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Oberkassel
Wenn Opa Hilfe braucht

Oberkassel. Im "Krabbelreich" bieten Julia Sohn und Frank Himmelmann Erste-Hilfe-Kurse für Kinder ab sechs Jahren an. Von Julia Chladek

Zum Überlegen bleibt zwischen den Anweisungen der Automatenstimme aus dem Defibrillator nicht viel Zeit - erst die Elektroden von der Klebefolie ziehen, dann richtig am Körper des Patienten anbringen, den blinkenden Knopf drücken und den Bewusstlosen währenddessen bloß nicht berühren. Viele Erwachsene wären wohl schon nach der Hälfte der Schritte in Hektik verfallen, aber die elfjährige Leanna folgt den Hinweisen in aller Seelenruhe. Trotz des Behandlungserfolges ist sie aber froh, dass das hier kein echter Notfall und der Patient auch nicht wirklich bewusstlos ist, sondern ihr vier Jahre jüngerer Bruder Christopher, der das Versuchskaninchen spielen durfte.

Mit vier anderen Kindern absolvieren Leanna und Christopher heute einen Erste-Hilfe-Kurs bei Julia Sohn und Frank Himmelmann. Bereits seit 2008 können Kinder ab sechs Jahren im "Krabbelreich" in Oberkassel lernen, wie sie reagieren sollen, wenn ein anderes Kind oder ein Erwachsener in eine Notlage gerät. Dass die Kinder in einer solchen Situation auf sich allein gestellt sind, kommt öfter vor, als man denkt - zum Beispiel "Wenn es Opa nicht gut geht", wie Sohn und Himmelmann den Kurs betitelt haben.

Auf die Idee für das Angebot kam Julia Sohn nach einer Erfahrung in ihrer Familie: Tochter Nele, heute neun Jahre alt, verschluckte sich an einer Kartoffel und drohtee zu ersticken. "Zum Glück wusste ich aus meinem eigenen Erste-Hilfe-Kurs, was zu tun ist", erinnert sich Mutter Julia. "Aber gleichzeitig habe ich mich gefragt, was passiert wäre, wenn sich das Ganze umgekehrt zugetragen hätte. Meine Tochter hätte damals nicht gewusst, wie sie mir helfen sollte." Auf dem Kursprogramm steht deshalb auch das Heimlich-Manöver, eine lebensrettende Sofortmaßnahme bei drohendem Ersticken, bei dem der Fremdkörper mit starkem Druck auf den Bauchraum wieder herausbefördert werden soll. Dass die Methoden aus dem Erste-Hilfe-Kurs für Erwachsene nicht einfach kopiert werden können, wird hier schnell klar: Die sechsjährige Golda kommt mit ihren Armen allenfalls halb um Kursleiter Frank Himmelmann herum - keine Chance für das klassische Heimlich-Manöver. Der Feuerwehrmann und Dozent im Rettungsdienst zeigt den Kindern deshalb, welche Handgriffe sie in einem solchen Fall alternativ anwenden können. Auch die stabile Seitenlage wird geübt und wie man den bewusstlosen Patienten anschließend am besten auf die wärmende Rettungsdecke manövriert. Der ein oder andere Schubser ist dabei wohl eher Ausgeburt ausgeprägter Geschwisterliebe als von Unaufmerksamkeit, denn alle sind konzentriert bei der Sache und reißen sich darum, wieder und wieder das Telefonat mit der Feuerwehrleitstelle zu üben - vielleicht auch, weil Frank Himmelmann echte Einsatzkleidung zum Anprobieren mitgebracht hat.

Natürlich sei das Ziel des Kurses nicht, dass die Kinder anschließend perfekt mit einem Defibrillator umgehen oder einen einwandfreien Verband anlegen können. "Erwachsene befürchten oft, etwas falsch zu machen. Die Kinder sollen deshalb lernen, dass es bei der Ersten Hilfe kein Falsch gibt und sich trauen, etwas zu tun. Vor allem sollen sie sich trauen, den Notruf zu wählen", erklärt Himmelmann. Dass die Teilnehmer das in Zukunft tun werden, daran besteht kaum ein Zweifel: Wo es zu Beginn bei der Frage nach der Notrufnummer noch ein paar Zahlendreher und Unsicherheiten gab, bekommen jetzt mindestens noch die übernächsten Nachbarn die einstimmige Antwort der neuen Erste-Hilfe-Profis zu hören: "112!".

Quelle: RP
 
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