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Flingern
Der wohl älteste Kater Düsseldorfs

Flingern. 24 Jahre und sieben Monate ist Filou jetzt alt, in Menschenjahren sind das etwa 112 Jahre. Vermutlich hat der Kater gute Gene. Von Nicole Kampe

Jeder Tag könnte der letzte sein, das weiß Torsten Falk. Jeder Tag ist wie ein Geschenk. Auch wenn das Zusammenleben mit Kater Filou nicht mehr ganz so leicht ist wie früher. Seit einem halben Jahr etwa weckt Filou sein Herrchen in der Nacht, gegen 3.30 Uhr, "er macht richtig Terror", sagt Falk. Weil er sein Futter verlangt. Um 6 Uhr dann fordert Filou wieder einen vollen Napf, "er ist wie ein alter Mann", sagt Falk, dessen Augenringe immer ausgeprägter werden. Lange hat Torsten Falk nicht mehr durchgeschlafen. In Katzenjahren ist Filou 24 Jahre und sieben Monate, "er ist der Methusalem unter den Katzen", sagt Katja Beyer, Filous Tierärztin, die ihre Praxis an der Lorettostraße hat.

In Menschenjahre umgerechnet sind das 112 Jahre - Filou ist vermutlich der älteste Kater der Stadt, auf jeden Fall aber der älteste in Beyers Patientenkartei. Dass er so alt geworden ist, liegt an den guten Genen, sagt die Tierärztin, "ein bisschen aber auch am Besitzer". Dabei konnte Falk als Kind nichts mit Katzen anfangen, seine Augen tränten, die Nase lief, sobald er in ein Haus kam, in dem Katzen lebten.

Irgendwann erweichte eine Babykatze sein Herz, das war 1985, als er am Wochenende durch die Altstadt zog und im Schaufenster einer Zoohandlung an der Flinger Straße das kleine Tier entdeckte, das in einer Metallkiste hockte. "Es war Wochenende, kein Mensch in dem Laden", sagt Falk. Bald schon zog Speedy bei ihm ein, "wie Speedy Gonzales", erzählt Falk. Irgendwie hat er die Katze vertragen, "alle Katzen, die bei mir leben, machen mir nichts aus".

Als Speedy starb, suchte Falk einen neuen Kater, "wir hatten damals noch eine alte Katzendame". Einen Gefährten für sie, den Falk im Tierheim in Velbert fand. Nicht eine Sekunde musste er überlegen, als er in dem betonierten, kahlen Raum stand und Filou auf ihn zustürmte. "Die Katze sucht sich den Menschen aus, nicht umgekehrt", sagt Falk. Sieben Jahre ist er damals schon gewesen, einer alten Frau soll er gehört haben. "Sie war gestorben", sagt Falk. Filou hieß Filou - der Name blieb, weil er so gut passte. Weil Filou ein echter Filou ist, ein Alphatier, der Türklinken öffnen kann und sich in Falks Kleiderschränken aus den gebügelten Hemden und Pullis gerne mal ein kuschliges Nest baut.

Marotten hat Filou einige, im Alter mehr denn je. Mit zwei Perserkatzen lebt der Kater in einer Wohnung in Flingern, vor ein paar Monaten ist seine gute Katzenfreundin Lolle die Kuh ("weil sie so gefleckt war wie eine Kuh", sagt Falk) gestorben. Seitdem herrscht ein Ungleichgewicht, seitdem legt sich Filou oft an mit dem Perser-Maine Coone-Mix Lord Vader. "Sein Atemeffekt ist wie beim Charakter aus Star-Wars", erklärt der Fotograf und Journalist, der von 1993 bis 2009 Dozent an der Heinrich-Heine-Universität war, die ungewöhnliche Namensgebung.

Jedenfalls hatte Filou mit dem fast doppelt so großen und doppelt so schweren Lord Vader eine böse Auseinandersetzung, dabei lässt Falk die Katzen nur noch ungern aus den Augen. Voller Blut ist die Wohnung gewesen, überall rote Pfotenabdrücke, "wie im Horrorfilm". An der Kralle hatte sich Filou verletzt, sofort setzte sich Falk mit dem Kater in ein Taxi und fuhr in Kerstin Beyers Praxis. Gemurrt hat Filou nicht, als die Ärztin die Kralle zog, ein bisschen gegrummelt, als es eine Spritze gab. Die Infusion aber, die ihm im Nacken gesetzt wurde, die hat Filou sich nicht gefallen lassen, "da ist er durchgedreht und hat mich gebissen", sagt Falk. Mit dem Ergebnis, dass das Herrchen wie der Kater in der Notaufnahme landete.

Solche Tage sind anstrengend für Filou geworden: Auseinandersetzungen mit den Mitbewohnern, unangekündigte Besuche, die Fahrt zum Tierarzt. Jeder Tag könnte der letzte sein, weiß Torsten Falk, deswegen genießt er die Tage mit Filou, auch wenn die Marotten mehr geworden sind. Ein Geheimnis hat er nicht, wie Filou so alt werden konnte, "er hat wohl gute Gene", sagt Beyer. Ein stressfreies Leben, gutes Futter und ein aufmerksamer Besitzer haben den Rest getan, und vermutlich ist auch das Leben als Hauskatze ein Grund, dass Filou nun 24 Jahre und sieben Monate alt ist. "Als Hauskatze hat er weniger Risiken", sagt Beyer. Dafür gemütliche Fernsehabende mit dem Herrchen, auf dem Schoß, eingekuschelt - da muss nur noch der Film stimmen.

Quelle: RP
 
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