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Serie Macher Vom Rhein
Ein Düsseldorfer Erfinder zähmt Kalk im Wasser

Düsseldorf. Marc Flettner hat einen Wasserbehandler patentiert, der ohne Strom und Salz Kalk im Wasser bindet. Von Düsseldorf aus exportiert er in die Welt. Von Thorsten Breitkopf

Eigentlich ist Marc Flettner ja ein Kaufmann, kein Ingenieur und kein Physiker oder Chemiker. Und doch ist es ein technisches Patent, dass den gebürtigen Düsseldorfer wirtschaftlich erfolgreich macht. Doch dahin war es ein langer Weg.

In London studierte Flettner als junger Mann Betriebswirtschaft. "Direkt nach dem Studium bot mir jemand an, im Bereich Wasseraufbereitung im Vertrieb zu arbeiten. Selbstständig. Das war immer mein Traum und ich schlug zu, obwohl ich vom Thema keine Ahnung hatte", sagt Flettner. Das war vor 25 Jahren.

Anschließend baute Flettner von Düsseldorf aus den Vertrieb von Wasserbehandlungssystemen in Deutschland auf. Erst im Keller, dann im Keller mit erster Sekretärin, dann in einer Wohnung, einem kleinen Haus – Flettners Geschäfte als freier Verkäufer liefen, das Unternehmen wuchs. "Irgendwann hatte ich genug Geld gespart und wollte die Lieferfirma übernehmen. Doch als die einen Preis von mir kannten, haben sie an einen anderen verkauft", erinnert sich Flettner. Dadurch verlor er seinen einzigen Auftraggeber, von heute auf morgen. "Ich und mein Team waren von ganz oben nach ganz unten gestürzt", sagt Flettner.

Doch er und sein Team gaben nicht auf. Flettner und seine Leute entwickelten den Wasserbehandler Aquabion. Und kurze Zeit später erhielten sie ein weltweites Patent darauf, das war im Jahr 2009.

Wenn Flettner beginnt zu erklären, wie sein Wasserbehandler funktioniert, wird es für Laien kritisch. Vereinfacht gesagt ist in den Behandlern eine Art Opfer-Anode aus Zink. Ganz ohne Strom oder die Zugabe von Salz wird durch dieses Metall im wesentlichen Kalk aus Trink- oder Brauchwasser ionisiert. Flettner selbst benutzt noch die Wörter "Soll-Bruchstelle, Verwirbelungstechnologie, chemische Formel" oder Sätze wie "aus Kalzit wird Argonit." Der Kaufmann ist zum Techniker geworden.

Flettners Patent wurde zum Erfolg. Das Unternehmen wuchs schnell. Heute beschäftigt Marc Flettner 15 Mitarbeiter in seinem Büro, einer alten Villa am Hirschburgweg nahe Grafenberg. Im Ausland wird sein Produkt vertrieben. Mehr als ein Dutzend Händler verkaufen Flettners Anlagen weltweit. Das Erfinder-Gen haben die Flettners übrigens geerbt. Marc Flettners Großonkel Anton Flettner war ein Freund von Albert Einstein und erfand unter anderem den ersten Hubschrauber mit Doppelrotor-Technik.

Quelle: RP
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