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Flingern
Ohne Ton

Flingern. Henk van Dreumel lädt zum Stummfilm-Festival in die Black Box ein. Von Marc Ingel

Es gibt Hobbys, die bedürfen einer Erklärung. Henk van Dreumel zum Beispiel sammelt Stummfilme. "Weil im Leben doch genug geredet wird, da ist es eine Wohltat, mal ohne Worte auszukommen", sagt er. Annähernd 1000 der Streifen zwischen einer und 15 Minuten befinden sich in seinem Besitz, gedreht zwischen 1895 und 1925. Es sind Raritäten, mit denen er seit 2007 die Stummfilmreihe "Staub und Kratzer" bestückt, die er im Bambi und Metropol, in der Berger- und der Johanneskirche, im Damen+Herren und inzwischen in der Back Box im Filmmuseum zeigt. Zum Zehnjährigen gibt es am 22. und 23. Dezember ein Festival.

Das Konzept: "Wir zeigen an dem Freitag 15 Filme mit musikalischer Begleitung, dreimal davon live. An dem Samstag läuft dann der komplette Murnau-Klassiker Nosferatu, live vertont von der Düsseldorfer Band Love Machine", erläutert van Dreumel. Wenn er sagt wir, meint er Florian Deterding, den Leiter der Black Box, in dem er einen kompetenten Kooperationspartner gefunden hat. "Es mag ein Risiko sein, gerade weil die Musik im Vordergrund steht. Aber für den Samstag rechne ich mit einem ausverkauften Haus, da auch die Band viele Leute ziehen wird", blickt Deterding voraus. Prinzipiell gebe es durchaus ein Publikum für Stummfilme, so van Dreumel, das hätten die vergangenen 14 Veranstaltungen gezeigt. "Und zwar vom Studenten bis zum Rentner."

Seine Sammlung besticht durch eine große Vielfalt unterschiedlicher Genres, es sind Slapstick- und Trickfilme darunter genauso wie experimentelle und avantgardistische Streifen, schwarz-weiß oder coloriert. Ein paar der kuriosesten Unikate werde an dem 22. Dezember gezeigt: Ein russischer Puppentrickfilm zeigt ausgestopfte Vögel, die aus nicht erkennbaren Grund trotzdem fliegen können, dazu wird eine australische Sängerin Vogelstimmen live imitieren. Die filmisch festgehaltene Verwesung eines Käsestücks hat es ebenso in die Top 15 geschafft wie der experimentelle Farben-Film "Die wilde Jagd". Nicht fehlen darf in so einer Aufzählung der französische Pionier Georges Méliès. "Er hat seine Drehbücher selbst geschrieben, war Schauspieler und Regisseur, hat fiktive Welten erschaffen und ein eigenes Theater betrieben. Und er ist grandios gescheitert", schwärmt der in Flingern wohnende van Dreumel. Der hauptberuflich als Pädagoge für verschiedene Träger arbeitende 51-Jährige sammelt auch 16-Millimeter-Filme, rund 600 weitere dieser Raritäten besitzt er, oft unfreiwillig komische Dokumentar- und Lehrfilme.

Quelle: RP
 
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