| 00.00 Uhr

Ferien-Report
Militärische Nahkampftechnik als Freizeit-Sport

Düsseldorf. Krav Maga ist eine Kampftechnik, die insbesondere bei Frauen als effektive Selbstverteidigung immer beliebter wird. Von Maximilian Krone

Holthausen Disable, Disarm, Deliver: also außer Gefecht setzen, entwaffnen und an die Polizei übergeben. Das ist in Kürze die Philosophie von Krav Maga. Am Samstag fand beim SFD ein Schnupperkursus statt, bei dem Interessierte einen ersten Eindruck von dem Kampfsport erhielten.

Ursprünglich wurde diese Kampftechnik für die Israelische Armee entwickelt, ist inzwischen aber weltweit als effektive Nahkampfmethode verbreitet. Für Trainer Carsten Draheim ist das Besondere an Krav Maga, dass es ein intuitiver Sport ist. "Er baut auf die natürlichen Abwehrmechanismen in Gefahrensituationen auf und versucht diese noch auszubauen", sagt er. Er selbst macht diese Art Sport bereits seit elf Jahren. Begonnen hat er damit in Israel und seit fünf Jahren bildet der Kölner auch aus.

Trainiert wurden am Samstag zwei im Alltag häufig vorkommende Situationen, wie er sagt. Zum einen: Mann gegen Mann. Dabei geht es darum, wie ein Angriff bestmöglich abgewehrt wird. "Besonders bei Männern eignet sich da als erstes ein Tritt zwischen die Beine", sagt Draheim, worauf die männlichen Teilnehmer sich zielstrebig auf eine Kiste mit Weichteilschutz zubewegten. Nachdem dieser angelegt war, durften die Teilnehmer ran. Nach dem Tritt folgten meist ein Check mit dem Ellbogen und ein Schlag auf den Kopf. "Besonders effektiv ist es, wenn man den Hinterkopf trifft, dort wo es weich ist", erklärt der Trainer. Im Training wird das natürlich nur angedeutet, damit der Schnupperkursus nicht mit Verletzungen endet.

Die zweite "Alltagssituation" ist eine, die vor allem seit den massanhaften Übergriffen in der Silvesternacht Frauen scharenweise in die Krav Maga-Kurse treibt: die Bedrängung durch mehrere Personen. "Auch gegen so viele Angreifer kann man sich verteidigen. Wenn möglich, sollte man aber immer weglaufen", sagt Draheim. Aber: "Die Auseinandersetzung ist immer das letzte Mittel - und sie ist möglich." Wichtig sei dabei nur, dass man nicht aufgibt und nicht nichts macht. "Niemand muss eine Technik perfekt beherrschen, um sich wehren zu können", sagt der Trainer. Denn auch in solchen Situationen wird auf intuitiven Reaktionen aufgebaut.

Wild um sich schlagen, laut Schreien und Treten erweisen sich vielfach schon als ausreichend, um einen Angriff abzuwehren. Seit Silvester sei das Interesse an der Abwehr besonders dieser Situation massiv angestiegen, so der Trainer. "Wir haben inzwischen ein recht ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Vor der Silvesternacht lag der Frauenanteil nur bei rund zehn Prozent."

Das Kampfsporttraining dient aber nicht nur der Aneignung von Verteidigungsfähigkeiten, sondern auch als Fitnessprogramm. "Im Grunde ist es für jeden geeignet", sagt Draheim. Seine Gruppen seien gut gemischt. "Es sind ganz normale Leute. Viele würden vermutlich nicht ins Boxstudio gehen, kommen aber gerne in unsere Kurse", sagt Draheim.

Auch beim SFD wird es nun jeden Samstag einen Kurs geben. Besondere Vorkenntnisse brauche man nicht. "Man kann zu jeder Zeit einsteigen, zu Beginn gibt es Grundübungen", sagt Carsten Draheim. Lange dauert es indes nicht, bis man die Techniken richtig anwenden könne, denn im Schnitt seien dafür nur drei Monate nötig.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ferien-Report: Militärische Nahkampftechnik als Freizeit-Sport


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.