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Duisburg
Backsteinvilla im Originalzustand

Duisburg. Deutschlands Beitrag zum Jahr des Technischen und Industriellen Erbes war der gestrige bundesweite "Tag des offenen Denkmals" unter dem Motto "Handwerk, Technik, Industrie". In Duisburg öffneten insgesamt zwölf Baudenkmäler ihre Pforten, von der handwerklich errichteten mittelalterlichen Salvatorkirche am Burgplatz bis zum "Betonbrutalismus" der 1960er Jahre der Liebfrauenkirche am König-Heinrich-Platz. Von Ingo Hoddick

Ein besonders gutes Beispiel war das vor 90 Jahren erbaute Wohnhaus Am Mühlenberg 18 in der Innenstadt, eine repräsentative Backsteinvilla der 1920er Jahre. Diese Straße wurde schon bei der ersten Stadterweiterung Mitte des 19. Jahrhunderts geplant, als eine der ersten außerhalb der Stadtmauern, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg bebaut.

Die ehemalige Direktorenvilla für den Reedereidirektor Fritz Huppert, seine Familie und sein Dienstmädchen ist ein zweigeschossiger traufständiger Bau mit den stilistischen Merkmalen des Neobarock der 1920er Jahre, wie er für gediegene großbürgerliche Wohnhäuser angewendet wurde. Der Architekt der Villa, Wilhelm Weimann, war damals ein in wirtschaftsbürgerlichen Kreisen gut eingeführter Planer, der eine angemessene, aber konservative Architektur für diese Bevölkerungsschicht schuf.

Die Villa gehört in diesem Kontext zu den im Inneren wie im Äußeren weitgehend original erhaltenen Wohnsitzen jener Zeit. Im Zweiten Weltkrieg wurde ihre Umgebung weitgehend zerstört, nur ein Fenster ging teilweise zu Bruch und der Mayener Tuffstein an der Fassade weist ein paar Löcher auf. Renate Kirchner- Ober und Uwe Dippel haben die Villa 2013 von den Erben des ersten Eigentümers erworben, wissen den weitgehenden Originalzustand ihres 2014 in die Denkmalliste eingetragenen Heims zu schätzen und engagieren sich bei seiner Restaurierung.

Gestern bei der Führung durch das Privathaus fielen einige Besonderheiten auf. Gleich im Erdgeschoss gibt es einen Windfang, ein Kaminimitat vor der seinerzeit sehr modernen Zentralheizung und in der Küche eine Rufanlage für das Personal sowie vertikale Schiebefenster, einbruchssicher. Ein Lastenaufzug führt nach oben in das eigentliche Wohnzimmer. Die Räume unten, die auch unser Foto zeigt, dienten nämlich repräsentativen Zwecken. Durch das Treppenhaus mit Oberlicht geht es zum Kinderzimmer, ursprünglich das einzige im Haus mit einem Badezimmer, und zum Dienstmädchenzimmer, mit einem kleineren Heizkörper und nur mit kaltem Wasser.

Herausragend ist die hohe handwerkliche Qualität des Gebäudes. Viele Teile sind Einzelstücke. So mussten die originalen Holzfenster nur neu lackiert werden und halten jetzt noch zwei Generationen. Schon die Fenster in einem kleinen Anbau von 1952 haben nicht mehr die gleiche Qualität wie die von 1925. Private Eigentümer können sich nicht die teuren Restauratoren aus Dresden oder München leisten, zumal das Land NRW immer weniger für Denkmalschutz ausgibt.

Quelle: RP
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