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Unterbilk
Auch sonntags bleibt die Küche nicht kalt

Unterbilk. Das Café Grenzenlos in Unterbilk floriert. Viele Gäste nutzen das preiswerte Essensangebot sowie die Möglichkeit, nicht alleine essen zu müssen. Einmal im Monat gibt es das Sonntagskochen. Dann stehen wechselnde Teams am Herd. Von Katharina Peetz

Normalerweise bleiben in der Küche des "Café Grenzenlos", das der Verein "Arm und Reich an einem Tisch" seit 1998 betreibt, sonntags die Herde aus. Doch einmal im Monat wird zum "Sonntagskochen" eingeladen, dann stehend jeweils wechselnde Teams am Herd. Wie unter der Woche kostet das dreigängige Menü für Menschen mit eingeschränkten finanziellen Mitteln 2,50 Euro, Vollzahler zahlen aber auch mit fünf Euro nur das Doppelte. An diesem Sonntag sind es die "Gerresheimer Söhne", wie sie sich selber nennen: Robert Schmitz, Jamie Gerits, Christian Liedgens und Philipp Laferi. Ihre Eltern sind Mitglieder bei den "Gerresheimer Freunden", die auch schon mal im Café Grenzenlos gekocht haben.

Die jungen Männer kochen in ihrer Freizeit gern; das ist schon einmal die Grundvoraussetzung, damit niemand mit knurrendem Magen das Café verlassen muss. Aber 100 Portionen zu servieren, ist für die vier Hobby-Köche eine neue Herausforderung. Trotzdem klappe alles erstaunlich gut, berichtet Jamie Gerits. Sein Zuständigkeitsbereich ist die Vorspeise, die Kürbis-Creme-Suppe. "Wir haben darauf geachtet, dass das Menü saisonal ist", erklärt der junge Mann. Und dafür gibt es Lob von den Gästen: "Geschmack wunderbar, Design wunderbar", ruft ihm ein älterer Herr im Sakko quer durchs Restaurant zu.

Angerichtet wird an der Theke und in der Küche. Für die Hauptgerichte sind Robert Schmitz und Christian Liedgens verantwortlich. Es gibt "herzhafte Hähnchenkeule an grünem Curry mit Reis" oder als vegetarisches Gericht "Gnocchi an Gorgonzola-Spinat-Sauce mit Parmesan." Sorgfältig streut Schmitz noch ein paar Sesamkörner über die Hähnchen-Keule, bevor die Teller rausgehen.

Einen davon bekommt ein pensionierter Bankkaufmann, der regelmäßig den Mittagstisch im Café Grenzenlos nutzt. "Ich habe gute Erfahrungen mit den Köchen gemacht", erzählt er. Dabei, so sagt er, gehe es ihm nicht nur ums Essen: "Ich bin alleinstehend." Für eine Person zu kochen, mache ihm keinen Spaß. Außerdem genieße er den Kontakt zu den anderen Besuchern. Just in dem Moment kommt ein anderer Gast an seinen Tisch. "Ach, biste auch schon da", ruft der und schüttelt dem Rentner überschwänglich die Hand.

Abgesehen von den sozialen Kontakten ist für viele Gäste aber auch wichtig, dass die Essens-Preise niedrig sind. Auch wenn das kaum einer direkt zugibt. "Nur etwa sieben bis acht Prozent der Besucher sind so genannte ,Vollzahler', für die kostet das Drei-Gang-Menü fünf Euro", erklärt Walter Scheffler vom Café Grenzenlos. Wer weniger als 783 Euro im Monat zur Verfügung hat, zahlt die Hälfte. Es sei ein gutes Angebot für Leute, die nicht so viel Geld hätten, deutet Angelika M. an. Pascal Baltes ist 42 Jahre alt und geht mit seiner nicht so rosigen finanziellen Situation etwas offener um: "Hier gibt es eine ausgesprochen gute Küche für den kleinen Geldbeutel." Der 47-jährige Peter erzählt, dass er manchmal auch in anderen städtischen Einrichtungen essen geht, da er momentan nicht berufstätig sei. Doch am liebsten komme er ins Café Grenzenlos, hier gefalle ihm die Atmosphäre sehr gut. Neben sich hat er zwei Bücher, eine Zeitschrift liegen und den Schoko-Brownie mit Vanillesoße, den es heute als Nachtisch gibt.

Konzentriert lesen wird er heute nicht können: "Mittags ist es hier immer so laut", bedauert er. Auch der Sonntag ist da keine Ausnahme. In der Tat ist gegen 13 Uhr so gut wie kein Platz mehr frei und das Gemurmel an den Tischen nimmt stetig zu. Das Café Grenzenlos floriert.

Quelle: RP
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