| 11.36 Uhr

Kriminalbiologe Mark Benecke
"Kö-Papageien gab es zuerst in Köln"

Die Kö-Sittiche sorgen für exotischen Einkaufsflair
Düsseldorf. Der Kriminalbiologe Mark Benecke ist Anhänger der Halsbandsittiche - und hält nichts davon, sie aus den Städten zu vertreiben. Er findet, an den Vögeln gibt es viel zu entdecken.

Herr Benecke, wir haben bei Facebook entdeckt, dass Sie ein Liebhaber der Halsbandsittiche sind, die wir in Düsseldorf als "Kö-Papageien" mögen und hassen. Wie kommt das?

Mark Benecke Ich habe sie während meines Studiums in Köln kennengelernt. Ich habe ja Zoologie studiert, auch wenn mich die meisten als Kriminalbiologe kennen. Das war Ende der 90er Jahre. Ich dachte erst, ich habe eine Halluzination, als ich die Vögel entdeckt habe. Die schießen ja sehr schnell an einem vorbei. Eine meiner Professorinnen hat damals die erste Forschungsarbeit zu den Tieren betreut. Damals fand man sie nur in den Parks außerhalb der Stadt, es gab auch noch nicht diese großen Gruppen. Inzwischen leben sie auch bei mir in der Südstadt wie im Trude-Herr-Park.

Mark Benecke mag die Kö-Papageien – und auch andere Vögel. Hier steht er vor der (künstlichen) Vogelshow im Europapark Rust. FOTO: Mark Benecke

Für uns Düsseldorfer ist es eine erschreckende Erkenntnis, dass es die Tiere überhaupt in Köln gibt. Unsere Stadt wirbt mit ihren "Kö-Papageien" sogar in Werbebroschüren.

Benecke Da habe ich schlechte Nachrichten: Die Forschung besagt, dass diese Art sich sogar zuerst in Köln angesiedelt hat. Hier nennen wir sie meist Alexandersittiche.

Was mögen Sie an diesen Vögeln?

Benecke Sie sind schräg, verrückt und anders, und sie gehören doch dazu. Das ist für mich typisch rheinisch. Deshalb bin ich auch dagegen, sie zu vertreiben, wie es jetzt auch in Köln versucht wird. Das ist die falsche Haltung. Ich finde, gerade in unserer Zeit muss man Migranten integrieren.

Die Laden-Inhaber an der Kö sind weniger begeistert. Sie beklagen zum Beispiel, dass die Vögel die Sitzbänke verschmutzen. Sie haben nun sogar einen Falkner engagiert.

Benecke Davon halte ich nichts. Ich finde, auch wir Menschen können uns mal anpassen. Dann muss man die Bänke eben mit Effekt-Farbe bestreichen, damit sie sich besser abwaschen lassen. Es gibt so viel an diesen Vögeln zu entdecken. Zum Beispiel, wie still sie fressen. Ich habe deshalb gerade einen Baum für mein Viertel gespendet. Köln ist ja eine Schrottstadt gegen Düsseldorf, da kann die Stadt selbst neue Bäume nicht bezahlen.

Sie schreiben im Internet, der Halsbandsittich sei ihr "Dankeschöntier". Was heißt das?

Benecke Wenn ich nette Mails beantworte, hänge ich manchmal Bilder von netten Tieren an. Da nehme ich oft die Sittiche, weil sie eben typisch kölsch sind - oder eben rheinländisch.

Sie sind Veganer. Liegt das auch an den Kö-Papageien?

Benecke Nein. Der Auslöser war, dass ich im Studium im Verhaltens-Labor am Meer in Irland gelernt habe, dass Tintenfische ganz unterschiedliche Individuen sind. Wenn du das weißt, rührst du keinen mehr an. Das gilt natürlich auch für Vögel. Ich finde, man sollte Tiere in Ruhe lassen. Ich bin so ein Graswurzelmensch, auch wenn das manche verrückt finden. Als ich kürzlich in London war, gab es Silberfischchen im Hotel. Ich finde, auch die kann man in Ruhe lassen, wenn sie niemandem etwas tun.

Und Sie sind bekannt als leidenschaftlicher Tattoo-Anhänger. Folgt bald das Halsbandsittich-Tattoo?

Benecke Super Idee, so habe ich die Racker auch auf Reisen immer bei mir. Mach ich!

ARNE LIEB FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Verpassen Sie keine Nachrichten aus der Region. Wir schicken Ihnen eine Übersicht per WhatsApp. Melden Sie sich jetzt an!

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kriminalbiologe Mark Benecke: "Kö-Papageien gab es zuerst in Köln"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.