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Serie Mein Laden
Ein Exot in der Möbellandschaft

Serie Mein Laden: Ein Exot in der Möbellandschaft
Senior Rolf und Junior Oliver Kienen stellen die dritte und vierte Generation des Familienbetriebs. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Das Möbelhaus Kienen in Rath besteht seit 114 Jahren. Mit Kompetenz und Freundlichkeit trotzt man der Konkurrenz. Doch die schläft nicht: An der Theodorstraße sollen zwei neue Möbelgeschäfte entstehen - für die Kienens eine Herausforderung. Von Julia Brabeck

Rath Wer durch die lange Toreinfahrt von der Westfalenstraße kommend oder von der Bochumer Straße aus durch ein Mehrfamilienhaus das erste Mal das Geschäft Möbel Kienen betritt, ist in der Regel zunächst verblüfft. Denn die beiden Eingänge lassen kaum vermuten, dass sich dahinter ein großer Möbelmarkt mit 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und einem Küchenstudio befindet. Von der Garderobe bis zum Bett finden die Kunden dort eine umfangreiche Auswahl an Möbeln. "Auf dem Möbelmarkt behaupten sich immer mehr nur die großen Ketten. Deshalb sind wir schon Exoten", sagt Oliver Kienen. Der 40-Jährige trat 2006 in den Familienbetrieb ein und stellt somit die vierte Generation.

Gegründet wurde das Unternehmen 1903 als Sattler- und Polsterwerkstatt an der Oberrather Straße in Rath durch den Sattlermeister Fritz Kienen. Dieses wurde 1933 von seinem Sohn Fritz Junior und dessen Frau Aenne stark verschuldet übernommen, da der Gründer viele Jahre lang krank gewesen war. Das Ehepaar baute das Geschäft wieder auf und konnte zwei Jahre später eine Filiale an der Oststraße eröffnen.

Im Kriegsjahr 1943 wurden beide Geschäfte völlig zerstört. Auf dem elterlichen Grundstück von Aenne, dem heutigen Firmensitz, wurde an der Westfalenstraße 1946 das Unternehmen wiedereröffnet und zu einem Fachgeschäft für Polstermöbel und Raumausstattung ausgebaut, das bis 1969 drei Filialen unterhielt. 1972 vernichtete ein Großbrand die Lagerhallen und Werkstätten in Rath. Ein Jahr später erfolgte der nächste Tiefschlag. Die angemietete Filiale an der Kirchfeldstraße, die bis dahin der Hauptumsatzträger war, musste urplötzlich wegen auftretender Bauschäden geschlossen werden. "Geänderte Kaufgewohnheiten und höher gewordene Ansprüche der Kunden ließen die verbliebenen Filialen in der Innenstadt im Laufe der Jahre als zu klein erscheinen", sagt Rolf Kienen, der 1969 die Geschäftsleitung übernahm. Deshalb wurde der Betrieb auf das Gelände in Rath verlagert und 1979 umfangreich ausgebaut.

"Auf das Erreichte sind wir durchaus stolz. Aber wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle", sagt Oliver Kienen. Deshalb wurde in den letzten Jahren auch immer wieder das Sortiment überprüft und beispielsweise um eine Wohnboutique mit Wohnaccessoires erweitert. "Zurzeit bauen wir ein Maßstudio, in dem wir Möbel präsentieren, die zentimetergenau für den Kunden individuell gefertigt werden können", sagt Oliver Kienen. Als Stärken seines Unternehmens sieht er die persönliche Atmosphäre, die Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter, den guten Service, ein gutes Preisleistungsverhältnis und hohe Qualität der Produkte. "Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten." Kunden würden deshalb gerne wiederkommen, oft über Generationen hinweg. "Manchmal bringen sie uns Kuchen oder Blumen vorbei, weil sie so zufrieden mit uns sind." Die Herausforderung wäre es aber, neue Kunden erst einmal in die Geschäftsräume zu locken, sagt Oliver Kienen. Als eine weitere Herausforderung, aber auch als Chance, sieht er den geplanten Neubau von zwei großen Möbelgeschäften an der rund einen Kilometer entfernten Theodorstraße an. "Täglich kommen dann viele Möbelinteressierte in den Stadtteil. Unsere Herausforderung ist es dann, ihre Aufmerksamkeit zu wecken und zu uns zu ziehen."

Für Kienen ist seine Arbeit nicht einfach nur ein Job. "Für mich ist das auch jeden Tag eine Art Erfüllung. Und ich würde gerne noch viele Jahrzehnte die Familientradition fortsetzen."

Quelle: RP
 
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