen, als die Experten erfuhren, dass es sich bei der Urheberin um eine 16-Jährige handelt.

Wer tiefer in die Schau einsteigen möchte, sollte den informativen Katalog erwerben (12 Euro) - oder an einer der begleitenden Veranstaltungen teilnehmen, die das Kreismuseum anbietet. Für Kinder und Erwachsene hat Hahn eine "Rallye" mit einem putzigen roten Faden als Begleiter entwickelt; jeder erfolgreiche Absolvent des kleinen Quizes wird mit einer weißen Zuckermaus belohnt. Anmeldungen (02133 53020) sind zur Teilnahme am Textilworkshop mit der renommierten Künstlerin Gabi Mett erforderlich ("Auf der Spur der Natur", 27./28. Februar) und zu den Museumsnachmittagen mit Führung, Kaffee und Kuchen am 7. und 8. März, jeweils ab 15 Uhr. Öffentliche Führungen werden am 17. Februar (14.30 Uhr) und 13. März (11.15 Uhr) angeboten.

Quelle: NGZ
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