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Itter/Oberbilk
Tradition verpflichtet bei Familie Miggitsch

Itter/Oberbilk. Seit der Jahrhundertwende verkauft die Familie von Angelika Miggitsch Obst und Gemüse auf dem Oberbilker Markt. Miggitsch stieg Mitte der 90er Jahre ins Geschäft ein. In Itter führt sie zudem in der dritten Generation einen Hofladen. Von Semiha Ünlü

Die Urgroßeltern von Angela Miggitsch zogen ihren mit Obst und Gemüse beladenen Handkarren noch den ganzen Weg vom Kaiserswerther Bauernhof zum Oberbilker Wochenmarkt. Wenn sie dort nach mehreren Stunden Fußweg ankamen, standen dort schon viele andere Bauernfamilien mit ihren Körben, gefüllt mit Möhren, Kartoffeln, Radieschen, Porree oder Eiern, und boten ihre Waren feil.

Der Markt war zur Jahrhundertwende der Supermarkt der Arbeiter- und Handwerksfamilien im Stadtteil. Einiges wurde auch eingekauft, um es einzukochen oder einzukellern und damit auch im Winter zum Beispiel Gemüse zu haben. Viele malochten im Stahlwerk Poensgen am heutigen Hauptbahnhof.

Gut 120 Jahre später steht Urenkelin Angela Miggitsch auf dem Markt - Seite an Seite mit Tochter Stefanie. Familie Miggitsch wohnt und arbeitet in Itter. Oma Gertrud war 1950 mit ihren Kindern dorthin gezogen.

Zum Oberbilker Markt fährt Angela Miggitsch mit einem Lkw. Sie steht vor Wind und Wetter geschützt im überdachten Stand. In ihren Plastikkisten liegt wie einst bei Urgroßmutter Margarete Stoffels Obst und Gemüse aus der eigenen Gärtnerei, daneben Bananen, Zitrusfrüchte oder Mangos von Händlern aus der Stadt. Markthändler mit einer so langen Familientradition und einem Stammplatz - von denen gibt es in Düsseldorf kaum noch welche. Bei Angela Miggitsch, die bereits in vierter Generation auf dem Markt steht, war es anfangs auch nicht klar, ob sie ins Familiengeschäft einsteigen würde.

Als Kind hatte sie zwar schon am Stand ausgeholfen, sich dann aber für einen Job in einer Spedition entschieden. Erst als sie Mutter wurde und ihren Job nicht mit dem Familienleben verbinden konnte, wurde sie Vollzeit-Markthändlerin: "Meine Tante Elisabeth Trosdorrf hatte keinen Nachfolger. Das passte." Das war Mitte der 90er Jahre und Miggitsch Mitte 30. Seitdem führt sie den Obst- und Gemüsehandel.

Heute würde sie ihren Job gegen nichts eintauschen, sagt Miggitsch, die in dritter Generation auch noch einen Hofladen in Itter Am Steinebrück betreibt. Und das sieht man ihr an: Immer gut gelaunt steht sie dienstags und samstags mit Tochter Stefanie am Stand. Dann hat sie ihren Hofladen geschlossen. Der hat montags, mittwochs und freitags geöffnet. Ob in Itter oder in Oberbilk, Miggitsch hilft den Kunden bei der Auswahl, berät sie und plaudert mit ihnen - über das Wetter, Kochrezepte, Krankheiten.

Wenn Angela Miggitsch sich alte Familienfotos ansieht, ist sie erstaunt, wie einfach und auch beschwerlich die Bedingungen früher waren. "Es gab mechanische Waagen, man musste mit Gewichten hin- und herprobieren, bis man die Balance hatte. Und das Kopfrechnen! Heute haben wir zum Glück elektrische Waagen." Das, was ihr manchmal schwer falle, sei die Arbeit im Winter: "Morgens um 3 Uhr aufzustehen, wenn draußen minus sieben Grad sind, fällt schwer."

Gut 120 Jahre nach den Urgroßeltern auf dem Oberbilker Wochenmarkt zu stehen, erfüllt Miggitsch mit Stolz. Doch Tradition verpflichte auch: "Ich will nicht die Letzte sein!" Dass Tochter Stefanie - von sich aus - ins Geschäft eingestiegen ist, macht sie glücklich.

Auch wenn sie auf dem Markt inzwischen den einzigen Obst- und Gemüsestand betreibt, glaubt sie an die Zukunft der Wochenmärkte: "Sie werden sich nur verändern. Heute ernähren sich viele Menschen gerne vegetarisch oder vegan, wollen frische Zutaten". Und viele schätzen den persönlichen Kontakt - ob auf dem Markt oder im Hofladen. "Supermärkte sind anonym", sagt Miggtisch.

Der Hofladen der Familie Miggitsch, Am Steinebrück 18, hat montags von 15.30 bis 19 Uhr, mittwochs von 9 bis 13 Uhr und freitags von 10 bis 13 sowie von 15.30 bis 19 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
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