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Düsseldorf
Zum Jubiläum leuchtet der Zentralschulgarten

Düsseldorf. Mehr als 5000 Großstadtkinder besuchen jährlich das grüne Gelände. Zum 100. Geburtstag wird der Garten an drei Abenden illuminiert. Von Jörg Janssen

Im Hungerwinter 1916/17 – mitten im Ersten Weltkrieg – sicherte er Düsseldorfer Bürgern das Überleben. Heute lehrt er Großstadtkinder, dass Äpfel nicht auf Supermarkt-Regalen, sondern tatsächlich auf Bäumen wachsen: der zentrale Garten für alle Düsseldorfer Schulen in Volmerswerth. Jährlich besuchen rund 4500 Jungen und Mädchen das 35 000 Quadratmeter große "grüne Klassenzimmer" am Räuscherweg im Unterricht.

Hinzu kommen nachmittags Gruppen aus dem Offenen Ganztag der Schulen. "Unter den deutschen Großstädten gibt es einen solchen Garten nur noch in Düsseldorf. Ein Alleinstellungsmerkmal, das uns am Herzen liegt", sagt Düsseldorfs Schuldezernent Burkhard Hintzsche.

Vom 3. bis zum 5. Oktober feiert der älteste deutsche Schulgarten seinen 100. Geburtstag mit einem besonderen Fest. An drei Abenden lassen die Stadt und der Förderverein Historischer Schulgarten das Gelände in einem besonderen Licht erstrahlen. "Nach Einbruch der Dunkelheit wird der historische Baumbestand illuminiert", sagt Theo Hilger vom Förderverein.

200 Ölfackeln markieren nach Einbruch der Dunkelheit bis etwa 23 Uhr den Rundgang. Lichtpunkte mit Entspannungsmusik laden zum Innehalten ein. Kinder werden 50 Kürbisse aushöhlen und leuchten lassen. "Handys bleiben ausgeschaltet", sagt Stephan Martin.

Gemeinsam mit Helma Wassenhoven, die für die Stadt die Feierlichkeiten zum 725. Stadtjubiläum koordiniert, kümmert sich der Direktor des Westdeutschen Diabetes-Zentrums um die Organisation des Jubiläums.

Ein weiterer Hingucker soll Anfang Oktober Besucher nach Volmerswerth locken. "Wir beleuchten den Turm der benachbarten Friedhofskapelle", sagt Edmund Spohr. Freilich will der Vorsitzende der Bürgerstiftung "DUS-illuminated" dieses Engagement nicht auf den Gartengeburtstag beschränken. "Wir machen das auf Dauer, ein Geschenk zu unserem zehnjährigen Bestehen."

Die Zukunft des traditionsreichen Geländes scheint unterdessen gesichert. Weil eine der beiden Gärtnerstellen 2012 erst einmal unbesetzt blieb, fürchtete der Förderverein im vergangenen Jahr um den Fortbestand der Anlage am Räuscherweg, wandte sich unter anderem an Oberbürgermeister Dirk Elbers. Mit Erfolg. Der 25-jährige Sven Kuhnert wurde neu eingestellt. "Wir zeigen den Kindern, was alles im Garten wächst, pflücken beispielsweise Äpfel und machen Apfelsaft daraus", sagt der Düsseldorfer. Auch für Lehrer Jürgen Paust-Nondorf, der an einer Förderschule für Kinder mit geistiger Behinderung unterrichtet, zählen vor allem die sinnlichen Eindrücke. "Die Naturerfahrung bereichert die Jungen und Mädchen."

Ein Pädagoge war es auch, der die grüne Oase im Jahr 1913 ins Leben rief. Christoph Steinmeyer, seinerzeit Rektor der evangelischen Volksschule an der Aachener Straße, beobachtete im Zuge der Industrialisierung eine Entfremdung des Stadtmenschen von der Natur. Schüler und zahlreiche Helfer machten das Gelände urbar. Entlohnt wurden sie im letzten Vorkriegssommer mit Gutscheinen, die sie in Düsseldorfer Geschäften gegen Schulbedarf eintauschen konnten.

Quelle: RP
 
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