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Düsseldorf
Ein Astronaut erzählt

Düsseldorf: Ein Astronaut erzählt
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst war gestern der Star beim Tag der Technik in der Handwerkskammer in Bilk. Rund 2500 Gästen erzählte der Raumfahrer von seinen Erlebnissen im Weltall. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Alexander Gerst war der Stargast beim Tag der Technik der Handwerkskammer. Heute präsentieren sich dort Dutzende Unternehmen. Kinder und Jugendliche können schweißen, Rennwagen fahren und gegen Roboter kämpfen. Von Thorsten Breitkopf

Einen Mann, der schon mal im Weltall war, bekommt man als Normalsterblicher nicht alle Tage zu sehen. Exakt 534 Menschen waren bisher im All. Darunter elf Deutsche. Der bislang letzte von ihnen ist Alexander Gerst. Und den konnten Kinder und Jugendliche beim Tag der Technik in der Handwerkskammer mit ihren Fragen Löchern. Es ging um Themen wie: Hat das Essen geschmeckt? Wie heiß war es auf dem Hinflug? War die Landung ein harter Aufprall? Gab es Wind im All?

Alexander Gerst beim Tag der Technik in Düsseldorf

Doch zuerst zog der sympathische Künzelsauer mit einem Video und einem spannenden Vortrag die jungen Hörer in seinen Bann. Hunderte hörten ihm aufmerksam zu, folgten jedem seiner Worte. Er erklärte den Kindern, wie man von der Raumstation aus einen Satelliten einfangen kann. Er klärte auf, was etwa Astronauten-Weihnachten ist. "Alle paar Monate kommt eine Art Raumkapsel von der Erde, darin ist frische Wäsche, allerhand Material und vor allem frisches Essen und Salat als Abwechslung für die sonst eher fade Astronauten-Nahrung. Und dieser Tag ist für uns wie Weihnachten", sagte der 39-Jährige.

In kurzen Filmen zeigte der Physiker, wie er auf der Raumstation ISS Experimente durchführte, die ihm deutsche Schüler mit auf den Weg gegeben hatten. Etwa eines mit zwei Seifenblasen, die in der Schwerelosigkeit nicht platzten. Den Jugendlichen gab er auch einen Einblick darin, wie man auf einer Raumstation lebt. "Man schläft in einer Art Telefonzelle, aber die meisten von Euch haben wahrscheinlich noch nie eine Telefonzelle gesehen", sagte Gerst. Er mag Recht haben. Denn wer beim Tag der Technik Gast ist, der kam auf die Welt, als Mama und Papa schon längst ein Handy hatten. Eine Dusche, so lernten die Jugendlichen von Gerst, gibt es im Weltall nicht. "Die Tropfen würden in alle Richtungen wegfliegen, dann wär' die Raumstation vielleicht nass, aber nicht der Astronaut", erklärte Gerst. Stattdessen benutze er so etwas wie feuchte Handtücher. Den Waschvorgang konnten die Kinder per Videoleinwand verfolgen. Und dann erzählte Gerst noch von seinem spannendsten Erlebnis: einem Weltraumspaziergang. "Für bestimmte Reparaturarbeiten müssen die Astronauten die Raumstation verlassen. Und dazu muss man einen unbequemen, 160 Kilo schweren Raumanzug anziehen", so Gerst. Sechs Stunden und 13 Minuten verbrachte der Astronaut außerhalb der ISS. 165 Tage lang war er im All. Und nicht alles sei so aufregend wie der Spaziergang außerhalb der Fähre. "Samstag war immer Putztag, dass ist ganz so wie auf der Erde."

Auch wer nicht direkt Raumfahrer werden will, kann sich heute noch zwischen 10 und 15 Uhr über diverse spannende Berufe aus dem Bereich Technik informieren. Der Tag der Technik in der Handwerkskammer am Georg-Schulhoff-Platz in Unterbilk ist für für Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Regierungsbezirk geöffnet. Allein gestern besuchten 147 Schulklassen mit fast 2500 Jugendlichen die Veranstaltung.

Die Fachhochschule Niederrhein aus Mönchengladbach präsentiert im Foyer der Kammer einen Rennwagen. Besucher können sich reinsetzen und wie bei einem Computerspiel wird dann das Runden-drehen simuliert. Drei riesige Flachbildschirme geben einem das Gefühl, als würde man das Formel-Fahrzeug in der Realität steuern.

Die Professoren Volker Feige und Hartmut Haehnel zeigen am Stand der Hochschule Düsseldorf (ehemals Fachhochschule), wie schlau Roboter heute sind. Kinder können gegen einen autarken Roboter Tic-Tac-Toe spielen. Zumindest während unseres Besuchs gelang es keinem Schüler, die Maschine zu schlagen. Direkt nebenan können Besucher versuchen, einen anderen Roboter im Kartenspiel Blackjack zu schlagen. Die Gewinnchancen dürften ähnlich sein. Die Düsseldorfer Wissenschaftler zeigen, welche Möglichkeiten die moderne Robotik heute bietet.

Wesentlich grober geht es im Außenbereich der Handwerkskammer zu. Dort zeigt Rainer Wollgramm von der Düsseldorfer Rheinbahn, wie Eisenbahnschienen zusammengeschweißt werden. Die Fachleute nennen es Thermit-Schweißen. Konkret werden tönerne Formen an beiden Enden der Schienen angebracht, dann fließt 1800 Grad heißes Metall in die Form. Danach ist die Form Schrott und die Schiene für ewig verbunden. Etwa alle 30 Minuten machen die Rheinbahn-Mitarbeiter eine Vorführung.

Ein historisches Flugzeugtriebwerk können die Gäste des Technik-Tages auf dem Parkdeck der Kammer bewundern. Einst hielt es ein Flugzeug vom Typ Lockheed Neptune in der Luft. Der Meerbuscher Andreas Reinertz hat die Maschine gemeinsam mit Freunden aufwendig restauriert.

Quelle: RP
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