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Analyse
Nächster Rheinbahn-Vorstand wohl teurer

Düsseldorf. Nachdem feststeht, dass der vom Oberbürgermeister öffentlich kritisierte Rheinbahn-Chef Dirk Biesenbach seinen Posten im Frühjahr räumt, geht es jetzt um die Nachfolge. Die dürfte kompliziert werden - und es wird wohl mehr Geld fließen müssen. Von Christian Herrendorf und Denisa Richters

Im Wahlkampf hatte Thomas Geisel sich für einen Fünf-Minuten-Takt bei Bussen und Bahnen ausgesprochen. Eine Taktverdichtung steht auch in seiner Amtszeit oben auf der Agenda. Mit dem Vorstandssprecher der Rheinbahn, Dirk Biesenbach, kam es in dieser Frage zum Bruch. Seit einigen Wochen steht fest, dass Biesenbach im März 2016 geht. Die Suche nach einer Nachfolge ist jedoch kompliziert.

Das Verfahren Geisel, der auch Vorsitzender des Rheinbahn-Aufsichtsrats ist, führte in den vergangenen Wochen bereits Gespräche mit möglichen Nachfolgern von Dirk Biesenbach. Gespräche wird auch der Präsidialausschuss führen, dem außer Geisel auch CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk, Rheinbahn-Betriebsratschef Uwe David und Gewerkschaftssekretär Gustav Wilden angehören. Auch zwei Frauen sollen unter den potenziellen Kandidaten sein. Ende Juli will der beauftragte Headhunter Vorschläge präsentieren. Zwei bis drei Sitzungen könnten nötig sein, bis der Ausschuss dem Aufsichtsrat eine Vorentscheidung präsentieren kann. Es ist deshalb davon auszugehen, dass ein Nachfolger erst im September oder Oktober feststeht. Zu hören ist, dass die Suche sich erheblich schwieriger gestaltet, als gedacht. Der Grund sei das Gehalt, das dem neuen Rheinbahn-Vorstand gezahlt werden soll. Biesenbach hatte inklusive aller Zulagen weniger als 300 000 Euro im Jahr erhalten. Es sei davon auszugehen, dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin deutlich mehr verlangen werde, heißt es.

Vorgeschichte Zum noch amtierenden Vorstandssprecher Biesenbach und der Ungnade passt ein Goethe-Zitat: Halb zog es ihn, halb sank er hin. Mitglieder der Ampel-Kooperationen beschreiben die Gespräche mit Biesenbach über die künftige Ausrichtung der Rheinbahn als sehr schwierig. Biesenbach habe kein Stück Kompromissbereitschaft gezeigt, wenn es um Fragen eines dichteren Takts, neuer Linien und Fahrzeuge ging. Daraufhin erklärte Geisel, Biesenbach sei ein sehr guter Kaufmann, die Rheinbahn brauche aber auch einen Strategie-Experten im Vorstand. Da kaum denkbar schien, dass ein neuer Vorstand kommt und sich unter Biesenbach einordnet oder dass Biesenbach zugunsten eines neuen Vorstandssprechers einen Schritt zurücktritt, war klar, dass Geisel damit den Abschied Biesenbachs miterklärt hatte. Und so veröffentlichten beide Seiten wenig später, dass Biesenbachs Vertrag im kommenden Jahr nicht verlängert wird. Da Biesenbach in der Branche einen ausgezeichneten Ruf genießt, steht nicht zu erwarten, dass er die Rheinbahn mit Pensionsansprüchen (jährlich 82 875 Euro) überhaupt oder allzu lange belasten wird.

Weiterer Vorstand? Neben der Frage des neuen Vorstandssprechers gibt es eine weitere Personaldiskussion. Auf den Fluren der Unternehmenszentrale hält sich das Gerücht, der Betriebsratsvorsitzende David strebe in den Vorstand. David dementierte dies auf Nachfrage in einer Betriebsversammlung. Grundsätzlich ausgeschlossen ist ein solcher Schritt nicht, da David eine für seinen Posten eher ungewöhnliche Arbeitgeber-Freundlichkeit pflegt. Wenn, käme er für den Posten des Arbeitsdirektors in Betracht. Das wiederum würde bedeuten, dass der derzeitige zweite Vorstand Klaus Klar einen Teil seiner Zuständigkeit abgibt und die Cheftage künftig drei Mitglieder hat. Dass Geisel einen solchen Kostenanstieg akzeptieren würde, scheint unwahrscheinlich. Aber der Verlauf der Verhandlungen um die diversen Posten und Kandidaten könnte durchaus noch zu überraschenden Lösungen führen.

Quelle: RP
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