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Düsseldorf
Wohin die Gesellschaft steuert

Düsseldorf. Im Central diskutierten Politiker und Kulturschaffende über die Zukunft Europas. Von Thomas Hag

Kultur und Politik, wie passt das heute zusammen? Über diese Frage diskutierten Experten im Central. Allerdings ohne die Bevölkerung, wie Moderator Oliver Keymis, kultur- und medienpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, erwähnte, die sich von der Gesellschaft "abgehängt" fühlt, also ohne junge Leute und jene, die sich dem "Rechtsruck" der Gesellschaft angeschlossen haben. Denn dieser Rechtsruck, so der Konsens, wird allgemein konstatiert. Die Journalistin Gisela Friedrichsen, die als Gerichtsreporterin unter anderem auch über die NSU-Prozesse berichtet, zeichnete zu Beginn ein düsteres Bild einer Gesellschaft, die den Konsens verloren hat, deren Jugend sich im Stich gelassen fühlt und der es an politischer Führung fehle.

Der Theologe und Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lillie, widersprach dem negativen Bild seiner Vorrednerin. Er sehe viel Solidarität und Gemeinschaftsgefühl, problematisch allerdings sei die Rolle der Kirchen. Schnell kreisten die Themen um den Werteverlust etablierter Systeme. "Europa taumelt", lautete ein Schlagwort, ist ein "Zug, der ohne Bremse in den Nebel rast". Der Politikwissenschaftler Alexander Carius sah das etwas gelassener, schlug auf der globalen Ebene aber vor, zu bedenken, ob nicht die Milliardäre auf der Welt etwas mit der allgemeinen Misere zu tun hätten. Da regte sich Widerspruch.

Für das Theater sprachen Regisseur Thomas Schulte-Michels, der in dieser Spielzeit den Mephisto inszeniert hat, sowie Intendant Günther Beelitz: Theater müsse politisch sein, meinten sie übereinstimmend, "wenn sie allerdings keinen Hamlet-Darsteller haben, können sie auch keinen Hamlet spielen", sagte Schulte-Michels. Damit war natürlich die Führungsschwäche in der Politik gemeint, aber auch die Medien blieben nicht von der Kritik verschont. Die würden allzu oft nach dem Motto "Bad News are Good News" verfahren und Parteien wie der AfD zu viel Aufmerksamkeit widmen, so ein Beitrag aus dem Publikum. Allerdings besteht ein Teil der besprochenen Probleme ja auch im Auftauchen jener neuen nationalistischen Werte, die es zwar schon immer gegeben hat, die jedoch in den letzten Jahren immer mehr vom Rand in die Mitte der Gesellschaft drängen. Wer sich von dieser Diskussion nun klare Antworten erwartet hatte, ging vielleicht etwas irritiert nach Hause. Aber vermeintlich klare Antworten liefern in diesen Zeiten wohl nur Demagogen.

Quelle: RP
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