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Dormagen
Warum will niemand Schulleiter werden?

Dormagen: Warum will niemand Schulleiter werden?
Die Leitungssituation an der Grundschule Burg Hackenbroich ist zurzeit prekär: Es gibt keinen Rektor und ab September ist die Stellvertretung weg. Jetzt hoffen die Beteiligten auf das Gelingen einer internen Lösung. FOTO: ANJA TINTER
Dormagen. Nur kommissarische Leitungen, keine Stellvertretungen: Die Situation an den Grundschulen ist prekär, weil zu viel Führungspersonal fehlt. Grund: Zu geringes Gehalt, zu viele Aufgaben, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Von Klaus D. Schumilas

Vor fünf Wochen wurde Hans-Joachim Reich als Leiter der Grundschule Burg in Hackenbroich in einer stimmungsvollen Feier verabschiedet. Heute ist die Schule zwischen Salm-Reifferscheidt-Allee und Burgstraße ein Sorgenkind. "Das ist die schwierigste Situation, die wir in Dormagen zurzeit haben", sagt Karin Roth-Junkermann, im Rhein-Kreis Neuss für Grundschulen verantwortliche Schulaufsichtsbeamtin. Denn zurzeit gibt es weder einen Schulleiter, noch einen Konrektor. Aber auch andere Grundschulen in der Stadt haben Personal-Sorgen: An vier der zwölf Dormagener Schulen (plus einem Teilstandort) gibt es derzeit keine offizielle Leitung, an fünf Schulen fehlt immerhin die Stellvertretung. Ein Hauptgrund: zu viel Arbeit, zu wenig Geld.

Dormagen ist kein Einzelfall. Landesweit waren anhand einer aktuellen Erhebung 359 Schulleitungsstellen im Grundschulbereich unbesetzt. Oder anders herum: 12,7 Prozent der Grundschulen sind ohne Rektor oder Konrektor, von 1944 Grundschule haben ein Drittel keine Stellvertretung. Die Stellen seien derzeit "einfach zu unattraktiv gestaltet", erklärt Udo Beckmann, der Vorsitzende des von Grundschullehrern geprägten Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Die Arbeitszeit ist durch ein deutliches Mehr an Verwaltungsaufgaben viel höher, die Entlohnung entspricht aber oft der eines Anfängers im Gymnasialbereich. Bei einer öffentlichen Anhörung im Schulausschuss des Landtages vor einem Jahr legte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dar, dass sich die Anforderungen für Schulleitungen geändert haben: War man früher Klassenlehrerin und erledigte zusätzliche Leitungsaufgaben, so ist Schulleitung heute ein Beruf. "Wenn auch das Anforderungsprofil immer mehr mit dem Manager eines mittelständischen Unternehmens vergleichbar ist", heißt es in der Stellungnahme, "so sind die Arbeitsbedingungen in keiner Weise entsprechend". Mitunter müssen Rektorinnen zur eigenen Sekretärin werden.

Mit Folgen: An der Schule am Kronenpützchen in Straberg fehlt die Rektorin; Gabriele Neu von der benachbarten Salvatorschule betreut die Schule mit. Besser geht es der Friedensschule, an der Rotraud Leufgen vor zwei Wochen die Ernennungsurkunde zur Schulleiterin erhielt. Aber Konrektorin? Fehlanzeige! An der St. Nikolaus-Schule in Stürzelberg hat Sonja Clevers seit geraumer Zeit die Leitung inne - kommissarisch. Etwas anders gelagert ist die Situation an der Theodor-Angerhausen-Schule in der Stadtmitte: Weil die Leiterin in Mutterschutz ist, hat Annette Gruner die kommissarische Leitung. Eine Stellvertreterin gibt es dort nicht - "die Stelle ist seit längerem vakant", sagt Schulrätin Roth-Junkermann. Das gilt auch für die Friedrich-von-Saarwerden-Schule in Zons, wo die Stelle seit anderthalb Jahren bereits ausgeschrieben ist. Dort ist jetzt personelle Entspannung in Sicht, denn laut Roth-Junkermann ist eine Bewerbung eingegangen. Seit Jahren fehlt auch an der Erich-Kästner-Schule (Mitte) eine Konrektorin, "erst jetzt gibt es eine Bewerberin, die schon in der Revision ist". Pensionär Hans-Joachim Reich wirbt bei seinen Ex-Kolleginnen für "mehr Mut! Sich einfach mal trauen". So wie Larissa Goller-Wolf: Im letzten Schuljahr Klassenlehrerin der 3c, probiert sie sich ab 1. September als Schulleiterin.

Quelle: NGZ
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