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Düsseldorf
Neue Tanzhaus-Reihe: einfach weitermachen

Düsseldorf. Das Tanzhaus NRW hinterfragt in "Real Bodies" die Vorstellungen vom idealen Körper. Den Auftakt gab es mit Tänzern über 40 Jahre. Von Klas Libuda

Es ist fast schon lustig, wenn's nicht auch so bitter wäre: Wenn man bei Google "Dance On" eingibt, stößt man irgendwann auf einen Text, in dem steht, dass das eine "Seniorenkompanie" sei. Das ist erstaunlich, hatte man im Tanzhaus doch eine Truppe gesehen, die weit weg schien von Rente und Ruhestand. Ziemlich drahtig und agil wirkten die Tänzer sogar. Die meisten Mittzwanziger hätten das wohl nicht so hinbekommen wie die vermeintlich betagten Herrschaften.

Kein Wunder, denn die Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie Dance On sind gerade einmal über 40, also eigentlich nicht in den Jahren, in denen manche lieber kürzertreten möchten. In der Tanz-Branche aber ist Ü40 ein stattliches Alter. Es ist ein bisschen so wie im Profifußball: Nach der Jugend denken die Leute bald schon über das Karriereende nach.

"Dance On", das kann man mit Weitertanzen übersetzen, und im Tanzhaus arbeiteten sich so zunächst Christopher Roman und Brit Rodemund daran ab, zu zeigen, was noch alles möglich ist. "Catalogue (First Edition)" heißt die Choreografie von William Forsythe, dem ehemaligen Direktor des Frankfurter Balletts, die ohne Musik auskommt und ohne raumgreifende Bewegungen. Tatsächlich bewegt sich das Duo kaum mal vom Fleck, steht da und tippt zunächst nur mit den Fingern an die eigenen Schultern. Mit der Zeit dann laufen die Körper wie Motoren warm, die Glieder strecken sich und die Gelenke kreisen, alles scheint lückenlos durchkoordiniert. Zuletzt ist der Bewegungsapparat einmal durchprobiert - ein echter Kraftakt war das.

Das war der erste Teil des Abends, im zweiten kommen Roman, der Dance On künstlerisch leitet, und Rodemund zurück, außerdem stehen für "7 Dialogues" vier weitere Tänzer auf der Bühne, jeweils zu wenige Minuten dauernden Soli, die sie mit unterschiedlichen Choreografen erarbeitet haben. Zu Klavierbegleitung und gelegentlichen Einschüben von Matteo Fargion - "Wenn du dich gut fühlen möchtest, nimm' ein Bad" - treten die Künstler nach und nach ins Scheinwerferlicht, verlieren sich im Geklimper, suchen ihren Platz - "I don't want to be minimal", heißt es einmal -, spielen sich auf: Christopher Roman kehrt als Nörgler mit rotem Lippenstift, Perücke, Unterhose und sonst nichts zurück.

Der Auftritt von Dance On war der Auftakt von "Real Bodies" im Tanzhaus, vielen werden die Plakate zur Veranstaltungsreihe aufgefallen sein, die zurzeit in der Stadt zu sehen sind. Auch im Foyer des Tanzhauses hängt eins: eine behaarrte, wohl männliche Brust, nicht gerade das, was man eine Strandfigur nennt. Im Tanzhaus wollen sie solche Ideale nun hinterfragen. Der italienische Choreograf Alessandro Sciarroni hat sich angekündigt und möchte auf der Bühne Sehbeeinträchtigte gegeneinander antreten lassen. Die israelische Künstlerin Yasmeen Godder stellt in "Common Emotions" sechs Tänzer auf die Bühne und will auch das Publikum involvieren. Der 44-jährige Dominique Mercy und der 65-jährige Pascal Merighi gestalten einen Abend gemeinsam. Und Seline Baumgartner zeigt im Tanzhaus-Foyer an sieben Abenden Videoinstallationen: Sie hat unter anderem Tänzer besucht, die zwischen 50 und 70 Jahre sind.

Quelle: RP
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