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Duisburg
Der Lebensretter vom Hochofen

Duisburg: Der Lebensretter vom Hochofen
Bereits mit 18 Jahren hat sich Sören Ellerik bei der DKMS als registrieren lassen. Dafür braucht es nur einen Wangenabstrich erzählt er hier beim betriebsärztlichen Dienst seines Arbeitgebers Thyssen Krupp. FOTO: Nils Röscher
Duisburg. Zum heutigen internationalen Blutkrebs-Tages passt die Geschichte von Sören Ellerik (23): Der Mitarbeiter von thyssenkrupp gibt mit seiner Stammzellenspende einem Leukämiekrankem eine neue Chance.

Sie kennen nur Alter, Geschlecht und Nationalität voneinander. Und haben dennoch etwas Lebenswichtiges gemeinsam: ihre DNA, den Baustein jeden menschlichen Erbguts. Die Anonymität von Patient und Spender wird von der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) geschützt.

Sören Ellerik (23) fühlt sich dem unbekannten 43-jährigen Mann aus Deutschland, dem er durch seine Stammzellenspende das Leben retten konnte, dennoch stark verbunden: "Wir sind genetische Zwillinge. Obwohl wir nicht verwandt sind, passt unser Erbgut perfekt zueinander." Im schlechtesten Fall liegt die Wahrscheinlichkeit bei eins zu einer Billion, dass ein Leukämiekranker den für ihn passenden gesunden Gegenpart findet. Wie sinnvoll es ist, sich als möglicher Spender zur Verfügung zu stellen, darauf wies die DKMS anlässlich des internationalen Blutkrebs-Tages am heutigen Samstag hin.

"Ich möchte dafür werben, dass sich mehr Menschen registrieren lassen. Ein Wangenabstrich, per Post verschickt, reicht dafür schon aus", sagt der junge Hochöfener, der in der Stahlsparte von thyssenkrupp im Duisburger Norden arbeitet. Als 18-Jähriger - dem frühestmöglichen Zeitpunkt für eine Spende - ließ er sich vor fünf Jahren in die internationale Datenbank der DKMS aufnehmen. Eigentlich hatte Ellerik das Thema schon aus den Augen verloren. Dann erhielt er unerwartet die Nachricht, dass die komplizierte Suche nach einem idealen Zwillingspärchen für eine Stammzellenübertragung erfolgreich war. Doch ob sein Einsatz auch das Leben des Patienten tatsächlich retten könne, war nicht sicher, denn für die Verträglichkeit von Spenden gibt es leider keine Garantie.

Einen Nachmittag dauerte die Blutabnahme. Kuriere bringen die Spende umgehend persönlich auf schnellstem Wege zum Patienten, egal wohin und zu welcher Uhrzeit, auch weltweit. "Es ist für mich einfach unglaublich, dass ich innerhalb weniger Stunden einem schwerkranken Menschen helfen konnte", so Ellerik. Von seinen Kollegen gab es dafür große Anerkennung und von seinem Arbeitgeber zwei freie Tage. Denn Spender brauchen etwas Erholungszeit. Ellerik will dafür werben, sich ebenfalls eine Spende zuzutrauen. Und das, obwohl er zu den wenigen 20 Prozent gehört, die durch die Behandlung Symptome wie Erkältung und Muskelkater spürten. Die Motivation für seinen persönlichen Einsatz ist aufrichtige Hilfsbereitschaft: "Bei thyssenkrupp haben wir nur Erfolg, wenn wir als starkes Team zusammen arbeiten. Und privat ist es für mich auch eine Selbstverständlichkeit zu helfen, wenn jemand in Not ist. Deshalb bleibe ich auch weiterhin in der DKMS registriert", so der Stahlkocher.

Kann er sich vorstellen, seinem genetischen Zwilling mal persönlich gegenüber zu stehen? "Das würde ich sehr gerne. Aber auch wenn es nicht dazu kommen sollte, finde ich, dass die Spende ein großer Gewinn ist - für beide Seiten."

Jedes Jahr erkranken mehr als 900.000 Menschen weltweit an Blutkrebs. Damit das Bewusstsein für die Heilungschancen durch eine Spende länderübergreifend verbessert werden kann, veranstaltet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) am heutigen Samstag, 28. Mai 2016, den "World Blood Cancer Day". An dem Aktionstag soll überall auf der Welt Solidarität mit den Patienten demonstriert und für Spenden geworben werden.

Die DKMS ( www.dkms.de) ist international die größte Datei und vermittelt zwischen Spendern und erkrankten Menschen aus unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen. Sie registriert rund sechs Millionen Stammzellenspender.

Quelle: RP
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