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Düsseldorf
Das Haarfarben-Testlabor

Düsseldorf: Das Haarfarben-Testlabor
Nora Schultheis, Leiterin des Henkel-Testsalons, und ihre Mitarbeiterin Birgit Hilger (l.) gleichen Farbproben mit der Haarfarbe der Probandin ab, deren Natur-Haarfarbe tatsächlich "Erdbeerblond" ist. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Henkel unterhält auf seinem Werksgelände einen Friseursalon der besonderen Art: Dort werden neue Haartönungen und Colorationen an Probanden getestet. 6000 Namen sind in dem Pool gelistet, Bewerbungen werden angenommen. Von Andrea Röhrig

Ob Jobwechsel, Trennung verdauen oder einfach nur das Gefühl, es muss einfach mal eine Veränderung her. Eines der einfachsten Mittel dafür ist für viele Frauen der Besuch beim Friseur oder der Griff in das breite Tönungs- und Colorationsangebot im Drogeriemarkt. Wie wäre es mit Erdbeerblond, das auf dem Kopf wie ein zarter Kupferton aussieht? Oder doch eher ein kräftigeres Nougat-Braun? Ganz Wagemutige greifen gar zu Pink oder Grün. Der Markt mit dem Haar boomt: Jede Sekunde verkauft Henkel weltweit mehr als 20 Haarfarben.

Damit alles das, was auf Kopfhaut und Haare der Veränderungswilligen gelangt oder aufgetragen wird, zum einen verträglich ist und zum anderen gut aussieht, werden bei Henkel die Produkte, die neu auf den Markt kommen, im Testsalon ein letztes Mal auf Herz und Nieren geprüft. Vor allem geht es dabei um die Qualitätskontrolle. Sechs solcher Testsalons hat der Konzern weltweit, zwei in Deutschland, außer dem in Düsseldorf gibt es einen weiteren in Hamburg.

Seit einem Jahr leitet Nora Schultheis den Düsseldorfer Salon; seit vier Jahren ist die Friseurmeisterin bei Henkel. Mit ihr arbeiten acht weitere Friseurinnen in dem erst vor zwei Monaten generalüberholten Salon. Der versprüht mit dem vielen Weiß einen cleanen Retro-Chic. Dreimal pro Woche werden Kunden aus aller Welt in den Testsalon eingeladen; Vertreter von Supermarktketten genauso wie Friseure, da Henkel beide Segmente bedient - unter anderem mit der Marke Schwarzkopf, die seit mehr als 115 Jahren am Markt ist.

Und woran testet man am besten die Produkte? Am Kunden. Rund 40 Tester pro Tag nutzen das kostenfreie Angebot; nur etwa 20 bis 30 Prozent sind Henkelaner. Insgesamt umfasst der Pool 6000 Namen, darunter etwa 300 Männer. Mancher Tester nimmt Wege etwa von Mönchengladbach oder Münster in Kauf, aber die Mehrzahl kommt aus dem Umland. Aber nicht wegen des gesparten Geldes, sagt Schultheis: "Wir müssen nicht ständig auf die Uhr schauen, sondern können uns für unsere Testpersonen Zeit nehmen." Denn die sollen nach dem Besuch zufrieden sein und wiederkommen. "Wir haben mehrere Kundinnen, die uns schon seit 30 Jahren aufsuchen", sagt die Leiterin des Testsalons, die auch erklärt, warum dieser einen guten Zulauf hat.

Für manche sei der monatliche Besuch ein besonderes Event, andere fänden es spannend, ein Teil dieser Entwicklung von neuen Produkten zu sein. Anders als in einem richtigen Friseursalon bekommen die Testpersonen nicht die Haare geschnitten. Das Stylen nach dem Färben hingegen schon. Und da lassen die neun Damen ihrer Kreativität und ihrer Kunstfertigkeit gerne freien Lauf: Wie wäre es mal mit Wellen, dem Glätten der Haare oder einer Flechtfrisur? In den Test-Pool kommt man ganz einfach, denn Henkel sucht immer neue Probanden. Die einzigen Voraussetzungen: Man muss mindestens 18 Jahre alt sein und den Salon eigenständig aufsuchen können; außerdem sollte man zwischen 7.30 und 15.30 Uhr Zeit haben. Und noch etwas läuft völlig anders als beim Friseur. Wer sich telefonisch unter 0211/7977103 (7.30 bis 16 Uhr) meldet, wird erst einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Bis es zu diesem Termin kommt, können auch schon mal vier Wochen vergehen, sagt Schultheis. Denn auch hierbei gilt, dass man sich für jeden Zeit nehmen will. Bei diesem Gespräch geht es darum, abzuklopfen, ob das, was die Testperson möchte, mit dem korrespondiert, was Henkel an Produkten testen möchte.

Wer nur ein paar Strähnchen in Goldblond oder seine pechschwarzen Haare auf Weißblond umgefärbt haben will, wird nicht genommen. Allerdings muss niemand die Sorge haben, dass er eine neue Haarfarbe nur deshalb bekommt, weil sie gerade getestet werden soll.

Quelle: RP
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