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Itter
Frau bringt Tradition zurück nach Itter

Itter. Lange gab es keine Fahnenschwenker mehr bei den Düsseldorfer Schützen - bis Ute Zielinski vor 30 Jahren den Brauch wieder aufleben ließ. Gestern begeisterten die Fahnenschwenker bei der großen Parade. Von Ina Armbruster

Geschickt wirbeln sie Fahnen um sich herum, greifen die Hände immer wieder in einer anderen Position um den Holzstab, werfen die Fahnen in die Luft und fangen sie sicher auf: Die Fahnenschwenker aus Itter faszinieren die Besucher jedes Jahr aufs Neue mit ihrer Geschicklichkeit. Auch bei der Parade der St. Hubertus Schützenbruderschaft gestern waren sie wieder mit von der Partie. Dieses Mal hatten sie einen besonderen Grund zur Freude: Die Fahnenschwenker feiern ihren 25. Geburtstag.

Ein Jubiläum, das die Gruppe einer einzigen Frau zu verdanken hat: Ute Zielinski. Sie erinnert sich noch genau an die Anfangszeiten: "Ich hatte mit dem Schützenwesen nichts zu tun, aber wenn ich mir die Umzüge angesehen habe, ist mir immer aufgefallen, dass keine Fahnenschwenker dabei sind. Das fand ich schade." Sie sprach ihren Bekannten Karl-Heinz Korff, damals Hauptmann der Jägerkompanie in Itter, darauf an. Er war begeistert von der Idee, Fahnenschwenker im Verein zu haben, und nahm Zielinski als erste Frau ins Regiment auf.

Doch: Schwenken konnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Es gab dazu keine Lehrbücher, und es war nicht einfach, jemanden zu finden, der die Griffe noch beherrschte", sagt Zielinksi. Schließlich kam sie mit dem ehemaligen Fahnenschwenker Willi Ostermann aus Wersten in Kontakt, der sein Wissen gerne weitergab. Das Interesse an dem neuen Angebot in Itter wuchs schnell.

Die Mitglieder pflegen nicht nur eine Tradition, sondern betreiben vor allem auch Sport: "Im Gegensatz zum Schwingen ist das Schwenken die deutlich sportlichere Variante. Wir halten die Fahnen nicht nur eng am Körper, sondern werfen sie auch in die Luft oder uns gegenseitig zu", erklärt die Kompaniegründerin, die sich nach fünf Jahren entschloss, ihre eigene Gesellschaft zu gründen. "Es war einfach an der Zeit. Zum einen waren wir zwölf Fahnenschwenker, zum anderen waren die Mitglieder der Jägerkompanie überwiegend ältere Männer, während wir eine recht junge Gruppe waren." Zielinski wurde zur Hauptfrau gewählt, noch im selben Jahr schoss sie den Vogel ab und wurde Regimentskönigin - als erste Frau in Nordrhein-Westfalen und zweite in ganz Deutschland.

Als Vorreiterin hat sie sich trotzdem nie gesehen. "Diese Ämter zu bekleiden war für mich selbstverständlich. Es gab im Gegensatz zu anderen Schützenvereinen in unserer Satzung keine Formulierung, die es ausgeschlossen hätte, dass eine Frau das macht." Die Resonanz sei positiv gewesen: Bei allen Festen in der Umgebung war die Königin ein gerngesehener Gast. Sie blickt mit Freude auf die vergangenen 25 Jahre zurück: die Ausflüge, die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften, die Auszeichnung mit dem Stadtorden. Die bunten Fahnen, die der verstorbene Oberbürgermeister Joachim Erwin der Gruppe zur der Olympia-Bewerbung schenkte, nutzt die Kompanie bis heute unter anderem beim Rosenmontagszug.

Selbst schwenkt die 64-Jährige allerdings nicht mehr mit. "Das überlasse ich der jüngeren Generation. Wir haben glücklicherweise genug Nachwuchs."

Quelle: RP
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