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Unterbilk
Ein Platz der Möglichkeiten

Unterbilk. Der Kirchplatz ist vielen Anwohnern und Geschäftsleuten immer noch zu schmutzig und zu wenig belebt. Doch er hat ein Potenzial. Von Torsten Thissen

In der Mitte des Kirchplatzes ist ein Beet, umrandet mit Corten-Stahl, auf dem an die Umgestaltung des Platzes erinnert wird. Nun hat dieses Beet einen Schönheitsfehler, und das ist ein ziemlich großer Kasten voll Rattengift in der Mitte, denn das komplette Beet ist durchlöchert von den Nestern der Nager. Eine Frau geht mit ihrem Hund spazieren, "gut ist ja, dass man etwas gegen die Verwahrlosung tut", sagt sie, der Müll, der bis vor kurzem noch hier überall herumflog, sei ja nun auch endlich entfernt worden, aber insgesamt sei die Situation des Kirchplatzes, sein Zustand, eher kläglich. Seit Jahren schon führt sie ihren Hund hier aus. "Eigentlich kann es ja nur besser werden", meint sie. Und vielleicht liegt die trostlose Stimmung auf dem Platz ja auch am Wetter dieser Tage. Es gibt schlimmere Plätze in Düsseldorf, doch man hat ständig das Gefühl, dass der Platz sein Potenzial nicht nutzt.

Der Kirchplatz könnte ein Kleinod sein, ein urbanes Zentrum. Wie in diesen Animationen der Architekten, wo die Leute Kaffee trinken, hippe Elektro-Autos fahren oder besser noch Fahrrad, in denen immer eine junge Frau mit Kinderwagen zu sehen ist. Die Realität hinkt dem hinterher. Spätestens seit der Stern-Verlag an der Friedrichstraße zugemacht hat, weiß man nicht recht, wie es weitergehen soll auf dem Kirchplatz. Kommt er runter oder geht es wieder bergauf? Bergauf würden wohl die Vermarkter von Fürst und Friedrich sagen, jenem Bürogebäude, das an der Ecke Fürstenwall/Friedrichstraße entsteht. Hier ist der Kirchplatz "Knotenpunkt, Begegnungsort und täglicher Marktplatz", so die Beschreibung der Ist-Lage. Dass der tägliche Marktplatz aus Schnellimbissen, Blumenläden und zwei Kaffeebuden besteht, schreiben die Immobilien-Entwickler nicht auf ihre Homepage. Auch der Leerstand, die Ein-Euro-Läden und der Sex-Shop in der Umgebung bleiben unerwähnt. Ein Obdachloser schläft im Eingang zu einem leerstehenden Ladenlokal direkt an der neuen U-Bahnstation. Das Viertel muss sich neu erfinden. Oder es geht noch weiter bergab, sagt der Inhaber eines Geschäftes an der Friedrichstraße, der eigentlich nichts mehr sagen will, weil in den letzten Jahren soviel Schlechtes über die Gegend gesagt wurde. Zu viele Bauarbeiten, zu viel Gerede, die ehemalige Zentrale der West LB als steinernes Mahnmal für den Untergang Düsseldorfs als Bankenmetropole - der Kirchplatz braucht Konstanz. Die Taverne Pegasos ist so eine Konstante. Seit mehr als 30 Jahren serviert Nikolaus Tzimas hier griechisches Essen, die Karte hat er nie geändert, Fisch, Lamm, frisches Gemüse an Holztischen, Wände in weiß-blau. Auch heute noch kommen die Menschen aus den Büros der Umgebung zum Mittagessen. Und Anwohner wie Detlef Weissert. Er sagt, dass die Umgebung nur schläft. "Hier warten viele nur darauf, dass es besser wird", sagt er. Die Hausbesitzer etwa vermeiden lange Mietverträge, weil sie glauben, in ein paar Monaten bessere Mieter zu bekommen. Bis dahin warte man eben ab.

Quelle: RP
 
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