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Düsseldorf
Alt und Kölsch aus demselben Hahn?

Düsseldorf-Köln: Das verbindet, das unterscheidet
Düsseldorf-Köln: Das verbindet, das unterscheidet FOTO: RP-Montage Werner Gabriel
Düsseldorf. Darf Bier, das in Köln abgefüllt oder gebraut wird, als Düsseldorfer Altbier bezeichnet werden? Das Brauhaus Schlüssel lässt gelegentlich in Köln brauen. Füchschen-Alt kommt in Korschenbroich in die Flasche, Kürzer in Haan. Von Thorsten Breitkopf

Kaum ein Lebensmittel ist für die jeweilige Rheinmetropole so wichtig wie das richtige Bier. In Köln ist es Kölsch. Dort hat das dünne Blonde einen Marktanteil von 90 Prozent. Und trotz Senf und Killepitsch: Altbier ist das Düsseldorfer Lebensmittel schlechthin, auch wenn es mit einem Marktanteil von geschätzt 49 hinter dem Kölner Gebräu hinterher hinkt. Doch diese Woche musste die heimatliebende Altbiergemeinde ganz stark sein.

Populäre Rheinland-Irrtümer FOTO: RP, Andreas Bretz

Es kam heraus, dass die traditionsreiche Hausbrauerei Schlüssel nicht alles in Düsseldorf braut. "Geringe Mengen Altbier lassen wir gelegentlich in Köln bei der Brauerei Sünner herstellen", sagte Schlüssel-Chef Karl-Heinz Gatzweiler im Interview mit der Rheinischen Post. Notwendig sei das nur, wenn in Düsseldorf Wartungen durchgeführt werden, oder es einen Defekt gibt, so Gatzweiler. Ausgerechnet Köln? "Es ist nichts Verbotenes, aber ich bin mir bewusst, dass es emotional gesehen wird, dass ausgerechnet die Rivalin Köln den Zuschlag bekam. Wäre es Duisburg oder Essen, wäre die Aufregung wohl nur halb so groß", sagt Gatzweiler. Außerdem ist das Lohnbrauen in der Domstadt nur eine Übergangslösung. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Schlüssel besitzt die Inhaberfamilie ein Haus, in das neben einem neuen Schankraum auch neue Tanks für Altbier eingebaut werden sollen. Die Genehmigung ist beantragt. "Wenn das fertig ist, müssen wir nicht mehr zu bestimmten Anlässen in Köln brauen", sagt Gatzweiler.

Was aber bleibt, ist die Abfüllung, die in der Altstadt nur schwer darstellbar ist. Denn Schlüssel-Alt wird weiterhin extern in Fässer abgefüllt werden, das müsse nicht immer Köln sein, aber zurzeit sei es so.

Die Hausbrauerei Zum Schlüssel in Düsseldorf FOTO: rpo, Urs Lamm

Für die Puristen ist das Brauen von Düsseldorfer Alt in Köln eine glatte Lüge am Verbraucher. Denn der kaufe ja Alt einer Hausbrauerei, weil er eben Bier Made in Düsseldorf trinken will. Das rechtfertige ja auch den höheren Preis. Sogar das Abfüllen auf nicht-heimischem Boden sehen Insider kritisch. "Wenn man so etwas macht, dann muss man das auch auf die Produkte schreiben und sich nicht als Düsseldorfer Hausbrauerei ausgeben", sagt einer aus der Brauerszene.

Tatsache ist, dass Schlüssel mit seiner Abfüllung auf fremdem Boden kein Einzelfall ist. "Wir brauen unser Bier in der Altstadt, aber abgefüllt wird es in der Bolten-Brauerei", sagt Peter König, Inhaber der Brauerei Füchschen. Mit einem MAN-Lkw werde das Bier nach Korschenbroich transportiert. Die Altstadtbrauerei "Kürzer" lässt das Bier bei der Felsenquelle in Haan in Flaschen abfüllen. "Ich versteh' die Aufregung gerade nicht", sagt Kürzer-Inhaber Peter Schwemmin. "Wenn es einen Engpass gibt, dann kann der Schlüssel doch ausnahmsweise woanders brauen", so der Brauer weiter. Füchschen-Chef König sieht es ähnlich: "Ein Produktausfall kann jedem passieren. Dann muss man reagieren, bevor man gar nicht mehr liefern kann." Einzig der Uerige besitzt eine Abfüllanlage in der Düsseldorfer Altstadt.

Brauhäuser in Köln FOTO: KölnTourismus GmbH / Andreas Möltgen

Umgekehrt ist es für die Kölner übrigens nicht möglich, auf eine Braustätte in Düsseldorf auszuweichen. Die so genannte Kölsch-Konvention verbietet das Kölsch-Brauen außerhalb der Domstadt. Einzige Ausnahme: Zunft-Kölsch in Wiehl.

Quelle: RP
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