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Kolumne "Auf ein Wort"
Wir fühlen zu wenig mit

Kolumne "Auf ein Wort": Wir fühlen zu wenig mit
Pfarrer Dietmar Silbersiepe, evangelische Kirchengemeinde Eller. FOTO: Gabriel, Werner (wga)
Düsseldorf. Weihnachten ist längst vorbei. Aber das Christkind bleibt. Und mit ihm einer seiner wichtigsten Sätze: "Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist!" (Lukas 6, 36).

So grausam gnaden- und erbarmungslos können Menschen sein: gnadenlose Geschäftemacher, streitende einander zerfleischende Ehepartner, Politiker, die aus Europa eine Festung machen wollen mit unüberwindlichen Zäunen und Obergrenzen gegen hilfesuchende Menschen, schwadronierende AfD- und Pegida-Sympathisanten.

"Wo kommt diese unglaubliche Kälte her?", hat der aus Dresden stammende Dichter Durs Grünbein mit Bezug auf die Demos in seiner Heimat gefragt: "Da sind alte Frauen dabei, die mal Mütter waren. Warum haben sie kein Mitleid, wenigstens mit den Kindern?"

Empathiearmut nennen das die Psychologen. Sie wird immer mehr zu einem Problem in unserer Gesellschaft. Die Hemmschwelle, anderen Menschen nichts Gutes zu gönnen, ja, Böses zu wollen und zu tun, wird immer niedriger - wie die Vorgänge in der Silvesternacht in Köln und anderswo gezeigt haben. Was steckt dahinter? Die Antwort muss differenziert ausfallen.

Die Hintergründe der Kälte gegenüber schutzsuchenden Flüchtlingen aus anderen Kulturen sind andere und von anderer "Qualität" als die der zunehmenden freigesetzten Aggressivität in Fußgängerzonen und Fußballstadien, auf Straßen und öffentlichen Plätzen. Vielleicht gibt es aber einen gemeinsamen Nenner: die Versuchung zum Erhalt oder zur Ausübung von Macht, die, nicht immer, aber oft, mit einem mangelnden Selbstwertgefühl einhergeht. Gewalttäter, welcher Herkunft und wes Geistes Kind auch immer, gehören bestraft.

Daran gibt es keinen Zweifel - aber auch nicht daran, dass Jesus, das Christuskind, ein Herz und ein wichtiges Wort für alle Gefühlslosen hat: "In den Augen Gottes bist Du, wie jeder Mensch, unendlich viel wert, darum achte den Wert eines jeden anderen. Das ist die Basis, auf der Dein verlorenes Mitgefühl mit anderen wachsen und gedeihen wird. Wenn Du beginnst, andere mit den Augen Gottes zu sehen, wirst Du ihnen dasselbe gönnen, das er Dir gibt. Sei barmherzig, wie Dein Vater im Himmel mit Dir barmherzig ist. So wird Dir ein Satz zur Lebensregel, die Dich mit vielen Menschen in der ganzen Welt verbindet: So wie Ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch (Lukas 6,31)".

Kein leichtes, aber ein wichtiges und schönes Lernprogramm, das uns das Christkind mit auf den Weg gibt, uns allen, der Mehrheitsgesellschaft und den Zugewanderten.

Quelle: RP
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