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Dormagen
Südliche Kö: Zehn leere Läden auf 150 Metern

Dormagen: Südliche Kö: Zehn leere Läden auf 150 Metern
Ralf Kerp hat die Öffnungszeiten in seinem Café Toni an der südlichen Kö wochentags auf 9 bis 14 Uhr konzentriert - aus wirtschaftlichen Gründen. FOTO: Lothar Berns
Dormagen. Die untere Kölner Straße, aus Richtung Europastraße betrachtet, bleibt ein Sorgenkind. Geschäftsleute fordern ein Umdenken. Von Stefan Schneider

Das Schild spricht Bände und wirkt regelrecht exemplarisch. "Wir ziehen um. Ab Oktober '16 finden Sie uns auf der Deelener Straße 27, Widdeshoven, Rommerskirchen" ist am Haus Kölner Straße 33 zu lesen, wo bislang Tierphysiotherapeutin Sarah Klein ihre Praxis "Pfotenreha" betrieb. Nun verlässt sie Dormagens Zentrum in Richtung der kleinen Nachbargemeinde. Eine weitere Schwächung der ohnehin seit Jahren gebeutelten Geschäftswelt an der südlichen Kö.

Der Hinweis "Zu vermieten" gehört dort an vielen Gebäuden schon fast zur Standardausstattung. Auf einem Abschnitt von rund 150 Metern stehen zehn Ladenlokale leer. Die Gewerbetreibenden, die dem Bereich die Treue halten, reagieren unterschiedlich auf die Misere. Simone Strunz-Kaleja, Inhaberin von Uhren&Schmuck, informiert per Aushang, dass sie sich nicht mehr an den langen Donnerstagen beteiligt. "Bitte respektieren sie unsere Entscheidung" schreibt Strunz-Kaleja, die die ersten Donnerstagsaktionen noch mitgemacht hatte. "Aber es lohnt sich nicht für uns." Schon gar nicht in der dunklen Jahreszeit, wenn abends aus Sicherheitsgründen mindestens zwei Verkäuferinnen im Laden sein müssten, was zusätzliche Personalkosten verursache. Im Übrigen hätten sich an der südlichen Kö kaum Geschäfte am langen Donnerstag beteiligt, das sei kontraproduktiv gewesen.

Konsequenzen hat auch Ralf Kerp vom "Café Toni" gezogen. Seit 1. September öffnet er montags bis samstags nur noch von 9 bis 14 Uhr statt bis 18.30 Uhr (sonntags von 9 bis 18 Uhr). "Eine Trotzreaktion", sagt er. Kerps Frühstück und sein günstiger Mittagstisch laufen prima, nachmittags ist inzwischen weniger los. Da rechne es sich, die Öffnungszeiten einzuschränken, denn was er an Nachmittagen verdiene, gehe für Personalkosten wieder drauf. "Und so habe ich weniger Stress", sagt der 51-Jährige. Er würde sich ein Umdenken bei der Stadt wünschen. Seine Idee: Die Fußgängerzone zwischen Europastraße und Nettergasse aufheben und dort (langsamen) Autoverkehr zulassen. Die Wege würden so kürzer und weniger beschwerlich, gerade für ältere Menschen ein wichtiges Kriterium.

Diskussionen über Verbesserungsmöglichkeiten für die untere Kölner Straße liefen auch gerade wieder bei der City-Offensive Dormagen (CiDo), berichtet deren Vorsitzende Michaela Jonas. Ein ungewöhnlicher Ansatz: den Nutzungsplan dort ändern und die leeren Ladenlokale in Wohnraum verwandeln. Ein anderer: die Geschäftswelt auf der Kö zusammenrücken lassen und gegebenenfalls durch Umzug in leerstehende Räumlichkeiten näher an Historischem Rathaus/Rathausgalerie konzentrieren. Jonas weiß freilich, dass dazu ein Entgegenkommen der Vermieter bei der Höhe der Mieten nötig sei. Auch die alten Pläne für das Zuckerfabrikgelände sollten neu überdacht werden, meint sie. "Ein Handwerkerzentrum wäre eine abgerundetere Lösung." Dort Beschäftigte würden eher zum Essen und Einkaufen in die City gehen als Kunden, die gezielt nur das Fachmarktzentrum ansteuerten.

Quelle: NGZ
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