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Düsseldorf
Am Anfang ist nichts

Düsseldorf: Am Anfang ist nichts
Der sogenannte Kinosaal samt Empore in der Kunsthalle wird in der nun eröffneten Ausstellung ständig neu bespielt. FOTO: Achim Kukulies
Düsseldorf. Zum Auftakt der neuen Ausstellung ist die Kunsthalle leer geräumt. Die Schau ist Teil einer Doppelausstellung mit dem KIT. Von Klas Libuda

Mit nichts fängt es an, und aus nichts wird was. Kann sein oder auch nicht. Das wird sich erst noch zeigen müssen, denn in der Kunsthalle ist ab heute eine neue Ausstellung zu sehen, aber zu sehen ist vorerst nichts. Zumindest hängt nichts an den Wänden, steht nichts auf den Böden, sie haben die Kunsthalle leer gefegt zum Auftakt dieser Schau, die erst noch entstehen soll und "Akademie [Arbeitstitel]" heißt - nicht mal ein Titel ist denen eingefallen, denkt man beim ersten Rundgang, und: Sind die nicht fertig geworden?

Sind sie, behauptet zumindest das Kuratorenteam und wirkt dabei recht gelassen, man möchte ihnen das deshalb gern glauben, andernfalls würden sie sehr gut bluffen - das wäre dann auch etwas. Auch für das Haus, sagen sie, sei das ein großes Experiment. Anordnung: Die Kunsthalle beginnt ihre Ausstellung an diesem Wochenende leer geräumt, ab nächster Woche füllt sie sich dann schlagartig mit Kunst, die nach einiger Zeit wieder ausgetauscht werden soll, die vor Ort erst entsteht oder sich dort entwickelt. Scharenweise Künstler wurden eingeladen mitzumachen, alle kommen aus dem Umfeld der Kunstakademien Düsseldorf und Münster sowie der Kunsthochschule in Köln, 100 Projekte werden nach und nach zu sehen sein. Die Schau ist Teil einer Doppelausstellung mit dem KIT (Kunst im Tunnel) und soll sich mit Archiven beschäftigen, denen der Künstler oder des Hauses, das vor fünf Jahrzehnten brutal in die Altstadt gekeilt wurde und nun 50-jähriges Bestehen feiert. Am Material mangelt es also nicht.

Dieses Wochenende füllt sich die Kunsthalle allerdings zunächst nur mit Worten: Es gibt dadaistische Performances und einen Audio-Rundgang, der auf die Spuren der Kunst führt, zu Kratzern und Macken etwa, die Kunstwerke in den Räumen hinterlassen haben. Es gibt einen falschen Museumsaufseher, den Künstler Zauri Matikashvili, der die leeren Säle bewacht und Eindrücke und Erlebnisse wiedergibt, die er bei echten Museumsaufsehern gesammelt hat.

Ab der kommenden Woche und bis Februar soll dann ein- und öfter umgeräumt werden, bei laufendem Betrieb. Mehr als ein Dutzend Künstler und Gruppen stellen dann stets gleichzeitig aus, die meisten für drei Wochen, bis sie Platz für die nächsten machen. Der Choreograph Ben J. Riepe wird etwa ab Ende Oktober öffentlich in der Kunsthalle proben und schließlich Uraufführung feiern, die Klasse von Katharina Grosse kehrt mehrmals mit einer Installation auf den Vorplatz zurück, und Stefan Schneider richtet nächstes Jahr am Beuys-Loch im zweiten Stock Klangkunst ein.

Viele der ausstellenden Künstler sind indes noch Unbekannte, die meisten studieren noch. Die Kunsthalle gibt sich zur Zwischennutzung frei, sie forciert damit gewissermaßen einen Ausnahmezustand. Wer einmal Eintritt zahlt, hat darum auch vier Mal Zutritt, jeder Besuch wird auf der Eintrittskarte abgeknipst wie im Freibad. Die Leute sollen die Veränderungen mitbekommen und nachvollziehen. Während der Ausstellungsdauer entsteht denn auch in der Ausstellung ein Ausstellungskatalog. Die Schau archiviert sich also in Echtzeit.

Das KIT ist da schon etwas weiter, ohne Arbeitstitel heißt die neue Schau schlicht "Akademie". Versammelt sind dort bereits zu Beginn Arbeiten von jetzigen Studenten und Ehemaligen. Gezeigt werden - zur Musik der Fehlfarben - die Super-8-Filme der "Anarchistischen Gummizelle" aus den 1980ern. Und Wi Dae Hyun, Jahrgang 1988 und Student der Baukunstklasse, hat eine ziehharmonika-artige Vitrine entworfen, in der Fotos, Plakate, Faxe und andere Dokumente ausgestellt sind, die an die vergangenen Jahrzehnte in der Kunststadt Düsseldorf erinnern, an die großen Zeiten des Malkasten etwa. An der Wand nebenan hängt ein Fernseher, auf dem Videos der Tortenschlacht eben dort gezeigt werden. Wer dabei war, bekommt glänzende Augen, und wer nicht, wäre es gerne gewesen. Eine andere Vitrine, die sie Zukunftsvitrine nennen, soll wechselnd bespielt werden. Und wer selbst mal hinter Glas möchte, kann seinen Personalausweis hinterlegen und sich ein transparentes Polizei-Schild ausleihen. Mit dem Schild darf man das KIT verlassen und herumspazieren, durchs Acrylglas die Rheinufer-Spaziergänger beobachten und sich beobachten lassen. Oder noch besser: gleich bis zur Kunsthalle laufen, sich dort hinters Schutzschild hocken und zum Teil der Ausstellung erklären.

Quelle: RP
 
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