| 00.00 Uhr

Wersten
Die Belange behinderter Menschen sollten bekannter werden

Wersten. "Wir machen mit" - unter dieser aktiven Überschrift trafen sich jetzt zahlreiche Menschen im evangelischen Stephanushaus. Anlass war der Auftakt für ein Projekt, das die Teilnahme von Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben und in der Gesellschaft fördern soll. Dabei geht es darum, den Stadtteil zu erleben und mitzugestalten. Unterstützt wird das dreijährige Projekt, das beim Matthias-Claudius-Haus angesiedelt ist, von der "Aktion Mensch". "Wir wollen herausfinden, was sich die Leute im Stadtteil wünschen und auf Augenhöhe miteinander kommunizieren", erklärte Projektleiter Oliver Schwab vom Matthias-Claudius-Haus. Von Beate Gostincar-Walther

Zahlreiche Gäste waren der Einladung gefolgt: Bewohner und Mitarbeiter des Matthias-Claudius-Hauses, Förderer, Vertreter der Hochschule, der Werstener Jonges, weitere Nachbarn und Freunde. Im Stadtteil Wersten liegt das Matthias-Claudius-Haus räumlich auf jeden Fall "mittendrin". Mit der Teilhabe könnte das aber noch besser werden, davon waren viele überzeugt und zu diesem Zweck soll ein breit geknüpftes Netzwerk entstehen.

Ideen und Wünsche haben die Menschen mit Handicap reichlich, das zeigte sich bei der Veranstaltung schnell. "Ich wünsche mir, dass jemand mich zum Fortuna-Spiel mitnimmt", sagte Siegfried Wrede selbstbewusst in das Mikrofon. Christiane Andree ist in ihrem Rollstuhl extra aus Oberbilk gekommen. Sie macht sich bereits in mehreren Gremien stark, wünscht sich aber mehr. "Die Belange behinderter Menschen sollten bekannter werden", ist sie sich sicher. Dass dies nötig ist, davon weiß Projektmitarbeiterin Melanie Elmendorf. "Die tun mir aber leid, hat mal jemand auf der Straße zu mir gesagt", erzählte sie. Solche Gedanken habe nur jemand, der behinderte Menschen nicht kenne. Es gilt also auch Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.

Die Kommunikation sei manchmal schwierig, weil sich nicht alle Menschen mit Handicap leicht und verständlich artikulieren können. "Deshalb gehört es zum Projekt, ihre persönliche Kompetenzen zu stärken und sie zu ermutigen, sich anderen mitzuteilen", sagte Elmendorf. Ihr Kollege Benjamin Freese ergänzte: "Viele unserer Bewohner können nicht alleine aus dem Haus, sie brauchen Hilfe, um den Stadtteil zu erschließen." Dabei gehe es sowohl um praktische Barrieren als auch die in den Köpfen. Viele Ehrenamtliche für die Arbeit zu gewinnen, sei daher ein wichtiges Anliegen.

Verschiedene Gruppen innerhalb des Projektes sollen helfen, Kräfte zu bündeln und behinderte und nichtbehindert Menschen auf Augenhöhe zusammenzubringen. Das erste Treffen der Aktionsgruppe ist bereits terminiert, es dient dazu, Ideen für Aktivitäten zu sammeln. Eine Redaktionsgruppe wird über das Projekt berichten. Hier sind die Aktiven von "Pikls" gefragt: einer anderen auch in Düsseldorf tätigen Initiative, die behinderten Menschen moderne Informationsmittel zugänglich macht. "Wir werden auf Instagram und Facebook vertreten sein", kündigte Melanie Elmendorf an.

Als in der Runde Ideen gesammelt wurden, zeigte sich schnell, dass manche Menschen mit Handicap gar keine Probleme haben, sondern geradezu übersprudeln. Siegfried Wrede wünscht sich mehr Grün und mehr Gärten in Wersten. Christoph Wiche würde sich über einen Schützenverein freuen, der offen ist für Menschen mit Handicap. Die Aktionsgruppe wird es nicht schwer haben, damit Menschen mit Handicap "mittendrin" ankommen. Jeder, der mitmachen möchte, ist willkommen. Die Mitarbeiter des Projektes sind tagsüber unter der Telefonnummer 91364258 erreichbar.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wersten: Die Belange behinderter Menschen sollten bekannter werden


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.