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Hubbelrath
Die faulen Pferde von Hubbelrath

Hubbelrath. Corinna Hengefeld zeigt in ihren Workshops unter anderem, wie man lustlose Pferde auf Trab bringt. Die 25-jährige "Pferdeflüsterin" legt dabei großen Wert auf die Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Von Sarah Schneidereit

Christiane Eckhoff hat es nicht unbedingt leicht mit Zefiro. Der weiße Lusitano Cruzado reagiert nur lustlos auf die Kommandos seiner Reiterin. Selbst die Gangart Schritt scheint ihm zu viel zu sein. "Lass ihn erst einmal rückwärts und dann wieder vorwärts laufen", ruft Corinna Hengefeld durch die Reithalle. Auf das Rückwärtsgehen hat Zefiro nämlich noch weniger Lust, weshalb es auf einmal mit dem gewünschten Schritt-Tempo klappt. Nach einer halben Stunde Training unter dem wachsamen Augen von Bereiterin Corinna galoppiert der Lusitano sogar durch die Halle.

Dass die Arbeit mit faulen Pferden eine ziemliche Geduldsprobe ist, weiß die 25-Jährige aus Erfahrung. Seit zwei Jahren hat sie nun schon mit ihrer Familie den Nothenhof in Hubbelrath gepachtet. In der Zeit hat sie schon mit vielen verschiedenen Pferden zu tun gehabt. "Es ist wichtig, dass man als Reiter nicht die Geduld verliert. Oft liegt das Problem nämlich nicht nur beim Pferd", meint Corinna Hengefeld, die ihre Ausbildung als Bereiterin und Reitlehrerin in England und Portugal gemacht hat.

Um die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter zu verbessern, bietet Corinna regelmäßig Workshops auf dem Nothenhof an. Beim Kurs zum Thema "Hilfe, mein Pferd ist faul" vor wenigen Tagen kamen siebzehn Teilnehmerinnen, die sich über die Ratschläge der jungen Bereiterin freuten. Sonja Thiel war eine von ihnen. Die 33-Jährige hat große Probleme mit ihrem Hengst "Der Clou". Als sie sich das Pferd vor drei Jahren kaufte, war noch alles in Ordnung. Doch mittlerweile klappt das Reiten auf dem Braunen fast gar nicht mehr. Der Hengst verkrampft sich oft völlig und droht manchmal sogar damit, seine Reiterin abzuwerfen. Unter Corinna Hengefelds Anleitung schaffte Thiel es wieder, ihr Pferd zu motivieren und ruhiger zu reiten.

"Man darf jetzt aber nicht denken, dass durch einen Workshop auf einmal alle Probleme aus der Welt sind", sagt Hengefeld. Es sei wichtig, dass Pferd und Reiter in regelmäßigen Trainingseinheiten zusammen arbeiten. Dabei käme es nicht auf die Länge der Einheit an. "Bei faulen Pferden ist es sinnvoll, nur so lange mit ihnen zu arbeiten, bis sie wach sind. Wenn sie am besten gehen, muss man als Reiter mit dem Training aufhören."

Auch bei Susanne Schäfer und ihrem Erik wollte es am Wochenende zunächst nicht so richtig klappen. "Erik ist von Natur aus eher ein Energiesparmodell", meinte Schäfer, als sie ihr Pferd den anderen Kursteilnehmerinnen vorstellte. Um ihn zum Laufen zu bewegen, nahm die Reiterin sofort die Gerte zur Hilfe. Corinna Hengefeld war von den Schlägen nicht begeistert. "Für mich kamen die Hiebe jetzt so unnachvollziehbar wie für Erik", meinte die Reitlehrerin. Sie riet Schäfer dazu, die Gerte zunächst vorsichtig einzusetzen. "Erst muss man das Pferd damit wie eine Fliege, dann wie eine Bremse und zuletzt wie eine Wespe berühren. Diese drei Stufen müssen immer eingehalten werden."

Dass der Workshop zum Thema faule Pferde nicht ausgebucht war wie die anderen Kurse sonst, wundert die Bereiterin überhaupt nicht. "Vielen Reitern ist es peinlich, wenn ihr Pferd faul oder nur lustlos bei der Sache ist", meint Corinna. Die 25-Jährige ist aber jederzeit bereit, bei Schwierigkeiten zu helfen. So hat sie zum Beispiel schon Reiter aus Hessen oder München zu Gast gehabt, die eine Woche lang auf dem Nothenhof gewohnt und mit ihr trainiert haben.

Quelle: RP
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