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Unterbach
Ein Dorf wird Vorstadt

Unterbach. Überall in Unterbach sollen ganze Viertel entstehen. Auf der Strecke bleibt der Charakter des Ortes, sagen Kritiker. Von Torsten Thissen

Man muss in allem ja das Gute sehen, sagt Gerd Krautmacher, und so sieht er das dann auch. Vom Fenster seines Kiosks aus, den er seit 1971 hier betreibt überblickt er den Breidenplatz und die Gemütslage der Unterbacher. Die ist nicht unbedingt schlecht, aber die großen Veränderungen im Dorf stehen ja auch erst noch bevor. Da ist zum Einen der Umbau des Breidenplatzes, ein Riesenthema bei den Menschen, das den Alten aber auch seltsam vertraut erscheint. Schon einmal wurde über die Bebauung geredet, es gibt schon lange Pläne, und doch döst der Breidenplatz mit dem Eselsstandbild und der Stadtteilbibliothek ja immer noch vor sich hin. Jetzt aber geht es um 133 neue Wohnungen, einen Supermarkt und Parkplätze, die wegfielen, wenn gebaut wird. Krautmacher sagt, es sei gut für die heimischen Händler, wenn mehr Menschen nach Unterbach zögen. Natürlich kaufen auch die Zeitschriften und geben Pakete auf aber, ob Unterbach dann noch Unterbach ist, das weiß Krautmacher natürlich nicht. "Es wird sich sehr verändern", sagt er und eine seiner Kundinnen ergänzt, "und das nicht zum Guten." Ausführen mag sie ihre Bedenken nicht, doch man müsse sich nur die bereits entstandenen Neubauten im Dorf ansehen, dann sehe man schon, was sie meine.

Tatsächlich ist Unterbach schon ziemlich dicht bebaut. Es vergeht kaum eine Sitzung der Bezirksvertretung in der nicht ein Bauprojekt vorgestellt und abgesegnet wird. Meistens ist es weiß verputzt, meistens ist es Geschosswohnungsbau und meistens steht es da, wo vorher ein Garten oder Gemüsebeete waren. "Und außerdem sind diese Kästen viel zu hoch", sagt Reinhold Anmüller, der seit 30 Jahren hier lebt. Eigentlich hat er ja zu tun, aber bei diesem Thema ist Anmüller sehr gerne bereit, etwas zu sagen. Anmüller ist Architekt und Stadtplaner von Beruf. "Mir ist vollkommen unverständlich, was hier in den letzten fünf Jahren abläuft", sagt er. Die Struktur des Ortes leide erheblich, die Lückenbebauung sprenge jeglichen Rahmen und verändere das Gesicht des Ortes komplett.

Man sollte den Mann jetzt nicht missverstehen. Er hat nichts gegen Neubauten, so sieht er etwa in der Bebauung des ehemaligen Rewe-Zentrallagers grundsätzlich eine Verbesserung des Ist-Zustandes. "Die Neubauten in den Lücken allerdings sind vier-, fünf-, sechsgeschossig und stehen zwischen den vorwiegend zweigeschossigen Bauten." Auf Teufel komm raus werde in Unterbach gebaut, "ich verstehe die Verwaltung und die Investoren nicht." Anmüller muss weiter, er würde sich zumindest bei der Bebauung des Breidenplatzes ein Eingreifen der Politik wünschen, sagt er noch.

Die zumindest haben in ihrer Sitzung am Donnerstag Stellung bezogen und dem Ausschuss für Stadtentwicklung ein paar Empfehlungen für Unterbach mitgegeben: So wünschen die Stadtteilpolitiker etwa am Breidenplatz eine geringere Verdichtung. Von einer dreigeschossigen Bauweise mit Staffelgeschoss soll zweigeschossig geplant werden, außerdem wünschen sie, dass das Handlungskonzept Wohnen auch am Breidenplatz umgesetzt wird. Auch soll die Straße Am Zaulsbusch als öffentliche Einbahnstraße bis zur Gerresheimer Landstraße zu führen sein und für mehr Parkplätze als bisher geplant soll der Investor auch sorgen.

Für Christina und Carsten Merten ist der Verkehr und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr das größte Problem, das entstehen könnte, wenn der Breidenplatz umgebaut wird und mehr Familien mit Kindern nach Unterbach kommen. "Morgens etwa ist der Bus immer so voll, dass man keinen Sitzplatz mehr bekommt", sagt Frau Merten, die ebenso wie ihr Mann in der Düsseldorfer Innenstadt arbeitet. "Und der Verkehr staut sich ewig", ergänzt er. Nach Unterbach waren sie wegen der Ruhe und der dörflichen Strukturen gezogen.

Quelle: RP
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