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Düsseldorf
Schüler überwinden Barrieren mit Musik

Düsseldorf: Schüler überwinden Barrieren mit Musik
Beim Musizieren in der zweiten Klasse darf es auch schon mal etwas lauter werden: David schätzt besonders die Triangel. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Geiger Yehudi Menuhin gründete 1993 das Bildungsprogramm "mus-e". Auch eine Düsseldorfer Schule nimmt daran teil. Sie heißen Ersan, Nada, Muhammed, Rachelle oder Kalliopi. Dicht gedrängt sitzen die Zweitklässler im Stuhlkreis und trommeln aus Leibeskräften. Von Regina Goldlücke

Die Instrumente, auf die ihre kleinen Hände niederprasseln, sind umgestülpte Plastikeimer. Andere Kinder schwingen Rasseln oder halten Triangeln hoch und warten auf ihren Einsatz. Den Takt gibt Alexander Maczewski vor. Der Berufsmusiker unterstützt seit 1999 das Projekt "mus-e", das die Künste in die Schulen bringt.

In Düsseldorf profitiert die katholische Grundschule Höhenstraße (KGS) im Stadtteil Oberbilk von dem Angebot. Und besonders hier fällt es auf fruchtbaren Boden. Fast alle Schüler haben eine Zuwanderungsgeschichte. Zehn Nationalitäten in einer Klasse sind keine Seltenheit, darunter auch Flüchtlinge aus Syrien. "Manche Kinder können kein Wort Deutsch, wenn sie ankommen", berichtet Anke Bücker. Die kommissarische Schulleiterin weiß um die damit verknüpften hohen Anforderungen an die Lehrer. Die Pädagogin sagt aber auch: "Es macht so viel Spaß, mit welcher Geschwindigkeit die neue Sprache erlernt wird."

Wo Worte fehlen, können Musik, Malerei und Tanz Barrieren überwinden: Mit dieser Erkenntnis gründete der Geiger Yehudi Menuhin 1993 das Bildungsprogramm "mus-e". Seine Visionen werden mittlerweile in zehn europäischen Ländern und seiner Heimat Israel umgesetzt, Tausende von Schulen sind daran beteiligt. "Durch das verstärkte Wahrnehmen mit allen Sinnen lernen die Kinder, sich vielfältig in der universellen Sprache der Künste auszudrücken", sagt Gabriele van Daele, ehemalige Rektorin der Schule Höhenstraße und "mus-e"-Koordinatorin NRW. Das beflügelnde Erlebnis, gemeinsam etwas zu schaffen, verbessert das soziale Gefüge, fördert Kreativität und Phantasie. Die Kinder gewinnen an Selbstbewusstsein und sind besser gewappnet für Herausforderungen.

"Einen Türöffner fürs Leben" nennt es Gisela Happe. Die freie Künstlerin ist glücklich über den messbaren Erfolg ihres Kunstunterrichts, den sie wöchentlich gibt. "Ein Phänomen. Selbst die ganz Schwachen blühen auf und machen einen Riesensprung nach vorn. Da können die Mitschüler nur noch staunen." Ihr geht es darum, die Lust am Gestalten zu wecken und Begabungen herauszukitzeln. Die aufgeweckten Jungen Yousef, Kemal und das Mädchen Tanziel beschäftigen sich gerade mit einem "Seelenvogel"-Projekt. "Den füttern wir jede Woche mit Gefühlen", sagt Yousef und übernimmt damit Gisela Happes Ideal vom Querdenken. Der talentierte Kemal will später Maler werden. Eifrig verfolgt er den Unterricht: "Wir haben gelernt, dass man mit nur drei Farben Millionen von Farbtönen herstellen kann."

Die Künstler entwickeln ihre Ideen gemeinsam mit den Klassenlehrern und sind als gleichwertige Kollegen eingebunden. Natürlich kosten diese Angebote Geld, Sponsoren werden also dringend benötigt. Das Förderprogramm der Düsseldorfer Schule wird durch Sabine Reinsch vom Verein "NRW macht Schule" unterstützt, auch bei Theaterbesuchen oder Büchern für die Lese-Ecke. Bald soll das Projekt an weiteren Brennpunkt-Grundschulen breitflächig verankert werden. Was "mus-e" für die Kinder bedeutet, drückt Nurkan (9) am schönsten aus: "Es ist wie ein toller Stern."

Quelle: RP
 
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