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Reisholz
Sirenen lassen Hans Binn nicht los

Reisholz. Unter dem Titel "Sirenen und anderes" stellt Hans Binn neue Malerei und Holzschnitte im Bürgerhaus Reisholz aus. Von Bernd Schuknecht

Hans Binn hält dem Reisholzer Bürgerhaus, in dem der Künstler lange Jahre den kunstpädagogischen Bereich betreute, weiterhin die Treue. Bereits zum dritten Mal präsentiert der einstige Bilker, der 2011 seine Wunschheimat zur Wahlheimat machte und in die Bretagne zog, neue Arbeiten an der Kappeler Straße. "Sirenen und anderes" hat er seine Ausstellung mit 29 Arbeiten, Malerei und Holzschnitte, genannt, die gestern Abend eröffnet wurde.

Seine Kunst war viele Jahre auf den klassischen Holzschnitt, formal streng, jedoch durchsetzt von feinem Humor, beschränkt. Noch in Deutschland begann er zusätzlich mit der Malerei, jedoch hat sich erst seit jetzt sein künstlerisches Spektrum sowohl hinsichtlich der verwendeten Materialien, als auch hinsichtlich von Motiven und Bildsprache signifikant erweitert.

Was die "Sirenen", denen Odysseus in dem griechischen Homer-Epos widerstehen musste, anbetrifft, so hat Binn diese verführerischen Frauen, die es auf Seeleute abgesehen hatten, auch in der keltischen Mythologie entdeckt. "Vielfach sind sie auch als Verzierungen an alten Kirchen zu sehen", erklärt Binn. Seine Sirenen-Frauen haben immer noch die großen Augen wie auf seinen Holzschnitten, ihre Hände sind kräftig, aber nicht mehr so überbetont wie früher. Als "Pfau-Frau" erscheint sie in einem Art Deco-Ambiente der 20er Jahre, mondän wie auf einem Modefoto bei "Film noir" und bei "Gelati" hat sich eine verführerische Frau im bretonisch gestreiften Kleid selbst durch ein Eichhörnchen verführen lassen. Die bemalten Holzplanken gehen nicht nur eine vielschichtige Beziehung zur maritimen Gegend ein, sie eignen sich durchaus auch als Kunst für den Garten.

Die Farben seiner Landschaften, etwa bei Morbihan, sind satter, sowohl das Grün der Wiesen als auch die Blautöne von Himmel und Meer. Mit einer kalkulierten Unschärfe setzt Binn einen Kontrast, der seine Bilder vom allzu gefälligen Postkarten-Idyll abhebt. Binn kennt diese Farbintensität, und wer schon einmal in der Bretagne, wo die Sonne häufiger scheint als das Vorurteil erlaubt, war, ist vom Strahlen leuchtender Landschaften ebenfalls fasziniert. "Die Bilder entspringen einer künstlerischen Freiheit, wie ich sie zuvor nicht erlebt habe, ich genieße einen künstlerischen Lernprozess, der ungemein spannend ist, aber von dem ich heute noch nicht weiß, wo er mal enden wird", sagt Binn, der sich künstlerisch Hemmungen überwunden hat und sich mittlerweile viel mehr traut.

Jedes Bild stellt eine Art Momentaufnahme, den Ausschnitt einer längeren Geschichte dar. Darum malte er das trockengefallene Boot auch von der Seeseite aus mit Blick aufs Land, und bei "Fruits de mer" ist das Restaurant mit seinen Sonnenschirmen so klein und bescheiden abgebildet, dass sich dahinter einfach eine große Geschichte verbergen muss.

Quelle: RP
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