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Düsseldorf
Franzose mit frischem Schwung

Düsseldorf. Im Sinfoniekonzert überzeugten der Mann am Pult und der Geiger Roman Kim mit Paganini. Von Gert Holtmeyer

Gleich doppelt durfte man aufs fünfte "Sternzeichen"-Sinfoniekonzert gespannt sein. Erstens, weil sich, nach Adam Fischers Debüt als Erster Konzertdirigent jetzt mit Alexandre Bloch der neue Principal Guest Conductor der Düsseldorfer Sinfoniker in der Tonhalle vorstellte. Und dann, weil der Solist Roman Kim mit Paganini einigen Nervenkitzel versprach.

"Das ist er", sagte Intendant Michael Becker, der den neuen Dirigenten zur Begrüßung gleich mit auf die Bühne brachte. Beim Goethe-Institut, erläuterte Becker scherzhaft, "hat Bloch schon so viel Deutsch gelernt, dass er Präsens kann". Bloch bestätigte mit charmantem französischen Akzent, dass er ein entfernter Verwandter Mendelssohns ist. Und er gab einige Hinweise zum Hören des ersten Programmpunktes.

Als Einstieg in seine neue Aufgabe in Düsseldorf wählte Bloch nichts, was den Verdacht auf Populismus aufkommen lassen könnte. Vielmehr ließ er das Konzert mit einer Komposition aus der Kategorie "Minimal Music" beginnen, mit den 1986 entstandenen "Three Movements" von Steve Reich. Bei dieser Musik bleibt vieles gleich, und doch ändert sich dauernd etwas. "Achten Sie auf die Veränderungen", empfahl Bloch und machte noch darauf aufmerksam, dass das Orchester "Stereo" aufgebaut war. Man ahnte es schon vorher, weil links und rechts außen je vier Kontrabässe standen.

Wie dirigiert der Neue? Beim dreisätzigen Werk von Reich, bei dem das Tempo eines jeden Satzes mit Metronomzahlen genau vorgeschrieben wird, tat er genau das Richtige: Er konzentrierte sich auf Tempi und Einsätze, dirigierte präzise und nachvollziehbar und achtete auf die Veränderungen der Lautstärke. Es gelang eine tadellose Aufführung.

Nach der Pause war ein Konzert zu hören, dem man eher auf Tonträgern als im Konzertsaal begegnet: Paganinis erstes Violinkonzert. Das ist so schwer, dass sich nur die Wenigsten der Herausforderung einer Live-Aufführung stellen. Anders der junge Roman Kim. Doppelgriffe, Flageoletts, Springbogen, Stakkato, großer Ton: Man konnte nur staunen. Optisch ungewohnt war seine Spezialbrille, die ihn vor störender Ablenkung schützen soll.

Begeisterten Beifall gab es für ihn wie für Bloch, der mit der erfrischend schwungvollen Wiedergabe von Mendelssohns italienischer Sinfonie an Sympathie gewann. Sein sachlicher, eleganter und federnder Dirigierstil wirkt motivierend aufs Orchester. Das lockere Auftreten bringt ihm die Sympathie des Publikums ein. Der Start des Neuen in Düsseldorf ist geglückt.

Quelle: RP
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