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Urdenbach
Heimatsucher mit Sofa und Kamera

Urdenbach: Heimatsucher mit Sofa und Kamera
Der Düsseldorfer Fotograf Horst Wackerbarth rückt die Urdenbacher Kämpe ins rechte Licht. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Urdenbach. Der Fotograf Horst Wackerbarth setzt NRW in Szene - für den Jubiläumsbildband zum 70-jährigen Bestehen des Landes. Von Dorian Audersch

Komischerweise war es ein Nickerchen, das dem Fotokünstler Horst Wackerbarth Ende der 1970er Jahre sein kreatives "Erweckungserlebnis" bescherte. Er übernachtete bei dem US-Kollegen Kevin Clarke in New York, auf einem roten Sofa. "Irgendwie kam mir die Idee, mit dem Ding durch das Land zu reisen und wir haben zusammen ein originelles Porträt der USA gemacht", sagt er. Mit Couch und Auto reisten sie kreuz und quer durch das Land. Bildband und Ausstellung zur Aktion waren große Erfolge.

Seitdem ist die signalfarbene Sitzgelegenheit das Markenzeichen des Düsseldorfers. Derzeit reist der Fotograf durch alle Regionen Nordrhein-Westfalens, um anlässlich des 70. Geburtstags des Landes und des 30-jährigen Bestehens der Stiftung NRW einen Bildband zu erstellen - auf der Suche nach der Bedeutung des Wortes "Heimat". Eine Station des Künstlers ist dabei Haus Bürgel, genauer gesagt: Die Streuobstwiesen der Biologischen Station.

"Das ist eine grandiose Natur", findet der 65-Jährige, während er an seinen Stativen, Kameras und sonstigen Accessoires nestelt. Der Himmel sei allerdings viel zu blau - und die Sonne zu hell. Mitten auf der Wiese steht die rote Couch, inzwischen in der vierten Generation. Prominente, Politiker, Arme, Reiche, Kranke - viele haben bereits Platz genommen. "Sie sieht genau so aus, wie das Modell von damals", betont Wackerbarth. Bei einigen Sessions rund um die Welt sei das Möbelstück arg in Mitleidenschaft gezogen worden, beispielsweise in einem Löwengehege oder am Nordpol, als Eisbären über die Couch herfielen. "Aber dafür habe ich super Fotos machen können."

Derartige Gefahren drohen in der Urdenbacher Kämpe freilich nicht. Der Biologe Norbert Tenten nimmt auf dem Sofa platz, um die teilweise existenziellen Fragen des Fotografen zu beantworten. Das Leben nach dem Tod, die Entstehung des Universums, die Frage nach Gott - und natürlich, was genau "Heimat" bedeutet. "Ich will das Land NRW und seine Menschen zeigen", sagt Wackerbarth, während er seine neuen Aufnahmen begutachtet. Die Landschaft rund um Haus Bürgel empfindet er als Wohltat.

"In NRW gibt es viel Beton, Glas, Industrie und Asphalt, aber die Urdenbacher Kämpe ist ein geradezu paradiesisches Kleinod", frohlockt der Fotograf. Einen der Äpfel, die während der Aktion tonnenweise geerntet werden, hat er ebenfalls probiert: "Das ist schon etwas ganz anderes als die aus dem Supermarkt." Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station Haus Bürgel, verfolgt das Interview ihres Mitarbeiters durchaus vergnügt. Dass die Kämpe Teil des Bildbandes wird, findet sie gut.

Mit dabei sind auch Mitarbeiter des Hotels InterContinental an der Königsallee in Düsseldorf. Seit drei Jahren erntet ein Teil der Belegschaft mit - als Engagement für Umweltschutz und soziale Verantwortung. "Es ist zum einen schön, in die Natur zu gehen und mal etwas anderes zu machen", sagt Sabine Radicke, "und zum anderen wird ein Teil der Äpfel auch bei uns im Hotel verarbeitet."

Quelle: RP
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