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Düsseldorf
Schwanensee in Stützstrümpfen

Düsseldorf: Schwanensee in Stützstrümpfen
Gaby Blum, Rolf Berg, Marco Knorz, Nadine Arents, Manon Straché (von links) amüsierten bei der Premiere in der Komödie das Publikum mit schlüpfrigen Witzen und Tanz. FOTO: Raffaele Horstmann
Düsseldorf. In dem neuen Stück in der Komödie versuchen sich Schuhverkäuferinnen an einem klassischen Balletttanz. Von Regina Goldlücke

So richtig prickelnd klingt der Titel des Stücks ja nicht gerade: "Schwanensee in Stützstrümpfen". Will man da wirklich hin? Schafft man es, vergnügt im Theater zu sitzen, ohne dabei an Krampfadern und Sanitätshäuser zu denken? Zumindest aber flammt Neugier auf, welche Überraschung die Komödie mit dieser Premiere für ihre Zuschauer bereithält.

Der Inhalt lässt sich im Zeitraffer erzählen: Schuhgeschäft steht vor der Pleite, drei wackere Verkäuferinnen wollen helfen. Mitsamt ihrem Chef studieren sie eine klassische Ballettnummer ein. Nur wer ein Paar Schuhe kauft, so der Plan, kommt in den Genuss von "Schwanensee". Der beseelte Auftritt gelingt, der Laden ist gerettet. Und mehr noch, alle Beteiligten haben ihr Schicksal selber in die Hand genommen und sind zu neuen Ufern aufgebrochen. Die optimistische Botschaft: Seid mutig, geht kühne Wege, verwirklicht eure Träume.

"Schwanensee in Stützstrümpfen" von Jan-Ferdinand Haas spielt in der Weihnachtszeit und zum Jahresbeginn. Die älteren Verkäuferinnen Hanna (Manon Straché) und Dora (Gaby Blum) sorgen sich um das marode Geschäft und ihre eigene Zukunft. Auch ihre jüngere Kollegin Dany (Nadine Arents) trifft es als alleinerziehende Mutter hart. Dennoch wird lustvoll geplänkelt und gestichelt. Das Trio nimmt sich kräftig auf die Schippe und überbietet sich in Anzüglichkeiten. Dabei reiht der übereifrige Autor sattsam bekannte und gern auch mal schlüpfrige Witzchen aneinander. Was dem amüsierten Publikum aber größtenteils gefällt, bei der Premiere wird jedenfalls herzhaft gelacht.

Auch über den gutmütigen Chef des Ladens, den Rolf Berg mit rheinischem Singsang und einer Portion Naivität gibt. Die Fassung von Regisseur Florian Battermann verortet das Stück in Düsseldorf und Umgebung. Doras Sohn etwa, der Ballett-Tänzer Tim (Marco Knorz), tritt mit seiner Truppe in Dormagen und Ratingen auf. Dem sonnigen Kerlchen verdankt die Belegschaft auch die Idee mit der Show-Einlage. Als einziger Profi bringt er sich mit eleganten Schwüngen und Sprüngen ein und reißt das Quartett mit. Es ist lustig anzuschauen, mit welchem Feuereifer sich die unerfahrenen Balletteusen Tschaikowskis Musik einverleiben. Drei Frauen und ein Mann im flockigen weißen Tutu - ein todsicherer Brüller.

Die Dialoge sind allerdings von beinahe rührender Schlichtheit. Tiefgang ist gewiss kein unerlässliches Requisit auf dem Boulevard, aber ein wenig Esprit und Raffinesse wären halt auch schön. Warum der Abend dennoch gut ankommt und nicht nur wegen der bravourösen Ballett-Nummer großen Spaß macht, liegt an den Schauspielern. Sie sind es, die den Grobschliff des Textes vergessen machen und den Karren durch ihre Spielfreude am Laufen halten. Allen voran Manon Straché, ein "Theatertier" der besten Sorte, gestählt durch viele Jahre auf dem Boulevard und die Kabarettbühnen, denen sie angehörte ("Leipziger Pfeffermühle", "Die Akademixer"). Grandios, wie sie sich in ihrem knappen Flatterhöschen dreht und wendet und auf ihre molligen Kurven deutet: "Erotische Nutzfläche, die seit Jahren brach liegt." Auch die trockenen Kommentare der mit stoischer Miene agierenden Gaby Blum halten das Stück lebendig. Bei der Premiere gab es viel Applaus für die munteren Darsteller und ihre souverän gemeisterte Tanzeinlage, die mit einem charmanten Schlussakkord ausklingt.

Quelle: RP
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